Luzern

Schausteller gehen in Bern auf die Strasse, in Luzern wird im Hintergrund lobbyiert – findet die Määs doch noch statt?

Seit letzten November stehen die Fahrgeschäfte der Schausteller still. Keine Einnahmen und nur Kosten – ein ganzer Berufszweig bangt um seine Zukunft. In Luzern wurden erste Hebel in Bewegung gesetzt.
Riesenrad und Karussell vor dem KKL in Luzern.  (Urs Flueeler (Luzern, 1. Oktober 2017))
SVP-Kantonsrätin Lisa Zanolla  (Bild PD)

Sandra Monika Ziegler

Sandra Monika Ziegler

«Wir wurden immer wieder vertröstet, jetzt reicht es», sagt Charles Senn, Präsident Vereinigte Schausteller-Verbände Schweiz. Mit einer Grosskundgebung vor dem Bundeshaus wollen die Schausteller am Mittwoch auf ihre prekäre finanzielle Lage aufmerksam machen. «Wir fahren mit drei grossen Anhängern vor. Darauf sind Karussell und Autoscooter, aber nur zum Bestaunen, nicht zum Benutzen. Das dürfen wir nicht, aber wir dürfen Zuckerwatte und Glacé verteilen», sagt Senn zur bewilligten Kundgebung.

Seit dem Stillstand bleiben die Einnahmen aus. Der Fuhrpark steht still und kostet. Zwar hätten sich einige bei den Vermietern wegen Mietzinserlass oder zumindest einer Reduktion gemeldet, doch die Reaktionen seien mehr als ernüchternd gewesen. Ein Schausteller meldete, dass sein Vermieter ihm sagte:

«Sie haben bis jetzt immer pünktlich gezahlt, machen Sie das weiter so.»

Totaler Stillstand führt in den Ruin

Kurzarbeit konnte angemeldet werden, doch das reiche nirgends hin. Und die Anfrage beim Seco, dass zumindest 30 Prozent der letztjährigen Einnahmen vergütet werden, sei noch offen, so Senn. Die Schausteller warten nun auf den Bundesrat. Bisher sei nur geredet worden, jetzt brauche es Taten, so Senn. Weiter fügt er an:

«Es scheint, als wären wir nicht systemrelevant. Doch gibt es keine Schausteller mehr, dann gibt es auch keine Chilbi.»

SVP-Kantonsrätin Lisa Zanolla ist zuständig für die Region Luzern bei «Vereinigte Schausteller-­Verbände der Schweiz». Zanolla zeigt ein gewisses Verständnis für die Warterei.

Der Bundesrat habe die Anliegen ihres Berufsstandes auf die lange Bank geschoben, weil die Situation für alle unerwartet kam und er mit Anfragen und Schicksalen geradezu überrannt wurde. Ein Lichtblick sei die schriftliche Antwort vom Seco.

Sind Schausteller ein Härtefall?

Im Schreiben steht, dass der Bundesrat am 26. August entscheiden wird, ob die Schaustellergilde ein Härtefall ist. Wird das bejaht, kann doch noch auf finanzielle Unterstützung gehofft werden. Und weil ab dem 1. Oktober Grossveranstaltungen über 1000 Leute wieder möglich sein sollen und die Hoheit bei den Kantonen liegt, klopfte Zanolla deshalb bereits bei Regierungsrat Guido Graf (CVP) an.

«Die Antwort von Guido Graf macht Hoffnung», sagt Zanolla. «So könnte die Määs zum Beispiel mit Maskenpflicht ab einem gewissen Rayon, vielleicht doch noch stattfinden. Doch entschieden ist noch nichts, die nächsten Schritte führen zur Stadt.» Von Seiten der Stadt wurde die Määs offiziell Ende Juli abgesagt.

Ebenfalls noch nicht entschieden ist, ob in der Stadt Luzern die diversen Weihnachtsmärkte stattfinden, wie Mario Lütolf, Leiter Stadtraum und Veranstaltungen, auf Anfrage sagt. «Das Eidgenössische Departement des Innern wurde vergangene Woche beauftragt, zusammen mit den zuständigen Departementen und den Kantonen bis am 2. September einheitliche Bewilligungsanforderungen für Grossanlässe auszuarbeiten», erklärt Lütolf. «Unabhängig davon werden wir uns im Verlauf von nächster Woche mit den Weihnachtsevent-Veranstaltern für eine Auslegeordnung treffen.» Der Knackpunkt werde – wie bereits bei der Määs – der Umgang mit den zu erwartenden Besuchervolumen und deren Lenkungen sein.

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