
Die neuen Kampfjets F-35 kosten die Schweiz viel Geld – doch ein beträchtlicher Teil der Kosten wird direkt in die Schweizer Wirtschaft investiert. Die sogenannten «Offset-Geschäfte» belaufen sich auf 3,7 Milliarden Dollar. Das hat das Bundesamt für Rüstung (Armasuisse) Anfang Juli verkündet. Bisher war man von 3 Milliarden ausgegangen.
Etwa eine halbe Milliarde davon fliesst nach Emmen (LU). Dort will der Rüstungskonzern Ruag mehrere Exemplare des neuen Kampfjets selber endmontieren. Das Grossprojekt hat den Namen «Rigi» und steht offenbar kurz vor der Vertragsunterzeichnung mit dem US-Hersteller Lockheed Martin. Wie viele Flugzeuge in Emmen fertigmontiert werden, ist noch unklar, Armasuisse geht aber von drei bis fünf Exemplaren aus.
Emmen als zweites europäisches Standbein
Die Endmontage wird mehrere Jahre dauern. Während dieser Zeit werden in Emmen rund 120 Fachkräfte für den F-35 tätig sein. Mit dem Abschluss der Montagearbeiten werden diese Spezialisten aber nicht arbeitslos. Sie werden für die Wartung des Kampfjets eingesetzt.
Die Ruag soll in Emmen neben den Schweizer Kampfjets aber auch F-35 anderer Länder warten. Emmen soll zu einem europäischen F-35-Kompetenzzentrum werden. Dazu muss man wissen: Die europäischen Armeen besitzen insgesamt eine hohe dreistellige Zahl an F-35. Es gibt aber nur einen einzigen Ort in Europa, an dem grössere Wartungsarbeiten am F-35 möglich sind – er befindet sich auf dem Militärflugplatz Cameri bei Mailand. In Emmen soll nun gemäss Lockheed Martin ein zweiter europäischer Standort aufgebaut werden, betrieben von der Ruag.
Jürg Rötheli, Verwaltungsratspräsident der Ruag, sagte Anfang Juni in der «Samstagsrundschau» auf SRF, man sei bereits mit zwei Ländern «nördlich der Schweiz» im Gespräch. Diese hätten «grosses Interesse», ihre F-35 künftig zum Service in die Schweiz zu schicken. Um welche Länder es sich handelt, verriet Rötheli nicht. Aktuell verfügen aber Belgien, Dänemark, Finnland, Norwegen und die Niederlande über den typengleichen Kampfjet F-35A. Demnächst kommen noch Deutschland, Polen und Grossbritannien dazu.
Belgien will «europäische» F-35
Gut möglich, dass Belgien eines der beiden Länder ist, mit denen die Schweiz im Gespräch ist. Im Dezember reiste Verteidigungsminister Martin Pfister nach Brüssel, um sich die belgischen F-35 zeigen zu lassen. Belgien hat 45 Exemplare bestellt. Ein Dutzend davon wurde bisher ausgeliefert – es kam direkt aus der Produktionsstätte in Texas.
Die restlichen Kampfjets, die Belgien noch erwartet, sollen zumindest teilweise aus Europa kommen. Die belgischen F-35 sollen «so europäisch wie möglich» sein, sagte der belgische Verteidigungsminister. Das Signal ist klar: Auch wenn Europa auf amerikanische Kampfjets setzt, will es nicht völlig abhängig sein von den USA. Belgien möchte deshalb einen Teil der Flugzeuge im italienischen Cameri endmontieren lassen. Cameri ist nicht nur das europäische Wartungszentrum für die F-35. Es ist im Moment auch der einzige Ort in Europa, an dem die Endmontage möglich ist. Dieses Werk ist allerdings stark ausgelastet. Der neue Standort Emmen könnte daher auch hier für Entlastung sorgen: Aktuell ist in Emmen zwar nur die Endmontage der Schweizer F-35 vorgesehen. Doch es liegt auf der Hand, dass Infrastruktur und Fachwissen später auch ausländischen Armeen angeboten werden dürften.
Dass ausgerechnet die Schweiz das neue europäische F-35-Zentrum betreiben soll, begründet Jürg Rötheli selbstbewusst mit dem guten Ruf, den sich die Ruag schon beim F/A-18 erarbeitet habe. Die Ruag verfüge hier über weltweit anerkannte Wartungs-Kompetenzen.

Doch die Tage der F/A-18 sind gezählt, genauso wie jene der F-5 Tiger. Beide Kampfflugzeuge werden in den nächsten Jahren ausser Dienst gestellt. Damit entfällt der Unterhalt dieser Flugzeuge, der aktuell rund 400 Personen beschäftigt. Bisher war immer die Rede davon, dass der Wegfall von F/A-18 und «Tiger» einen beträchtlichen Stellenabbau zur Folge haben wird. Offizielle Begründung von Ruag und Armasuisse: Weil die modernen F-35 viel weniger Wartung benötigen als die alten Jets, braucht es entsprechend weniger Personal.
Doch jetzt sieht die Rechnung offenbar anders aus: Sofern das Kompetenzzentrum in Emmen realisiert wird und genügend Aufträge aus dem Ausland eintreffen, kann der Grossteil der bisherigen Arbeitsplätze erhalten bleiben, wie Ruag auf Anfrage bestätigt. Abgesehen von natürlicher Fluktuation – viele Spezialisten gehen wohl mit «ihrem» F/A-18 in Pension – sollen «im Idealfall keine Entlassungen nötig sein», wie Ruag schreibt. Dies immer unter der Voraussetzung, dass das Projekt «Rigi» zum Fliegen kommt.
Ruag-Sprecher Fabian Vogt sagt: «Im Hinblick auf die jahrzehntelange Einsatzdauer des F-35 ist es entscheidend, dass möglichst viele Fachkräfte am neuen Jet ausgebildet werden können.» Das gelte für den Unterhalt der Schweizer Jets genauso wie für Aufträge aus dem Ausland. Die Ruag wolle diesbezüglich «wertvolle und einzigartige Fähigkeiten aufbauen».



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