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Luzern

Rolf und Martina Wey führten die «Schlacht» in 5. Generation: «Meinem Mami zu sagen, wir hören auf, war der happigste Schritt»

Um mehr Zeit für ihre drei Kinder zu haben, geben Rolf und Martina Wey die Wirtschaft Zur Schlacht in neue Hände. Damit endet eine Ära beim Sempacher Traditionshaus.
Die Gastgeber der Wirtschaft Zur Schlacht in Sempach, Rolf und Martina Wey-Emmenegger, ziehen mit ihren Kindern ins Wallis. (Bild: Pius Amrein (17. Dezember 2020))
Die Wirtschaft zur Schlacht wechselt die Eigentümer: Links das Ehepaar Wey-Emmenegger und rechts die neuen Besitzer Alex und Kilian Hecht. (Bild: PD)

Niels Jost

Niels Jost

Der Entscheid habe über Jahre hinweg reifen müssen. Sogar einen externen Coach haben sie beigezogen, um ganz sicher zu sein, dass sie die richtige Entscheidung getroffen haben. Trotzdem realisieren sie es noch nicht ganz, dass nun ihre letzten Tage im Restaurant angebrochen sind.

Rolf und Martina Wey-Emmenegger sitzen im Sääli der Wirtschaft Zur Schlacht in Sempach. Die Mittagshektik ist vorbei, die letzten Gäste geniessen ihr Dessert, Stammkunden klopfen einen Jass in der Gaststube. Bevor die beiden Gastgeber auf die Fragen antworten, schauen sie sich häufig kurz an. «Willst du beginnen, zu erzählen?», fragt Martina Wey ihren Mann.

Mit 27 Jahren den Betrieb übernommen

Der gelernte Koch und die ausgebildete Kauffrau aus dem Entlebuch führen das Sempacher Traditionshaus in 5. Generation. Bereits Rolf Weys Ururgrossvater wirtete an diesem historischen Ort, wo die Eidgenossen 1386 die Habsburger zurückdrängten. «Schon als Kind waren ich und meine Geschwister ständig im Betrieb, sassen zusammen mit den Gästen am Stammtisch oder haben mitgeholfen», sagt Rolf Wey.

Mit 27 Jahren hat er das Wirtshaus übernommen. «Zu früh», wie der 44-Jährige rückblickend sagt. «Die Verantwortung war und ist gross.» 25 Voll- und Teilzeitangestellte arbeiten in der «Schlacht», einige seit über 30 Jahren. «Wir sind eine grosse Familie», sagt Wey. Zu dieser Familie gehören auch die Gäste. Für sie haben die beiden immer ein offenes Ohr. «Die sozialen Kontakte zu pflegen, war uns wichtig», sagt Martina Wey. Daher freute sich die 38-Jährige jedes Mal, wenn die Gäste betonten, wie gerne sie in die «Schlacht» kämen.

Harte Arbeit zehrte an den Kräften

Doch das Führen des Betriebs hat den beiden auch viel abverlangt. Ständige Präsenz, lange Tage und der finanzielle Druck, der trotz des gut laufenden Geschäfts vorhanden war, lasteten auf ihren Schultern. Auch die Tatsache, sich in gewisser Weise verpflichtet zu fühlen, den Familienbetrieb weiterzuführen, habe es nicht einfacher gemacht.

Vor zwei Jahren fällten sie schliesslich schweren Herzens den Entscheid, ihr Restaurant aufzugeben. Vor allem auch den Kindern zuliebe. Für Ladina (8), Carla (6) und Leandro (3) fanden sie nicht mehr so viel Zeit, wie sie es gerne hätten. Entsprechend hatte ihr Umfeld vollstes Verständnis für den Entscheid. «Meinem Mami zu sagen, wir hören auf, war der happigste Schritt», sagt Rolf Wey. Doch auch sie habe sehr gefasst reagiert. «Das hat uns viel Last abgenommen», so der Gastronom.

Zwei Sempacher übernehmen die «Schlacht»

Damit ging die Suche nach einem Nachfolger los. Erste Gespräche mit der Stadt und Korporation Sempach scheiterten. Schliesslich gab alt Stadtpräsident Franz Schwegler den entscheidenden Tipp für die beiden Sempacher Kilian und Alex Hecht. «Ich kenne Kilian von der Jungwacht», erzählt Rolf Wey. «Nach einem ersten Telefongespräch sassen wir zu viert zusammen. Dann ging es Schlag auf Schlag.»

Kilian Hecht ist Ur-Sempacher, arbeitete bei Coop als Marketingleiter und absolvierte jüngst einen Spirituosen-Sommelier-Kurs. Sein Partner Alex ist gelernter Koch, liess sich zum Hotelier weiterbilden und war schon an verschiedenen Topadressen tätig, etwa beim Grand Hotel National Luzern oder beim Hotel Les Trois Rois Basel.

«Mit ihnen haben wir die bestmöglichen Nachfolger gefunden», sagt Martina Wey. Es sei ihnen wichtig, dass die neuen Gastgeber aus der Region kommen, den Betrieb und seine Geschichte kennen und die Angestellten übernehmen.

Neuer Job beim «Winzer des Jahrzehnts»

Die Schlüsselübergabe erfolgt Ende Jahr, Rolf Wey wird den Hechts aber noch bis Ende Januar zur Seite stehen. Nach einer kurzen Auszeit wagen er und seine Frau mit den Kindern dann den nächsten grossen Schritt: den Umzug ins Wallis. Dort wird der 44-Jährige im Juni eine Stelle im Verkauf und der Organisation bei Diego Mathier antreten, der als Schweizer Winzer des Jahrzehnts ausgezeichnet wurde. Mit ihm arbeitet das Wirtepaar schon lange zusammen. Martina Wey wird sich zur Wanderleiterin mit eidgenössischem Fachausweis weiterbilden – und hauptsächlich für die Kinder sorgen.

Mit dem Umzug ins Wallis geht für die beiden ein Wunsch in Erfüllung. «Wir wollten immer schon mitten in den Bergen wohnen», sagen die passionierten Wanderer. «Wir freuen uns auf die neue Herausforderung.»

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