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Zug

Regio-Fussball: Der FC Rotkreuz läuft Zug 94 den Rang ab

«Guter Wille alleine bringt keinen Segen», schreibt Redaktor Marco Morosoli. Er versucht dem Abstieg von Zug 94 aus der 1. Liga auf den Grund zu gehen.

Seit dem vergangenen Wochenende nützt alles Hoffen und Bangen nichts mehr: Zug 94 muss zum Ende der Spielzeit 2021/22 seinen 1.-Liga-Spind räumen. Der Abstieg der Zuger in die 2. Liga interregional hat sich im Verlaufe der Saison abgezeichnet. Guter Wille alleine bringt keinen Segen.

Statt Zug 94 spielt also ab der nächsten Spielzeit der FC Rotkreuz in der vierthöchsten Liga der Schweiz. Die Ennetseer galten noch vor zehn Jahren als Liftmannschaft – zwischen der 3. und der 4. Liga.

Durch starke Zuzüge und das Engagement des bestausgewiesenen Trainers René Erlachner hat sich der FC Rotkreuz zusehends nach oben gerichtet.

Beim Zug nach oben scheiterte der baldige 1.-Liga-Klub zwar auch. Mit scheinbarer Leichtigkeit versuchte es das Team des umsichtigen FC-Rotkreuz-Präsidenten Claudio Carbone einfach in der nächsten Saison wieder. Seit 2019 spielten die Ennetseer nun in der 2. Liga interregional.

19 von 20 Spielen gewonnen

In ihrer Aufstiegssaison sind die Ennetseer in der 2. Liga interregional das Mass aller Dinge. Wer von 20 Spielen deren 19 gewinnt und nur einmal die Punkte teilt, kann mehr als nur zufrieden sein. Der zweitplatzierte Muri hat gegenüber dem FC Rotkreuz bereits einen Rückstand von zehn Punkten. Zum Drittplatzierten ist die Lücke sogar 22 Punkte breit.

Deshalb feiern die Rotkreuzer bereits am 21. Mai 2020 – und drei Runden vor Schluss der Meisterschaft 2021/2022 ihren Aufstieg. Für die grosse Party ist bereits alles angerichtet. Dass das Abenteuer 1. Liga nicht zu einem Debakel ausufert, dafür finden sich im Umfeld der Ennetseer sicher potente Sponsoren.

Es dürfte deshalb jedem klar sein, dass 500 Zuschauer bei Heimspielen im Sportpark in Rotkreuz nicht ausreichen, um eine konkurrenzfähige 1.-Liga-Mannschaft zu stellen. Einen ungefähren Kompass in Bezug auf den Spielbetrieb bietet hier wieder der Absteiger Zug 94. Mit entwaffnender Ehrlichkeit veröffentlichen die Zuger auf ihrer Vereinsseite im Internet ihr Budget. Es liegt bei etwas über 600'000 Franken.

Dass bei dieser Zahl die Investitionen in die Nachwuchsarbeit auch mitlaufen, darf angenommen werden. Diesbezüglich haben so oder so alle Zuger Fussballklubs eine wichtige Aufgabe. Sie bieten Nachwuchskräften eine Ausbildung und im Schlepptau kommt gleich noch eine Lebensschule mit.

Projekt Apollo von Zug 94 wurde zum Stolperstein

Der am 1. Juli 1958 gegründete FC Rotkreuz zählt aktuell rund 500 Aktive, welche in 22 Teams spielen. Derweil zählt Zug 94 rund 600 Aktive. Zudem sind die Zugerland-Juniorenteams bei Zug 94 angegliedert. An dieser Konstellation sollte, weil sie sich bewährte, nicht gerührt werden.

Es ist klar, dass sich nach dem Abstieg von Zug 94 in die 2. Liga interregional das Projekt Apollo als ein Stolperstein erwiesen hat. Dieses sah eine Vorwärtsstrategie vor, die in der Challenge League erfolgreich hätte sein sollen. Dass es damals Träumer gab, die von 6000 Zuschauern als Kulisse bei Zug 94 sprachen, zeigt wie weltfremd – ja fast schon tollpatschig – dieses Luftschloss abgehoben hat.

Klingende Namen, auch mehrere, kosten oft mehr Geld, als sie letztlich einbringen. Sie sind schnell weg und der Scherbenhaufen bleibt dem treuen Fussvolk. Bei dieser Erkenntnis ist Zug 94 keineswegs alleine. Es gibt in der Schweiz zahlreiche Beispiele.

Doch Apollo alleine hat den Niedergang von Zug 94 nicht derart beschleunigt, dass jetzt in der Herti-Allmend temporär Katzenjammer vorherrscht. Ein Rädchen alleine reicht nicht aus, um die Vereinsmaschine zum Stottern zu bringen.

Wenn sich ein Exponent im Nachgang des Spiels von Zug 94 zitieren lässt, dass jetzt beim Absteiger ausgemistet werden soll, hat der Frust über die Vernunft gesiegt.

Ein neues Stadion wird kurzfristig nicht nötig

Einfach viele, oder gleich alle wegzuschicken, das ist keine Option. Beispiele gibt es auch hier viele. Nachhaltig in Erinnerung geblieben ist der FC Grenchen, bei dem fast alle Kaderspieler einen Abgang machten. Die Junioren mussten übernehmen. Hohe Niederlagen und noch mehr Frust waren die Folge.

Vorsichtig müssen die Zuger Fussballer im Scheinwerferlicht so oder so sein. Aktuell verfolgen zwischen 200 bis 300 Zuschauer die Spiele von Zug 94. Was immerhin bei diesem Zuspruch zu sagen ist: Ein neues Stadion braucht es in der Stadt Zug sicher aktuell nicht.

Es dürfte auch interessant sein, wie Rotkreuz sich in der 1. Liga schlagen wird. Fussball hat im Kanton Zug einfach nicht den Stellenwert wie an anderen Orten. Das zeigt sich ja schon beim in der Promotion League spielenden SC Cham. Dessen Heimspiele besuchen auch eine Liga höher weiterhin eine dreistellige Zahl an Zuschauern. Viel mehr könnten es ja auch gar nicht sein, da das Chamer Eizmoos verkehrstechnisch nicht eben ideal gelegen ist. Aber das ist hier nicht der Platz, um ein weiteres Fass anzuschlagen.

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