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Kanton Uri

Zwischen Organisation und Bewegung: Reformierte Kirche orientiert sich neu

Die Reformierte Landeskirche Uri hat beschlossen, einen Visions- und Strategieprozess zu durchlaufen und führte kürzlich einen Workshop durch.

«Was bedeutet es heute, Kirche zu sein?» 24 Personen gingen im Rahmen eines Visions- und Strategieprozesses der Evangelisch-reformierten Landeskirche Uri dieser Frage nach. Der Workshop wurde unter der Leitung von Prof. Ralph Kunz von der Universität Zürich durchgeführt. Wie es in einer Mitteilung der Urner Landeskirche heisst, definierte Kunz als Ziel des Workshops die Antwort auf die Frage, wie wir heute Kirche gestalten, dass sie uns nicht Energie raubt, sondern Energie gibt. In seinem ersten Impulsreferat unterschied er zwischen der Kirche als Organisation, die funktionieren muss, und der Kirche als Bewegung, gestiftet von Jesus Christus, die Lebendigkeit schenkt. Wer sich immer nur an den Strukturen abarbeite, werde depressiv.

Die 24 Teilnehmenden beschäftigten sich hörend und diskutierend mit der Frage, was es heute heisst, Kirche zu sein.
Bild: zvg

Zurzeit ist die reformierte Kirche eine staatlich gesicherte Institution, die von steuerzahlenden Mitgliedern getragen wird. Diese Basis wird in den nächsten 20 Jahren weitgehend wegbrechen. Kunz sieht eine mögliche Reaktion darauf in der stärkeren Zusammenarbeit mit anderen Kirchen, den Katholiken und allenfalls auch den Freikirchen. Doch im Zentrum  des Tuns stehe nicht die Organisation, sondern das Evangelium, die frohe Botschaft. Jesus habe nicht an Gebäuden mit Orgeln gebaut, sondern am Himmelreich.

Zu zweit erzählten sich die Teilnehmenden ihre schönsten Erlebnisse mit der Kirche. Gestützt auf diese Geschichten gestalteten sie Plakate, auf denen zu lesen war, was die Mitglieder in der Kirche gemeinsam trägt, was Sinn stiftet. In der anschliessenden Ausstellung waren Sätze zu lesen wie «Unterwegs sein in Verschiedenheit», «Gemeinschaft im Glauben an Gott» oder «Zugänge ermöglichen, damit die Kirche als emotionaler Ort erlebt werden kann». Kunz bezeichnete die Plakatsammlung als «Schatzkiste» der Kirchgemeinde, aus welcher sie Energie tanken kann, um anschliessend die «Hausaufgaben» zu machen, nämlich die Organisation zu reformieren.

Ralph Kunz von der Universität Zürich stiess mit seinen Ausführungen auf offene Ohren.
Bild: zvg

In einem Bericht von der Kirchgemeinde Rhäzüns-Tamins erfuhren die Teilnehmenden, wie zwei Frauen eine am Boden liegende Kirchgemeinde «bottom-up» wieder auf die Füsse gebracht haben. Anschliessend trugen sie in Gruppen zusammen, welche praktischen Schritte die Reformierte Kirche Uri unternehmen kann, um Glaube, Liebe und Hoffnung konkret zu leben.

Abgeschlossen wurde der Tag mit einer kurzen Abendmahlsfeier. Kunz verteilte die verschiedenen Elemente wie Dankgebet, Einsetzungsworte oder Fürbitten kurzerhand an die Anwesenden – improvisieren war gefragt. «Das Resultat waren spontane, persönliche, berührende Worte», heisst es in der Mitteilung. Dazu wurden viele Lieder gesungen. So sei für alle auf direkte Weise erlebbar geworden, was partizipative Kirche bedeute, was es heisse, als lebendige Gemeinschaft in Jesus Christus gemeinsam unterwegs zu sein. Und die Verantwortlichen sind gemäss Mitteilung sicher: «Mit den inspirierenden Erfahrungen von diesem Tag ist die Kirchgemeinde gut gerüstet für die kommenden Schritte im Strategieprozess.» (zvg/inf)

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