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Luzern

Rachmaninoff-Villa gehört nun dem Kanton Luzern – und soll dereinst Unesco-Weltkulturerbe werden

Unter kantonalem und eidgenössischem Schutz steht die Villa Senar in der Gemeinde Weggis bereits. Die Stiftung Serge Rachmaninoff hat für das Haus des Komponisten höhere Ziele. Und erhält im Stiftungsrat ein prominentes Neumitglied.
Gehört nun dem Kanton Luzern: die Villa Senar des 1943 verstorbenen russischen Komponisten und Pianisten Sergei Rachmaninoff. (Pius Amrein (28. Oktober 2013))

Alexander von Däniken

Jetzt ist es definitiv: Der Kanton Luzern ist Eigentümer der Villa Senar. Am 1. April, dem Geburtstag des Komponisten Sergei Rachmaninoff, ist der Kaufvertrag unterzeichnet worden. Dies teilte das Bildungs- und Kulturdepartement mit. Gleichzeitig unterzeichneten der Kanton Luzern und die Stiftung Serge Rachmaninoff einen Betriebsvertrag zur Nutzung der auf der Halbinsel Hertenstein gelegenen Villa als Kultur- und Bildungszentrum. Dazu sagt der zuständige Regierungsrat Marcel Schwerzmann: «Für die künftige strategische Führung und Aufsicht des Kultur- und Bildungszentrums wird eine Steuerungsgruppe eingesetzt, die sich paritätisch aus einer je zweiköpfigen Vertretung des Kantons Luzern und der Stiftung zusammensetzt.»

Die Stiftung kümmert sich um die kulturellen Aktivitäten in der Villa und muss diese auch selber finanzieren. Dazu wird laut Urs Ziswiler, Präsident der Stiftung Serge Rachmaninoff, bald eine Stelle für die Leitung Kultur ausgeschrieben. Der Kanton finanziert mit 15,45 Millionen Franken den Kauf der Liegenschaft, die Sanierung des Hauses inklusive Park und den Unterhalt für zehn Jahre. Das Ziel von Kanton, Stiftung und dem letzten Bewohner der Villa, Rachmaninoffs 2012 verstorbenem Enkel Alexander Conus, ist klar: Das Gebäude im Bauhausstil soll auch für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Dafür braucht es aber zuerst eine Sanierung und einzelne bauliche Anpassungen an der Villa, die seit 2018 unter kantonalem Denkmalschutz steht und seit 2021 im eidgenössischen Kulturgüterschutzinventar gelistet ist. Dazu sagt Ziswiler: «Mittel- bis langfristig möchten wir beantragen, dass die Villa Senar in die Liste des Unesco-Weltkulturerbes aufgenommen wird. Denn die Bedeutung des Baus, verknüpft mit der noch immer weltweiten Ausstrahlung seines Erschaffers, ist einzigartig.»

2023 wird doppeltes Jubiläumsjahr

Sergei Rachmaninoff (1873–1943), war einer der bedeutendsten Konzertpianisten und Komponisten seiner Zeit, dessen Werke auch heute zu den meistgespielten auf der Welt gehören und der seine Heimat Russland 1918 im Zug der bolschewikischen Revolution verliess und ins Exil in den USA zog. Zwischenzeitlich lebte er mit seiner Familie in der Gemeinde Weggis, wo er bedeutende Werke schrieb. Nächstes Jahr wird der 150. Geburtstag und 80. Todestag Rachmaninoffs gefeiert. Bis dahin gilt es laut Urs Ziswiler, Sanierung und musikalische Veranstaltungen gut aufeinander abzustimmen. «Für das ganze Jubiläumsjahr 2023 sind verschiedene Aktivitäten vorgesehen. Wir planen zum Beispiel mit dem Hans-Erni-Museum eine Ausstellung ‹Rachmaninoff in Luzern›, bei der Exponate aus Weggis. Russland und USA und gezeigt werden.»

Aktuell ist die Stiftung auch daran, mit dem Departement Musik der Hochschule Luzern ein Konzept zu erarbeiten. Neben Konzerten im kleinen Rahmen sollen in der Villa Senar auch Kurse stattfinden. «Wir sind aber auch mit der IG Kultur in Kontakt, um eine möglichst breite öffentliche Nutzung anzustreben», so Ziswiler. Das Angebot werde sich in den nächsten Wochen und Monaten konkretisieren. Derweil habe der Stiftungsrat mit Isabelle Chassot bereits ein prominentes Neumitglied gewinnen können. Die Freiburger Mitte-Ständerätin war von 2013 bis 2021 Direktorin des Bundesamtes für Kultur. «Sie ist bestens vernetzt und ein absoluter Glücksfall für uns.» Auch neu im Stiftungsrat ist Gabriela Christen, von März 2010 bis Ende Februar dieses Jahres Direktorin der Hochschule Luzern – Design & Kunst.

Der Kanton Luzern leitet derweil die Renovation in die Wege. Sie wird in zwei Etappen erfolgen und durch die Dienststelle Immobilien umgesetzt. Das umfangreiche Archivmaterial wird bereits in den nächsten Wochen ins Luzerner Staatsarchiv überführt. Die erste Renovationsphase startet im Juli 2022 und dauert voraussichtlich bis Ende September 2022. In diesem Zeitraum liegt der Fokus auf der Aussenhülle und der Funktionstüchtigkeit der Gebäude. Die zweite Renovationsetappe der Innenräume wird wegen der Jubiläumsaktivitäten erst 2024 fortgesetzt.

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