Hugo Bischof
Hugo Bischof
Hugo Bischof
Hugo Bischof
Hugo Bischof
Hugo Bischof
Hugo Bischof
Hugo Bischof
Hugo Bischof
Hugo Bischof
Hugo Bischof
Hugo Bischof
Hugo Bischof
Die Eröffnung stand unter einem ungünstigen Stern. Denn am 19. Juli 1870 begann der deutsch-französische Krieg und brachte den Tourismus zum Erliegen. Der Krieg (an den das berühmte Castres-Rundgemälde vom Übertritt der geschlagenen französischen Ostarmee in die Schweiz im Luzerner Panorama erinnert) fand zum Glück kurz vor Beginn der Sommersaison 1871 ein Ende, worauf «die europäische Noblesse sich wieder auf Reisen machte» und auch das Hotel National «seinen Betrieb vollumfänglich aufnehmen konnte». So formuliert es Sibylle Birrer in einem zum 140-Jahr-Jubiläum des «National» erschienen Buch 2010.
Zuerst bestand das Hotel nur aus dem 84 Meter langen und 27 Meter hohen Westtrakt. Es wurde danach in zwei Etappen zum heutigen Grand Hotel National erweitert (ausführliche Chronologie am Ende des Artikels).
Wir hatten Gelegenheit, mit dem heutigen Besitzer Raimondo P. Erculiani und den beiden weiteren Verwaltungsratsmitgliedern Sibylle Hurschler und Remigi Hurschler einen Rundgang durch das «National» zu machen. Ein spannendes Eintauchen in die Vergangenheit, verbunden mit vielen Reminiszenzen.
Die Eingangshalle
Ursprünglich betraten die Gäste das Hotel vom See her, im Bereich des heutigen Restaurant Franz. «Sie wurden auf dem Quai teils mit Kutschen heranchauffiert», sagt Erculiani.
Der Boden der alten Eingangshalle ist bis heute erhalten; er besteht aus schachbrettförmig zusammengefügtem weissen Carrara-Marmor und schwarzem «Nero Marquino». Heute befindet sich der Haupteingang ins «National» im später entstandenen Osttrakt des Hotels.
Das Treppenhaus und das «aristokratische Leben»
Das alte Treppenhaus von 1870 blieb bis heute erhalten. Es zeugt vom Glanz und Luxus der frühen Jahre.
Das «National» stellte in den Anfangsjahrzehnten eine geschlossene, exklusive Welt dar, einen «Mikrokosmos der Extraklasse», schreibt die Jubiläumsbuch-Autorin Sibylle Birrer. Das aufstrebende Bürgertum habe sich in einem Hotel nicht nur das gewünscht, «was man vom eigenen Zuhause kannte, sondern auch das, was man in den Häusern der noch Nobleren vermutete. (…) Im Zuge der Industrialisierung reich geworden, wollte man an der Grossartigkeit aristokratischen Lebens teilhaben.»
Der Hoteldirektor César Ritz
Der Walliser Bauernsohn, 1850 in Niederwald im Goms geboren, verdiente sich seine Sporen als Kellner in Paris, Nizza und Wien ab. Danach arbeitete er sich im Hotel Rigi-Kulm ab 1874 zum Chef de Service hoch. Dort wurde der damalige Besitzer des Hotels National, Alphons Maximillian Pfyffer, auf ihn aufmerksam. Er lud ihn zu einem Gespräch und bot ihm eine Stelle im «National» an. «In welcher Position denn?», fragte Ritz. «Als Direktor», antwortete Pfyffer. Ritz leitete das «National» von 1879 bis 1890. Mit den nach ihm benannten Hotels wurde Ritz später weltberühmt. In Luzern erinnert heute die Hotelschule César Ritz Colleges an ihn.
Der Chefkoch Auguste Escoffier
Der 1846 geborene Franzose wird heute weltweit als Erfinder der fanzösischen Haute Cuisine verehrt. Er startete seine Karriere im «Le petit Moulin Rouge» in Paris. Um 1881 holte ihn der mit ihm befreundete Cäsar Ritz nach Luzern. Schon damals war Escoffier für seine kulinarische Kreativität weitherum bekannt. In Luzern arbeitete er vorwiegend während der Sommermonate; im Winter war er in Spitzenhotels im Süden, etwa in Monte-Carlo tätig. Allen spektakulären Zutaten zum Trotz, plädierte Escoffier für «einfache» Zubereitungsweisen. 1890 verliessen Escoffier und Ritz Luzern und zogen nach London ins «Savoy».
Die berühmten Hotelgäste
Das Grand Hotel National Luzern beherbergte unzählige berühmte Gäste aus Hochadel und Monarchie. Der Prince of Wales, später König Edward VII, sagte: «Wo Ritz ist, will auch ich hingehen», in Anspielung auf den damaligen «National»-Direktor César Ritz. Kronprinz Wilhelm von Preussen, später Kaiser Wilhelm II., logierte 1887, ein Jahr vor seiner Krönung, im «National». Kaiserin Elisabeth von Österreich («Sissi») war mehrmals hier. Im Mai 1902 kam der Schah von Persien für eine Nacht ins «National»; eine Staatskarosse fuhr ihn mit seinem Gefolge (inklusive Barbier und Küchenchef) unter unzähligen Blumengirlanden hindurch vom Bahnhof zum Hotel, wo die städtische Blaskapelle die persische Nationalhymne spielte. 1907 gastierten der König von Siam und der König von Rumänien im «National».
Am 22. August 1920 fand im Hotel National eine Sonderkonferenz mit dem italienischen Ministerpräsidenten Giolitti und dem englischen Premier Lloyd George zur Vorbereitung der Versailler Friedensverträge statt. 1921 logierte ein indischer Maharadscha mit 45-köpfigem Gefolge im «National» (und bescherte dem Hotel Einnahmen von damals immensen 175'000 Franken). Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das «National» eine Zeitlang ein Ort des «komfortablen Exils» für abgedankte Könige, etwa den österreichisch-ungarischen Exkaiser Karl I. sowie die Könige Konstantin I und Georg II von Griechenland.
Auch berühmte Künstler waren im «National» zu Gast, so die französische Schauspielerin Sara Bernhardt. Rainer Maria Rilke schrieb 1923 nach seinem Besuch einer Freundin: «Toute la maison sent comme une belle fille qui sort du bain.»
Der Damensalon
Im Grand Hotel National Luzern gab es zunächst viele unterschiedliche Gesellschaftsräume: Speisesaal, Fest- und Ballsaal, Bibliothek, Lesezimmer, Konversationszimmer, Musikzimmer, Rauchzimmer, Billardraum, Bridgezimmer, Bar. Es gab sogar einen Damensalon.
Hier konnten sich die Frauen Handarbeiten widmen (Klöppeln, Sticken, Zeichnen) oder einen Roman lesen, während sich die Männer an der Bar trafen. «Früher war das offenbar so üblich», sagt Rasimondo Erculiani.
Die Zimmer ohne Bad
Die Zimmer im Hotel National waren zu Beginn sehr einfach eingerichtet, nichts im Vergleich zu den heutigen Luxus-Suiten! Sie hatten – heute unvorstellbar – weder Bad, Toilette noch fliessendes Wasser. Die Gäste mussten sich Etagen-Bäder mit 40 bis 50 anderen Gästen teilen. Das war damals auch in anderen Luxushotels üblich. Kein Wunder, dass es dort gelegentlich zu epidemischen Erkrankungen kam. Im «National» gab es 1902 einen Fall von Diphterie; 21 Gäste und 2 Angestellte steckten sich mit dieser Krankheit an.
Heute sind die Zimmer luxuriös ausgestattet:
Der Speisesaal
Im grossen Speisesaal wurde in den Anfangsjahren allen Hotelgästen das gleiche Einheitsmenü serviert. Die aufgetischten Speisen seien zu Beginn «alles andere als feinsinnig» gewesen, schreibt Sibylle Birrer: «Zwar sind alle Gerichte aufs üppigste geschmückt oder bis zur Unkenntlichkeit mit Figuren, Landschaften oder Szenerien aus Zucker, Eis oder gar Schweineschmalz ‘verziert’. Aber das Dekor übertrumpft bei weitem die Qualität des Gekochten.» Gediegene A-la-carte-Menüs führte erst Auguste Escoffier ein.
Heute ist das Grand Hotel National für die ganze Bevölkerung offen. In diversen Restaurants kann vielfältig gespiesen werden. Neben dem Restaurant National gibt es das Klingler’s Ristorante (italienische Küche), das Jialu National (China-Spezialitäten) und seit neustem das «Franz», wo man österreichische Gerichte und am Nachmittag typische Wiener Kaffeehauskultur geniessen kann. Dazu kommen die National Bar und das Café César.
Alle historischen Fotos sind abgebildet im Buch: Sibylle Birrer, Grand Hotel National Luzern, Luxus und Gastlichkeit seit 140 Jahren, Verlag hier und jetzt, 2010. Auch viele der Informationen sind diesem Buch entnommen. Ein Buch zum 150-Jahr-Jubiläum des «National» ist in Erarbeitung.
Der Blick ins Innere von heute
Die Chronologie
- 1833-1871: Bau der Luzerner Quaianlage vom Schwanenplatz bis zum heutigen Nationalquai.
- 1868-1870: Bau des Hotels National (Westtrakt).
- 1. Juli 1870: Hoteleröffnung. Bauherr und erster Direktor ist Oberst Maximilian von Pfyffer.
- 1878: César Ritz wird Hoteldirektor.
- 1890: Hans Pfyffer, Sohn von Oberst Pfyffer, wird Hoteldirektor (bis 1953). Er ist Politiker, Mitgründer der Internationalen Musikfestwochen (heute Lucerne Festival) und fördert den Tourismus mit Zusatzangeboten: Pferderennen, Tennisclub, Flugschiffbetrieb Tribschenmoos (1910-1912).
- 1897: Erste Erweiterungsetappe: Östlich anschliessend ans Hotel wird ein einstöckiger Speisesaal mit Glasdach gebaut.
- 1900: Eröffnung des Osttrakts.
- 1906: Hotel Palace wird eröffnet.
- 1908: Kurplatz mit Musikpavillon wird eröffnet. Damals hat Luzern 35 000 Einwohner und jährlich 140 000 bis 190 000 Gäste.
- 1910: Zwischentrakt (Speisesaal) wird aufgestockt. «National» erhält heutiges Aussehen und ist nun mehr als doppelt so gross wie zu Beginn.
- 1914-1918: Während des Ersten Weltkrieges bleiben die Gäste aus. 71 Angestellte und vier Pferde des «National» werden in die Armee eingezogen. Das 1906 eröffnete Hotel Palace wird 1915 zum Warenlager umfunktioniert. Zwischen 1916 und 1924 geben in Luzern 25 Hotels mit 1119 Betten ihren Betrieb auf. Das «National» kann seinen Betrieb aufrecht erhalten, auch dank «wohlhabenden Flüchtlingen».
- 1929: Weltwirtschaftskrise, später Zweiter Weltkrieg. Der Tourismus bricht völlig ein. Diverse Hotels der Luxusklasse werden zu Spitälern, Warenlagern, Flüchtlingsheimen oder Militärquartieren umfunktioniert. Zwischen 1941 und 1945 geben 16 Luzerner Hotels und Pensionen aller Kategorien mit total 1219 Gästebetten ihren Betrieb auf. Das «National» überlebt die Krise einigermassen unbeschadet.
- 1954: Hans F. Elmiger, Grossenkel von Oberst Pfyffer, übernimmt die Hotelleitung. Er modernisiert das Haus: An der Fassade werden Figuren, Säulen, Lukarnen, die teilweise zu bröckeln begannen, entfernt.
- Anfang 1970er Jahre: Es gibt Gerüchte, das National werde abgerissen, um einem Einkaufscenter Platz zu machen. Die Gerüchte bewahrheiten sich nicht.
- 1976: Der Architekt und Bauunternehmer Umberto Erculiani kauft das «National» und öffnet es für ein breites Publikum mit Restaurants und Läden. Das Hotel (heute 41 Zimmer) wird in den Osttrakt verlegt. Die Zimmer im ursprünglichen Hotel werden in 22 Residenzwohnungen umgebaut. In der 5./6./7. Etage im Hoteltrakt ist heute die internationale Sprachschule EF Education eingemietet.
- 2016: Nach Umberto Erculianis Tod übernehmen seine Söhne Umberto E. und Raimondo P. das Hotel .
- 2020: Raimondo P. Erculiani wird alleiniger Besitzer des «National».













Kommentare
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien, die Kommentare werden von uns moderiert.
Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare geschrieben.