Gurtnellen

SP findet: «Das Gürkli braucht es würkli»

Eine Gruppe der SP Erstfeld/Oberland hat das neue Dorflädeli «Gürkli» in Gurtnellen besucht. Initiantin Petra Sicher berichtete über das Projekt.
SP-Landrätin Edith Baumann Renner (li) und «Gürkli»-Initiantin Petra Sicher vor dem Dorfladen in Gurtnellen.
Bild: zvg

Das Lädeli- und Beizensterben sucht nicht nur im Kanton Uri die Dörfer heim. Viele Gemeinden im Berggebiet sind davon betroffen. Zunehmende Mobilität und Online-Handel, aber auch hohe Kosten für Logistik und tiefe Margen machen den Dorfläden das Leben schwer. Doch es gibt auch positive Beispiele. Die SP Erstfeld/Oberland organisierte darum einen Besuch im neuen Gurtneller Dorfladen Gürkli, um aus erster Hand zu erfahren, was man gegen das Lädeli­sterben unternehmen kann.

Initiantin Petra Sicher empfing die Gruppe Anfang Juli im Laden beim alten Bahnhof Gurtnellen und erläuterte, wie es zum «Gürkli» gekommen ist: Nachdem bekannt wurde, dass die vormaligen Betreiber ihren Laden an der Kantonsstrasse aufgeben mussten, setzte im Dorf eine rege Diskussion ein. Eine Umfrage, die von mehr als der Hälfte aller Gurtneller Haushalte beantwortet wurde, zeigte den Bedarf nach einem Laden im Dorf.

Im September 2025 wurde eine Genossenschaft gegründet, die heute gut 140 Mitglieder zählt. Der Informationsanlass zum Projekt war sehr gut besucht. Die nächste Herausforderung war es, einen Raum zu finden, der sich als Ladenlokal eignet, mit genügend Parkplätzen in der Nähe und der Möglichkeit zum Deponieren von Lieferungen. Auch die Betreiber des früheren Dorfladens unterstützten die neue Genossenschaft. Das Projektteam besuchte verschiedene Dorfläden in der ganzen Schweiz, um von erfolgreichen Modellen zu lernen.

Viele Urner Produkte im Angebot

Von Beginn an war das Ziel, den neuen Laden 24 Stunden zugänglich zu halten. Dafür mussten bestimmte Bedingungen erfüllt werden – so wird Alkohol beispielsweise nur während der bedienten Zeiten am Montag und Donnerstag verkauft, und auch Hygienevorschriften müssen eingehalten werden. Der Zugang ist mit Registrierung möglich, eine Kamera zeichnet das Geschehen auf. Man zahlt per Twint oder Kreditkarte. Wer will, kann andernorts im Dorf Gutscheinkarten kaufen und damit bezahlen.

Das Sortiment umfasst fast alles, was man im Alltag braucht – insgesamt etwa 900 Produkte. Darunter sind viele Urner Produkte, bei denen das «Gürkli» direkt mit den Herstellern zusammenarbeitet. Der Laden bietet auch günstige Alternativen für jedes Portemonnaie. Ausserdem bestehen verschiedene WhatsApp-Kanäle, wo man etwa Brot bestellen oder sich an Aktionen gegen Foodwaste beteiligen kann.

Miete und Einrichtung wurden mit Spenden, Unterstützungsbeiträgen und den Anteilscheinen der Genossenschaft finanziert. Das Geld war knapp – aber der Wille gross. Mit viel ehrenamtlicher Arbeit stellt die Genossenschaft der Bevölkerung von Gurtnellen und dem Tourismus heute ein tolles Angebot zur Verfügung. Während des Besuchs der SP-Gruppe kurz nach Feierabend herrschte ein reges Kommen und Gehen. Touristen, Dorfbewohner und Arbeiter aus der Umgebung besorgten sich das Nötige. Der Laden kommt gut an, das zeigte auch die begeisterte Reaktion einer Touristin. (zvg)

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