Nach 50 Jahren Gratisparkieren hat im Emmen Center vor zwei Wochen mit Barrieren und Ticketpflicht eine neue Ära angefangen. Auf den 2100 Parkplätzen können Kundinnen und Kunden weiterhin vier Stunden gratis parkieren, am Samstag sogar sechs. Wer länger bleibt, bezahlt – und zwar deutlich mehr. So werden etwa für fünf Stunden 23 Franken fällig.
Für das Emmen Center ist das neue System erfolgreich gestartet. «Technisch funktioniert es nahezu einwandfrei», sagt Direktor Roland Jungo auf Anfrage. In der Anfangsphase habe es eine fehlerhafte Programmierung wegen einer falsch hinterlegten Nachtzeit gegeben. Das Problem sei umgehend behoben worden. Wo nötig, kümmere man sich um Rückvergütungen.
Die Rückmeldungen der Besucherinnen und Besucher seien «grossmehrheitlich positiv», sagt Jungo. Besonders geschätzt würden die weiterhin grosszügigen Gratisparkzeiten. Diese seien so ausgestaltet, dass die reguläre Shoppingkundschaft in der Regel nicht von kostenpflichtigen Tarifen betroffen sei. Kritische Stimmen gebe es zwar, sie bewegten sich jedoch – gemessen an der gesamten Besucherfrequenz – «auf sehr tiefem Niveau». Man dürfe zudem nicht vergessen, dass während rund 50 Jahren auch Fremdparken – etwa Park&Ride oder Ferienparkieren – stillschweigend toleriert worden sei. Die neue Regelung bedeute eine Veränderung bestehender Gewohnheiten, was naturgemäss nicht überall auf Zustimmung stosse.
Während das Center von einem gelungenen Start spricht, wird in den sozialen Medien teils kontrovers diskutiert. Sechs Punkte sorgen für Gesprächsstoff:
Staus in Spitzenzeiten
Eine der grössten Befürchtungen betrifft mögliche Staus bei der Ausfahrt, insbesondere samstags gegen Einkaufsschluss oder an Spitzentagen. Laut Jungo ist es bisher zu keinen längeren Rückstaus gekommen. Ein erster Belastungstest – am vorletzten Samstag bei schlechtem Wetter gegen Ladenschluss – habe gezeigt, dass der Verkehrsfluss reibungslos funktioniere. Jungo weist darauf hin, dass die Zahl der Ausfahrtsstationen verdoppelt worden sei. Zudem öffne die Schranke dank Nummernschilderkennung automatisch, sobald das Ticket entwertet ist – ein Einlesen sei nicht mehr nötig.
Trotz Nummernerkennung braucht es Tickets
Mehrere Leserinnen und Leser stellten die Frage, weshalb trotz Kennzeichenerfassung weiterhin ein Ticket gezogen und entwertet werden müsse. Ein papierloses System wäre moderner und würde den Verkehrsfluss verbessern, so der Tenor. Der Direktor des Emmen Centers betont, man habe bewusst eines der leistungsfähigsten Systeme gewählt. Eine ausschliessliche Kennzeichenerfassung sei geprüft worden. Experten hätten jedoch darauf hingewiesen, dass ein reines Nummernschild-System bei nur einem einzelnen Standort einen erheblichen administrativen Aufwand im Controlling und in der Nachbearbeitung verursache. Deshalb habe man sich dagegen entschieden. Als komfortable Alternative verweist das Center auf eine Parkingapp (auch via Twint möglich). Der Vorteil: Registrierte Nutzer müssten weder ein Ticket ziehen noch zum Automaten gehen.
Missverständnisse bei Gratis-Parkzeit
Auch Datenschutzfragen wurden in den Kommentaren aufgeworfen. Autokennzeichen gelten als personenbezogene Daten. Das Center verweist auf seinen Partner Digitalparking AG und versichert, dass sämtliche Anforderungen des Datenschutzgesetzes eingehalten werden. Für Diskussionen sorgen zudem einzelne Fälle mit Parkgebühren im mittleren zweistelligen Bereich. Der Grund: Die Gratisparkzeit gilt pro Kalendertag und nicht pro Einfahrt. Wer am selben Tag aus- und wieder einfährt, erhält keine neue Gratisperiode – die Parkdauer wird kumuliert. Das Emmen Center betont, die Tarifstruktur sei transparent kommuniziert worden, Missverständnisse gebe es nur vereinzelt. «Seit der Einführung haben nur wenige Personen versucht, durch erneutes Einfahren zusätzliche Gratiszeit zu erhalten», sagt Jungo.
Mitarbeiter-Parkplätze stark vergünstigt
Diskutiert wurde auch, wie hoch die monatlichen Parkplatzkosten für Mitarbeitende sind. Das Emmen Center sagt, es biete für Mitarbeitende entweder Pool-Abos für 30 Franken pro Parkplatz und Monat oder Einzelparkplätze für 50 Franken pro Monat an. Im Vergleich dazu liegen die Gebühren deutlich unter jenen etwa der Mall of Switzerland in Ebikon: Dort zahlen Mitarbeitende laut «20 Minuten» für sechs Stunden elf Franken pro Tag – was sich auf über 300 Franken pro Monat summieren kann.
Kantonsgebäude ist der Auslöser
In den sozialen Medien wird vor allem der Zusammenhang mit dem neuen Verwaltungszentrum des Kantons am Seetalplatz diskutiert. Ab Sommer werden dort rund 2000 Mitarbeitende arbeiten. Da nur wenige Parkplätze zur Verfügung stehen, befürchtet das Emmen Center eine Verlagerung von Langzeitparkierern. Ein Teil der Kommentierenden macht die künftigen Kantonsangestellten direkt verantwortlich. Andere widersprechen und verweisen darauf, dass das Gebäude noch gar nicht in Betrieb sei und Fremdparken schon seit Jahren stattfinde. Das Center spricht von einer «vorausschauenden Planung»: Man könne nicht warten, bis Kundinnen und Kunden keinen Parkplatz mehr fänden.
Kritik an Ein- und Ausfahrtsbreite
Einzelne Kommentare kritisieren zudem die Ein- und Ausfahrtsbreite. Mit grösseren Fahrzeugen komme man «kaum mehr durch». Das Center gibt die Durchfahrtsbreite mit 2,50 Metern an und spricht von einem Kompromiss zwischen Sicherheit und Bedienkomfort.





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