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Kolumne «Familiensache»

Oh Schreck, das Kind ist weg

Tijana Nikolic darüber, warum sie künftig grosse Menschenmengen mit Kleinkind meidet.

Meine zu dem Zeitpunkt dreijährige Tochter hatte eine Weile lang die Angewohnheit, sich ständig verstecken zu müssen. So leider auch auf unserer Heimreise aus den Ferien beim Halt am Hauptbahnhof Zürich. Während mein Partner mit ihr ein Brötli in der dortigen Migros holen gehen wollte, suchte sie sich dort gleichzeitig ein gutes Versteck.

Vielleicht ein zu gutes, denn plötzlich gab es von ihr keine Spur mehr. Ein aufgeregtes Telefonat später stand ich auch im Laden und rief nach ihr. Das Aufkommen verschiedenster Gefühle in diesem Moment war übel, und ich wünsche diese Erfahrung wirklich niemandem. Gerade in der heutigen Zeit, in der eine Schreckensnachricht der anderen folgt, ist es wirklich schwierig, die Ruhe zu bewahren und positiv zu denken.

Doch was ich in den darauffolgenden Minuten erlebte, stimmte mich wirklich immer zuversichtlicher. Das Verkaufspersonal teilte sich wie selbstverständlich im Laden auf und suchte nach meiner Tochter, man liess sie durch die Filiale ausrufen, und die Sicherheitskräfte des Bahnhofs waren innert kürzester Zeit zur Stelle.

Als wir gerade den Sicherheitsleuten die Sachlage schildern wollten, kam die erlösende Durchsage durch die Lautsprecher des Bahnhofs: «Dhalia hat ihr Mami verloren, sie wartet am SBB-Treffpunkt.» Noch nie war ich so glücklich über eine Durchsage der SBB.

Als wir dann rennend beim Treffpunkt ankamen, war meine Tochter seelenruhig mit dem jungen Mann, der sie gefunden und zum Schalter gebracht hatte, am Malen. Es gibt sie also doch noch, die guten Menschen, die gute News wert sind. Mein Urvertrauen wurde durch ihn wieder ein wenig hergestellt. Und das meiner Tochter versuche ich, so lange wie möglich so zu erhalten, wie es ist. Egal, was die News des nächsten Tages sind.

In der Kolumne «Familiensache» schreiben Redaktorinnen und Redaktoren aus der Zentralschweiz über ihren Alltag als Eltern.

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