Robert Hess
«Ohne grosse Leidenschaft für den Beruf und den Sport geht es nicht», brachte der Sarner Architekt Marc Eggimann am Freitag die Sache im Sportcamp Melchtal auf den Punkt. Er ist Vater eines Sohns, der mit vier anderen ihre Berufslehre in einem leistungssportfreundlichen Obwaldner Betrieb absolvieren. Der frühere Bildungsdirektor Franz Enderli nutzte als Co-Präsident des Organisationskomitees für den Damenslalom im FIS-Europacup auf Melchsee-Frutt die Gelegenheit, diese Ausbildungsmöglichkeit an einer Rahmenveranstaltung für Sponsoren und Behördenmitglieder näher vorzustellen. «Jungen Leuten, die eine Berufslehre absolvieren und gleichzeitig Leistungssport betreiben wollen, bietet der Kanton mit dem Konzept Leistungssportorientierte Lehrbetriebe eine gute Chance», sagte er vor rund 100 Anwesenden.
«Im Kanton Obwalden bestehen derzeit fünf Lehrverhältnisse mit leistungssportfreundlichen Lehrbetrieben», ergänzte Thilo Briel, Leiter Lehraufsicht im Bildungsdepartement. In Luzern sind es 21, in Zug 16 und in Schwyz 2. Keine entsprechenden Labels seien bisher in Nidwalden und Uri vergeben worden.
Ein Konzept mit Grundlagen und Voraussetzungen, beteiligten Partnern, der Umsetzung, der Finanzierung usw. besteht in Obwalden seit 2012. Darin heisst es etwa: «Rund zwei Drittel der Sporttalente absolvieren eine schulische Vollzeitausbildung, weil die schulische Bildung im Gegensatz zur dualen Bildung eine höhere Flexibilität bietet.» Das Konzept setzt hier an, denn junge Leute, die eine Berufslehre absolvieren, brauchen eine hohe zeitliche Flexibilität, wenn sie gleichzeitig Leistungssport ausüben wollen. Dies muss den Lehrbetrieben und allen Ausbildungspartnern bewusst sein. Die Lernenden müssen im Besitze einer Swiss Olympic Talents Card National oder Regional sein. Das Training muss mindestens 10 Stunden pro Woche unter fachkundiger Leitung betragen
Nadine Odermatt (17), Robin Eggimann (16) und Silvio Thürig (15) stellten sich am Freitag im Sportcamp persönlich vor. Für die drei steht im Vordergrund: «Wir wollen einen Lehrabschluss.» Auch sportlich ist die Latte teils hoch gesetzt. So will Hochspringerin Nadine Odermatt, die mit Roland Bösch einen besonders sportbegeisterten Berufsbildner hat, an die U20-EM 2019 in Schweden und hat als Fernziel die Olympiade 2024 in Paris. Eishockey-Junior Silvio Thürig setzt sich die erste Mannschaft von Ambri-Piotta und eine Profi-Karriere zum Ziel, im Wissen, «dass dies alles nur mit harter Disziplin möglich ist». Viel für den Erfolg will auch Unihockey-Spieler Robin Eggimann einsetzen, der vor allem bei Zug United trainiert und spielt. Und er ist mit seinem Vater einverstanden: Es braucht Leidenschaft für Beruf und Sport.

Kommentare
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien, die Kommentare werden von uns moderiert.
Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare geschrieben.