Obwalden

Ob- und Nidwaldner Wirte hoffen dringend auf weitere Lockerungen  – und investieren gar in ihren Betrieb

Seit der Wiedereröffnung verzeichnen die Gastronomen massive Umsatzeinbrüche. Trotzdem bleiben sie optimistisch, einige investieren sogar.
Petra Ochsner führt den «Adler» in Hergiswil. (Bild: PD)
Nathalie Hoffmann vom Seehotel Baumgarten in Kehrsiten ist Präsidentin von Gastro Nidwalden. (Bild: PD)
Gastgeber Christoph Zumstein und sein Sohn Kevin, der in der Küche arbeitet, haben während des Corona-Lockdows den Kinderspielplatz total erneuert. (Bild: Kurt Liembd (Giswil, 26. Mai 2020))
«Linden»-Wirt Beat Müller serviert zurzeit mit Maske. (Bild: Florian Arnold (Stans, 26. Mai 2020))
Das Wirtenpaar Susanne und Werner Häcki vom Hotel Restaurant Sternen in Buochs. (Bild: Roger Grütter (21. Juni 2016))

Kurt Liembd

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Am 11. Mai durften die Restaurants in der ganzen Schweiz unter strengen Auflagen wieder öffnen. Der Branchenverband Gastrosuisse hat bei seinen Mitgliedern vom 11. bis 18. Mai eine Online-Befragung durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass für die meisten Restaurants unter den jetzigen Vorgaben kein rentabler Betrieb möglich ist. Gemäss Umfrage liege der Umsatz rund 60 Prozent hinter jenem der Vorjahresperiode zurück. Diese schmerzliche Erfahrung müssen zurzeit auch die Gastbetriebe in Ob- und Nidwalden machen. Dennoch zeigen sich viele Gastgeber in dieser Krise kreativ und krisenfest. Jedenfalls hatte der Wirteseelsorger Arthur Salcher bis heute noch keinen einzigen Fall im Zusammenhang mit Corona. Das sagen die Wirte zur aktuellen Situation:

«Glasi-Café», Hergiswil: Touristen fehlen

«Zu Beginn war ich etwas verunsichert, welche Bedingungen nun gelten», sagt Beat Blum vom «Glasi-Café» in Hergiswil. Sein Umsatz ist um rund 50 Prozent zurückgegangen im Vergleich zu Normalzeiten vor Corona. «Uns fehlen die vielen Glasi-Touristen, die sonst täglich ins Lopperdorf reisen», sagt Blum. Umso mehr spüre er grosse Solidarität im eigenen Dorf, denn die Einheimischen würden jetzt sogar öfter kommen. Auch wegen des Take-aways, den er während des Lockdowns eingerichtet hatte und dafür von der Polizei verwarnt wurde. Dies aber nur deshalb, weil einmal zu viele Gäste auf ihre Bratwurst oder ihre Pizza auf dem Trottoir warteten. Kritik übt Beat Blum am Bundesrat, weil die Wirte keine Zeitungen und Magazine auflegen dürfen, nicht einmal das Amtsblatt. Eine Mietreduktion erhielt er bis heute keine.

Glasi-Restaurant Adler, Hergiswil: Mehrere 10'000 Franken investiert

«Der Umsatz liegt massiv unter dem Budget», sagt Geschäftsführerin Petra Ochsner. Die Akzeptanz der strengen Regeln wie 2-Meter-Abstand und Beschränkung auf vier Leute am gleichen Tisch sei bei den allermeisten Gästen sehr hoch und die Disziplin ebenso. Sie erzählt, dass die Freude über das Wiedersehen beim Personal nach der Öffnung sehr gross gewesen sei und alle Angestellten sehr motiviert seien. Auch sie findet es übertrieben, dass Tageszeitungen nicht aufgelegt werden dürfen und wünscht sich baldmöglichst eine Lockerung und einen Normalzustand. Weiter erzählt Ochsner, dass beim überraschenden Lockdown am 16. März alle Lebensmittel, welche nicht haltbar waren, ans Personal gratis verteilt worden seien. Obwohl der Umsatz zurzeit massiv tiefer ist, sei eine Mietzinsreduktion keine Thema, wie Pächter Alois Keiser sagt. «Die Glasi als Vermieterin ist uns während des Lockdowns sehr entgegengekommen und hat mehrere zehntausend Franken in Renovationen investiert für neue Kühlgeräte, Küche und Gartenterrasse.»

Seehotel Baumgarten, Kehrsiten: Ab Juli viele Zimmer reserviert

Nathalie Hoffmann, Präsidentin von Gastro Nidwalden, hat ihren eigenen Betrieb erst seit wenigen Tagen geöffnet, da immer noch keine Schiffe fahren, die viele Gäste bringen. Zurzeit hat sie nur Freitag bis Sonntag geöffnet. An den ersten offenen Tagen verzeichnete das Seehotel rund 70 Prozent weniger Umsatz als an gleichen Tagen des Vorjahres. Einzig an Auffahrt mit dem schönen Wetter sei das Restaurant fast überrannt worden. Trotz des harzigen Starts blickt sie optimistisch in die Zukunft und sagt: «Für Juli und August haben wir sehr viele Reservationen von Hotelgästen – im Unterschied zu früher aber ausschliesslich Schweizer Gäste». Ihr Wunsch an die Bevölkerung lautet denn ganz im Sinne des flammenden Appells von Bundesrat Ueli Maurer: «Macht Ferien in der Schweiz.»

Hotel Bahnhof, Giswil: Neuer Kinderspielplatz

«Wir haben den Lockdown genutzt, um Investitionen zu tätigen», sagt Gastgeber Christoph Zumstein. So wurde die Kühlanlage erneuert und es entstand ein ganz neuer Kinderspielplatz mit einem riesigen Spielturm als Attraktion. In seinem Betrieb ist der Umsatz um etwa zwei Drittel zurückgegangen, aber jammern ist nicht seine Sache. Nach 132 Jahren Familienbetrieb und 30 Jahren als Inhaber hat Zumstein schon viele Stürme erlebt. Sein Hotel gilt quasi als Fels in der Brandung. Zumsteins dringendster Wunsch an die Politik: «Die Zahl der Leute bei Versammlungen sollte auf mindestens 50 Personen erweitert werden, damit ein Saal von Gruppen genutzt werden kann». Er ist zuversichtlich, dass es vorwärts geht. Ein grosses Lob richtet er an seine Stammgäste: «Das sind übers ganze Jahr die besten Gäste und sie kamen auch sofort nach der Wiedereröffnung».

Restaurant Bahnhöfli, Lungern: Von Gästen überrannt

«Die Disziplin der Gäste ist sehr gut, aber die Kapazitäten wegen den Mindestabständen ist viel kleiner», sagt Gastgeber Hansruedi Odermatt. Er habe schon Leute wegschicken müssen, weil nur noch rund 35 Plätze zur Verfügung stehen. Umsatzmässig verzeichnet er ähnliche Einbussen wie seine Wirtekollegen: Er spricht von einem Rückgang von zwei Dritteln. Ostern und Muttertag liefen als Take-away sehr gut, jedoch fehlen die Gruppen von Anlässen wie Hochzeiten, Apéros, Vereinsessen und Catering. Seine vier Expemplare der «Obwaldner Zeitung» gibt er den Gästen zwar ab, allerdings dürfen sie wegen Ansteckungsgefahr nur einmal gebraucht werden. Hansruedi Odermatt, der auch Präsident von Gastro Obwalden ist, erwartet baldmöglichst weitere Lockerungen und damit ein positives Signal aus Bern.

Restaurant Linde, Stans: Gesichtsmaske als neues Markenzeichen

Auch wenn es Beat Müller seinen 15 Mitarbeitern freigestellt hat, ob sie einen Mundschutz tragen wollen, sind hier Masken voll im Trend. «Die Masken kommen bei den Gästen sehr gut an und wir werden mit positiven Reaktionen überhäuft», sagt Beat Müller. Das kommt aber nicht von ungefähr, denn in der «Linde» trifft man sozusagen auf eine Art «Designermasken» – fast schon modische Assessoires. Sie wurden speziell hergestellt im Trachtenstübli Stans und sind alles andere als Medizinalmasken. Da kann man kaum ein Lächeln unterdrücken, wenn Chef Beat Müller seine Gäste mit einem aufgestickten Smiley auf seiner Maske begrüsst. Auch das Personal selbst findet für Masken lobende Worte. Dazu Restaurationsfachfrau Angela Suppiger: «Das war für mich eine ganz neue Erfahrung und ist eine Gewöhnungssache». Nur die ersten zwei Tage habe sie einen leichten Druck hinter den Ohren gespürt. Und Beat Müller witzelt, dass man dank Maske keinen Lippenstift mehr brauche. Auch die «Pfedeboxen» im Innern (Trennwände zwischen den Tischen aus Holz) kommen bei den Gästen gut an und bieten eine manchmal erwünschte Diskretion. Deshalb überlege er sich, einige Trennwände zu belassen, so Müller. Auch bei ihm ist der Umsatz eingebrochen, aber jammern will er nicht. Lob findet er für die Gemeinde Stans, die sich bei der Gartenwirtschaft grosszügig zeigte und für seine private Versicherung, die ihn während des Lockdowns unterstützte. Jetzt hofft Beat Müller auf einen «guten Sommer und Herbst, und dass die Distanzregelung gelockert wird».

Hotel Restaurant Sternen, Buochs: «Der grosse Saal ist tot»

Werner und Susanne Häcki haben mit der Öffnung noch einige Tage zugewartet und erst an Auffahrt eröffnet. «Das Flair eines Dorfrestaurants leidet schon etwas unter den strengen Bestimmungen, vor allem der Stammtisch», sagt Werner Häcki. Nach Gesetz dürfe er nur noch etwa einen Drittel der Sitzplätze anbieten. Dafür laufen die Hotelzimmer im Moment wieder etwas besser, gab es doch während des Lockdowns nur einen einzigen Gast. Im Moment logieren gleich mehrere Weinbauern aus der Romandie im Buochser Traditionshotel. Doch auch im «Sternen» Buochs leidet der Umsatz massiv. «Der grosse Saal ist im Moment tot», sagt Werner Häcki. Es fehlen Gruppen, Vereine und Familien für Veranstaltungen. Werner Häcki ist aber zuversichtlich, dass irgendwann wieder bessere Zeiten kommen.

Gasthaus Schlüssel, Hergiswil: Hoffen auf Badi-Betrieb

Gemäss Gastgeber Tony Durrer beträgt der Umsatz im Restaurant nur noch rund 40 Prozent im Vergleich zu vorher, vorallem infolge Reduzierung der Sitzplätze. «Wir mussten auch schon Leute heimschicken», so Durrer. Der Take-away, den er heute parallel anbietet, ist nach wie vor sehr beliebt bei seiner Kundschaft. Etwas besser sieht es umsatzmässig bei den Hotelzimmern aus. Tony Durrer hätte im Moment noch ein zweites Standbein, das aber auch von Corona betroffen ist. Eigentlich hätte er ab 9. Mai das Badi-Restaurant übernehmen sollen, doch dies fiel ins Wasser. Dafür muss er der Gemeinde als Eigentümerin bis zur Eröffnung keine Miete zahlen. Jetzt hofft Durrer, dass die Badi am 8. Juni öffnen wird. Ein grosses Kompliment hat Durrer für den Staat für die schnelle und unbürokratische Hilfe bezüglich Kurzarbeit und zinslose Darlehen. Seine Botschaft: «Nicht den Kopf hängen lassen, jeder Tunnel hat irgendwann wieder einen Ausgang».

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