Da meint der Betrachter am Sonntag in einem Bilderbuch der Automobilgeschichte zu blättern: 90 edle Karossen fahren vom Verkehrshaus und dem Kastanienbaum kommend in Horw ein und widerspiegeln ein Strassenbild, wie es sich vor Generationen gezeigt haben mag.
Vor einem Sportgeschäft ist gar ein roter Teppich ausgelegt. Der Aufwand hat seine Bewandtnis. Was da einfährt, zeichnet ratternd und knatternd Automobilgeschichte erster Güte nach. Rennwagen, Tourenwagen und Sportwagen, Motorräder, historische Feuerwehrfahrzeuge grosser, vielfach auch einstiger Automobil-Marken geben sich die Ehre. Der Korso ist in vier Kategorien eingeteilt. Da sind Fahrzeuge bis Baujahr 1931, es folgen solche von 1932 bis 1962, respektive bis 1968 und schliesslich Fahrzeuge mit Baujahr 1969 bis 1971. Fahrer, zumeist männlich und Beifahrer, häufig weiblich, entsteigen in historischen Kostümen von anno dazumal ihren Fahrzeugen und lassen sich bewundern.
Nach einer Stunde Zwischenhalt setzt sich der Korso wieder in Bewegung. Jetzt geht es auf die historische Eigenthaler Bergstrecke nach Holderchäppeli. Der Abschluss folgt nach der Talfahrt in der historischen Braustube «Scharlander» der Brauerei Eichhof.
Revival verschoben – aber nicht aufgehoben
Der Korso ist im Gedenken an die Bergrennen Kriens-Eigenthal unterwegs. Diese wurden dreimal als Vorkriegsrennen und dreimal nach dem 2. Weltkrieg durchgeführt, letztmals 1968. Im 2018 fand als Erinnerungsevent ein «Prolog» statt, für 2019 war gar ein eigentliches Erinnerungsrennen vorgesehen gewesen. «Die finanziellen und die politischen Umstände haben dies noch nicht möglich gemacht», sagen Peter W. Ottiger und Alfred Gut vom organisierenden Verein Kriens-Eigenthal-Historic. Also aufgehoben? Nein, heisst es von Seiten des OKs, lediglich «aufgeschoben». Die Bemühungen für ein Erinnerungsrennen gingen weiter. Ein grosses Lob sprechen die Organisatoren der Gemeinde Horw aus: Toll und grossartig sei es, wie unkompliziert und spontan die Zusage für den Zwischenhalt erfolgt sei.
Den Teilnehmern spielt es offensichtlich keine Rolle, ob Bergrennen oder Schaufahrt. Schon gar nicht für Walter und Marianne Grollimund aus Muttenz. Die passionierten Oldtimer-Liebhaber sind mit einem englischen Riley zum ersten Mal bei einem Innerschweizer Event dabei. Zu Hause hat das Basler-Paar, das viel Zeit in seinem Haus in Kehrsiten verbringt, weitere «Engländer» wie etwa Lagonda oder Bentley. Walter Grolimund sagt schmunzelnd:
«Wir wollen unsere Autos nicht plagen, wir sind eher gemütliche Fahrer – auch wenn der Sechszylinder mit 92 PS schon etwa hergibt.»
Echte Oldtimer-Freaks machen sich selber an ihren wertvollen Fahrzeugen zu schaffen. So etwa Hans Bättig aus Buchs LU. Er hat unzählige Stunden in seinen Singer Le Mans investiert. Ein echtes Unikat und ein Fahrzeug, das nachweislich grosse Renngeschichte in England geschrieben habe. «Der bekannte Rennfahrer C. S. Gibbs hat damit gegen 40 Rennen bestritten.» Klar wird Sohn Jan, der als Beifahrer mitfährt, in die Oldtimer-Fussstapfen seines Vaters treten.
Die Fahrzeuge kommen auch bei den Zaungästen gut an. So etwa beim ehemaligen Sekundarlehrer Oliver Wigger. Der Horwer geht durch die Wagenreihe und gerät schnell mit den Fahrzeughaltern ins Fachsimpeln. Der 82-jährige Franz Limacher geniesst es, dass die Parade just vor seinem Wohnhaus stattfindet. «Technik hat mich immer sehr interessiert», verrät er. Selber sei er aber einst einen Renault 4 und später Toyota gefahren. Er hat ein kleines Detail festgestellt: Er hat bei einem Fahrzeug Scheibenbremsen gesehen. «Das gab es doch noch nicht. Aber aus Sicherheitsgründen muss man halt auch mal einen Kompromiss machen», sinniert der Senior lächelnd.
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