Ernesto Piazza
Ernesto Piazza
Vor rund einem Monat hauchten Georges und Jacqueline Püntener dem Rothüsli neues Leben ein. Die beiden Mieter haben sich im geschichtsträchtigen Riegelbau ganz in der Nähe des Surseer Schlottermilchkreisels mit einer neuen Geschäftsidee einquartiert. «Wir erfüllen uns damit einen Traum», sagt Vater Püntener, während seine Tochter zustimmend nickt.
Ursprünglich war das anno 1891 erbaute Haus eine Käserei. Der Name des zu den erhaltenswerten Gebäuden zählenden Rothüsli liegt in seinen Backsteinen begründet. Über Jahrzehnte hinweg lieferten Landwirte ihre Milch an die dort produzierenden Käser. Das Gebäude wurde seinerzeit von einem gewissen Oberst Schnyder gebaut. Das Holz stammte sinnigerweise von der gleichnamigen Alp auf dem Menzberg. Im Jahre 1907 erwarb die Käsereigenossenschaft Rothüsli das Gebäude. Gekäst wurde aber schon seit 1844 – und zwar im alten Rothüsli. Jakob Gassmann war von 1981 bis 2007 der letzte Käser im Rothüsli. Aus gesundheitlichen Gründen musste er dann aber die Geschäftstätigkeit aufgeben. Fortan gab es im historischen Gebäude für mehrere Jahre keine geschäftlichen Aktivitäten mehr.
Ein Duo, das sich versteht und ergänzt
Und zwar bis Jacqueline Püntener – sie wohnt ganz in der Nähe des Rothüsli – «rein zufällig», wie sie sagt, auf ein Plakat aufmerksam wurde. Die drei Wörter «Ladenlokal zu vermieten» liess nicht nur sie sehr schnell aktiv werden, auch ihren Vater hatte sie sofort mit im Boot. Er sagt: «Dass wir aus wirklich vielen Bewerbungen den Zuschlag erhielten, freut uns ausserordentlich. Unser Konzept hat die Vermieterschaft offensichtlich überzeugt.»
Georges Püntener hatte während 30 Jahren in Beromünster sein eigenes Zahntechniker-Labor. Doch bereits während dieser Zeit entwickelte der Hobbykoch ein Flair für Kulinarik. In dem Zusammenhang keimte in ihm die Idee auf, «etwas komplett anderes zu machen». Letztlich verkaufte der heute 63-Jährige sein Geschäft und produziert selber seit rund dreieinhalb Jahren einen preisgekrönten Bio-Knospen-Essig – und zwar in verschiedenen Variationen und unterschiedlicher Intensität. Mit seinen Kreationen besucht er auch Spezialitätenmärkte und beliefert Gastrobetriebe. Zu den Essigmischungen von Rosmarin bis Kaffee gesellen sich weitere, von umliegenden Betrieben zugekaufte Produkte.
Deshalb erstaunt nicht, wenn Vater Püntener sagt: «Ich fühle mich in dieser Nische sehr wohl.» Dasselbe trifft für seine Tochter Jacqueline zu, welche als Kindergartenlehrperson tätig ist. «Wir wollten etwas zusammen machen und haben diese Chance gepackt.» Hatte sie vorher in Nottwil bereits ein kleines Lädeli, kann sie nun ins eigene Geschäft im Rothüsli noch mehr Enthusiasmus und Herzblut investieren. Denn sie weiss auch: «Mein Vater und ich ergänzen uns ideal. Das gibt Synergien, welche wir nützen können.»
Produkte aus Stoff in den diversesten Farben und Qualitäten ist eines ihrer Standbeine. Weiter darf bei ihr wie in der guten alten Zeit wieder genäht werden. Dazu hat sie auch ein eigenes Nähcafé. In ihrer «Hyggezeit» – dieses Wort stammt aus dem dänischen Sprachgebrauch und bedeutet soviel wie «Gemütlichkeit» – soll jeweils an einem Freitagabend während drei Stunden dieses Hobby zum Erlebnis werden.
In den Räumen steckt viel Handarbeit
In den oberen Etagen des Rothüslis hat es je eine Wohnung. Wenn man sich in den Räumen des Erdgeschosses bewegt, fällt sofort die Liebe zum Detail auf. Und während an zwei Wänden sogar noch Teile der Original-Backsteinmauer zu sehen sind, ist der Übergang zu moderneren Sequenzen fliessend. «Wir sind beide handwerklich begabt», verrät Georges Püntener. Daher steckt in den Räumen viel Handarbeit. «Wir haben die Etage im Rohbau übernommen», sagt er. Alle Holzgestelle sind von ihm selber hergestellt. Zudem hat Tochter Jacqueline, die auch der Kalligrafie mächtig ist, die Beschriftungen selber kreiert. «Mit dem Rothüsli möchten wir eine Oase des Genusses und der Kreativität – und damit auch einen Gegenpol zur heutigen, extrem stressigen Zeit setzen», so Georges Püntener.
Hinweis: Weitere Infos gibt es unter: www.traumgenuss.ch und www.handwerke.ch.


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