Roseline Troxler
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Das Chorherrenstift St.Michael in Beromünster hat einen neuen Propst. Bei der Installationsfeier am Samstag durch Bischof Felix Gmür wurde Harald Eichhorn (61) vor kirchlichen Würdenträgern sowie Politikern als 55.Propst installiert.
Das Gespräch mit Harald Eichhorn findet am Tag vor den Feierlichkeiten im Gartensaal der Propstei statt. Mit Blick auf den Garten meint der neue Propst: «Ich will diesen umgestalten und mit typischen Marienblumen wie der Lilie und der Rose der Mutter Gottes widmen.» Doch zunächst warten andere Aufgaben auf Harald Eichhorn. Mehrere Umzugskisten müssen noch ausgeräumt werden. Erst vor zwei Wochen ist Eichhorn vom glarnerischen Näfels, wo er als Pfarrer und Dekan arbeitete, nach Beromünster gezogen. Die «liebliche Landschaft» erinnere ihn an den Bodensee, wo er aufwuchs. Zwar war Eichhorn bereits während eines Jahres als Administrator im Chorherrenstift tätig. Doch er wollte in Näfels noch das Schuljahr beenden.
Regierungsrat wählte Propst auf Antrag
Harald Eichhorn folgt auf Propst Josef Wolf, der seit 2005 als Propst amtete und im Sommer 2018 aus Altersgründen um Entbindung von seinem Amt bat. Eichhorn sagt, er habe nie damit gerechnet, einst Propst des Chorherrenstifts zu werden. Er sagt:
«Das Amt wurde an mich herangetragen.»
Gewählt wurde Eichhorn – auf Antrag des Bischofs – von der Luzerner Regierung. Sie hat das Wahlrecht 1926 vom Vatikan erhalten. «Als das Wahlprotokoll in einem Briefumschlag des Kantons Luzern eintraf, dachte ich zunächst an eine Verkehrsbusse», sagt Eichhorn und lacht.
Die Wahl zum Propst bedeutet für Harald Eichhorn «Ruhestand in Anführungszeichen», wie er es umschreibt. Es sei ein neuer Lebensabschnitt. Zuvor war Eichhorn während 34 Jahre in diversen Pfarreien in Obwalden, Schwyz, Graubünden und Glarus als Seelsorger und Dekan tätig. An der neuen Aufgabe schätzt er unter anderem, weniger auf Abruf zu sein:
«Nun habe ich endlich mehr Zeit fürs Beten.»
Gemeinsam mit den anderen fünf Chorherren werden morgens zwei Stunden dem gemeinsamen Gebet gewidmet, am Abend folgt noch einmal eine halbe Stunde. «Wir beten für das Bistum und alle Leute der Region. Das ist sozusagen Arbeitsteilung für die Menschen, die keine Zeit fürs Gebet haben.»
Neuer Propst will gemeinsame Aktivitäten fördern
Das Chorherrenstift gibt es seit über 1000 Jahren. «Das Gebet der Chorherren hat seither praktisch ohne Unterbruch stattgefunden.» Selbst während des Beinahe-Lockdowns fügt Eichhorn an. «Ich habe grossen Respekt vor diesen Herren, die so treu ihren Dienst wahrnehmen.» Eichhorn bezieht sich auf die Chorherren, die im Durchschnitt zwanzig Jahre älter sind. Derweil sind nur 6 der 16 Pfründe besetzt und 7 der 34 Stiftshäuser von Geistlichen bewohnt. Eichhorn hofft, dass es dereinst mehr sein werden. Anders als in einem Kloster führen alle Chorherren einen eigenen Haushalt. Dennoch möchte der neue Propst gemeinsame Aktivitäten fördern. «Am ersten August habe ich alle Chorherren eingeladen und bekocht», erzählt er.
Als Propst leitet der in Deutschland geborene Theologe das Chorherrenstift. Die Leitung umfasst auch diverse administrative und repräsentative Aufgaben. Für Harald Eichhorn ist es zentral, dass das Stift «eine Stätte der Spiritualität bleibt». Im Frühling 2017 haben dem Stift nahestehende Organisationen eine Absichtserklärung für das Projekt «Ultra fines» unterzeichnet. Sie wollten Empfehlungen für die künftige Nutzung des Stifts ausarbeiten. Auch für solche kommerzieller Art. Schliesslich wurde das Projekt vorzeitig beendet. Der neue Propst sagt dazu: «Ultra fines hat das Bewusstsein bei den Chorherren geschärft, dass die Zukunft des Stifts angegangen werden muss.» Doch er sei froh, dass eine kommerzielle Nutzung nicht weiterverfolgt werde.
«Das Stift soll nicht zu einem geistlichen Ballenberg werden.
Der Gründungszweck, das gemeinsame Gebet und die Feier der Liturgie, sollen stets im Zentrum stehen, so Eichhorn.
Erhalt der Bauten und finanzielle Fragen
Eine wichtige Aufgabe sieht Harald Eichhorn ausserdem im Erhalt der Kirchenschätze und der Bauten. Auch die Generierung finanzieller Mittel – etwa durch Spenden – wird den Propst künftig beschäftigen.
Für Eichhorn ist es zentral, dass die «Möisterer» Freude am Stift haben und stolz darauf sind.
«Beromünster wäre ohne Stift vermutlich ein gewöhnliches Dorf. Aber das Stift ohne die Menschen wäre auch bedeutungslos.»
Diese Wechselbeziehung sei essenziell. Der neue Propst will, dass das Stift künftig wieder stärker zum kulturellen Leben der Region beitragen wird. Ein erster Schritt ist die Organisation eines Konzerts in der Waldkathedrale.
Der neue Propst zu Beromünster sagt zur Feier tags darauf: «Ich freue mich, auf langjährige Weggefährten zu treffen und noch mehr Möisterer kennen zu lernen.» Und Harald Eichhorn zeigt sich – nicht nur wegen der landschaftlichen Ähnlichkeit zu seiner Heimat – überzeugt: «Ich werde mich in Beromünster wohlfühlen.»




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