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Zug

Nachbarschaftshilfe: Hünenberg schliesst sich der Kiss-Genossenschaft Cham an

Eine entsprechende Motion wurde von den Stimmberechtigten am Montagabend knapp angenommen.
Die Kiss-Genossenschaft Cham organisiert beispielsweise Hilfe beim Einkaufen. (Symbolbild: Keystone)

Rahel Hug

Dass die Nachbarschaftshilfe mit Zeitgutschriften nach dem Modell Kiss («Keep it small and simple») eine gute Sache ist, darüber waren sich an der Gemeindeversammlung in Hünenberg vom Montagabend wohl die meisten einig. Doch passt das System auch zu Hünenberg? Oder konkurrenziert es die bestehenden Angebote, beispielsweise vom Verein Kontakt oder den beiden Kirchen? Darüber herrschten unterschiedliche Ansichten. Der Gemeinderat beantragte, eine entsprechende Motion von Rita Hofer, Karin Baumgartner, Anna Bieri, Heinz Achermann, Beat Unternährer, Anita Zimmermann und Daniel Burkard nicht erheblich zu erklären.

Der Entscheid war am Ende relativ knapp: 71 Stimmberechtigte sprachen sich für eine Erheblicherklärung aus, 58 unterstützten den Gemeinderat, während sich 7 der Stimme enthielten. Damit steht fest: Hünenberg soll der Genossenschaft Kiss in Cham – dort besteht sie bereits seit fünf Jahren – beitreten und in einem weiteren Schritt eine Erweiterung zu «Kiss Ennetsee» (Risch, Cham und Hünenberg) prüfen.

Eine Ergänzung zu bestehenden Angeboten

In der vorangehenden Diskussion zeigten sich die Knackpunkte. Rita Hofer vom Grünen Forum erklärte im Namen der Motionäre, wie mit dem Prinzip von Kiss «mit wenig viel bewirkt» werde. Die Hürde, Unterstützung auch anzunehmen, sei tief, da Kiss komplett ohne Geld funktioniere. Bestehende Angebote würden nicht konkurrenziert, vielmehr wäre es eine Ergänzung. «Die Pflege etwa gehört klar in die Hände von Fachleuten.» Kiss setze dort an, wo die Fachpersonen an ihre Grenzen kommen, etwa wenn es um Kontakte gehe, um der Einsamkeit vorzubeugen. «Corona hat gezeigt, dass es hier Lücken gibt. Umso mehr erstaunt mich die ablehnende Haltung des Gemeinderats», erklärte Hofer.

Dem widersprach Christian Kelter, Gemeindeleiter der katholischen Pfarrei Heilig Geist. Für ihn ist Kiss «die zweitbeste Lösung». In Hünenberg funktioniere die Freiwilligenarbeit sehr gut, gerade bei der Kirche habe man einen grossen Pool an freiwilligen Helfern, man habe zeitweise sogar einen «Überschuss», da die Nachfrage nicht immer gleich gross sei. Mit der Einführung von Kiss in Hünenberg werde eine parallele Struktur geschaffen, so Kelter.

Organisationen äusserten sich kritisch

So argumentierte auch die Gemeinde. Mit den Zeitgutschriften werde ein kultureller Wandel initiiert, dem der Gemeinderat skeptisch gegenüberstehe, erklärte Sozialvorsteherin Claudia Benninger. Sie verwies auf die zahlreichen bereits bestehenden Angebote und sagte, dass sich auch die Hünenberger Organisationen sowie die Alterskommission kritisch geäussert hätten. Und Petra Kohler, Co-Präsidentin des Vereins Kontakt, betonte, dass, wenn man auf einem zusätzlichen Gleis fahre, die Suche nach Freiwilligen schwieriger werden dürfte.

Rob Hartmans, FDP-Mitglied und Stiftungsrat der Fondation Kiss, störte sich am «Konkurrenzdenken», das sich in der Diskussion zeige. Durch die Zeiterfassung bei Kiss bekomme die Freiwilligenarbeit einen Wert. «Dass eine in Zug geborene Idee schweizweit und auch in Deutschland und Österreich Anklang findet, ist doch erfreulich.» Er wünsche sich vom Gemeinderat diesbezüglich etwas mehr Offenheit. So wie Hartmans dachte eine knappe Mehrheit der Anwesenden im Saal. Der Gemeinderat hat nun den Auftrag, die weiteren Schritte für einen Beitritt zur Chamer Kiss-Genossenschaft vorzubereiten.

Steuerfuss neu bei 65 Prozent

Die Gemeindeversammlung war trotz der Coronapandemie gut besucht: 143 Stimmberechtigte waren vor Ort, ein Teil musste aus Platzgründen im Foyer sitzen, wo die Versammlung per Video übertragen wurde. Bei den anderen Geschäften konnte der Gemeinderat Erfolge verbuchen. So ist nun unter anderem das Budget 2021 unter Dach und Fach, neu mit einem Steuerfuss von 65 Prozent anstatt den bisherigen 70 Prozent mit einem Rabatt von 5 Prozent. Dies sei einfacher lesbar und netto bedeute es dasselbe, führte Gemeindepräsidentin Renate Huwyler aus. Ein Antrag der SP, den Steuerfuss bei 70 Prozent zu belassen und einen einmaligen Rabatt von 3 Prozent zu gewähren, blieb chancenlos.

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