Eine Interessengruppe aus Seelisberg kümmert sich aktuell um die Sanierung vom fast vergessenen Kulturdenkmal des Bildstocks Abraham beim Schloss Beroldingen. Gleichzeitig erarbeitet die Gruppe auch die bedeutungsvolle Geschichte der Familie von Beroldingen, welche mit grösster Wahrscheinlichkeit im 15. Jahrhundert verantwortlich war für den Bau des Bildstocks am Rand der Liegenschaft von Beroldingen. Es ist gut möglich, dass sich das Aussehen des Bildstocks über all die Jahre verändert hat und heute nur noch ein Teil seiner ursprünglichen Grösse vorhanden ist.
«In erster Linie kommen für diese Veränderungen Vandalenakte und Diebstähle in Frage» ist Peter Hauser von der Interessengruppe überzeugt. Auf Grund des ästhetischen Empfindens von Josue von Beroldingen, dem mutmasslichen Erbauer, dürfte der Bildstock zu Beginn wohl eher eine klassischere Form gehabt haben. Bekannt ist, dass während der französischen Besatzungszeit zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Kapelle St. Laurentius des Schlosses Beroldingen geplündert worden ist und dabei wohl auch der Bildstock heimgesucht wurde. Heute steht der Bildstock Abraham als wichtiger Zeitzeuge seiner Zeit und als Kulturgut unter Denkmalschutz.
Der Bildschmuck im Innern wurde gestohlen und verhökert
Wie das ursprüngliche Bild im Bildstock bei Beroldingen ausgesehen hat, ist heute schwer zu sagen. Dazu fehlen die Dokumente. Da der mutmassliche Erbauer Josue von Beroldingen tief beeindruckt von seiner Reise nach Jerusalem nach Seelisberg zurückkehrte, ist es naheliegend, dass seit Anfang ein Bild von Abraham und Isak das Innere schmückte. Neuere Quellen sprechen davon, dass das Bild in die Kirche von Bauen gelangt sein könnte und angeblich um 1900 wieder nach Beroldingen zurückgeführt worden ist. Noch mehr Verwirrung stiftete der Fund eines mit dem im Bildstock identischen Gemäldes aus dem 19. Jahrhundert von Abraham und Isak. Dieses wurde im Jahr 2020 auf dem Dachboden vom Schloss Beroldingen aufgefunden. Bei den beiden Bildern unterscheiden sich nur die Masse.
«Da dieses kürzlich aufgefundene Bild kaum Spuren von Witterungseinflüssen zeigt, ist es eher unwahrscheinlich, dass es sich einmal im Bildstock befunden hat», rätselt Peter Hauser über die beiden fast identischen Bilder. Ältere Bewohner von Seelisberg können sich noch an ein Abrahambild im Bildstock erinnern, das aber vor 30 Jahren gestohlen wurde und wohl im Raum Luzern an einen Kunstliebhaber verkauft worden war. «Ein wunderbarer Zufall wäre es natürlich, wenn der heutige Besitzer das Bild wieder für den Bildstock auf Beroldingen zur Verfügung stellen würde», wagt die Interessengruppe ganz leise zu hoffen.
Wichtige Figuren in der alten achtörtigen Eidgenossenschaft
Mit der Sanierung des Bildstocks Abraham beim Schloss Beroldingen kann das lange verkannte kulturhistorische Kleinod mit seinem einzigartigen historischen Hintergrund der Öffentlichkeit wieder zurückgegeben werden. Die Interessengruppe hofft darüber hinaus, dass der Bildstock zum Türöffner werden kann, um die grosse Bedeutung der Adelsfamilie von Beroldingen über die Kantonsgrenzen hinaus bekannt zu machen. «Eine seriöse Geschichtsschreibung kann sich in Zukunft nicht mehr leisten, diese Adelsfamilie von Berodlingen, welche eine riesige Bedeutung für die alte achtörtige Eidgenossenschaft hatte, zu ignorieren», ist Peter Hauser überzeugt.



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