
Auf der Seetallinie der SBB hat sich innert weniger Tage bereits der zweite schwere Unfall ereignet, weil Jugendliche auf das Dach von Zügen gestiegen waren. Bei der Luzerner Polizei ging am Mittwoch, 11. Februar, gegen 19.30 Uhr die Meldung ein, dass es beim Bahnhof Mosen zu einem Personenunfall gekommen sei. Vor Ort wurde ein erheblich verletzter Jugendlicher vorgefunden. Durch einen Rettungshelikopter wurde der 17-Jährige ins Spital geflogen. Nach bisherigen Erkenntnissen befand sich der Jugendliche auf dem Dach des Zugs und erlitt dabei einen Stromschlag, teilte die Luzerner Polizei am Donnerstag weiter mit.
Ein weiterer solcher Fall im Seetal ereignete sich am Donnerstagabend, 5. Februar, zwischen Beinwil am See und Mosen, als zwei jugendliche Train-Surfer im Alter von 17 und 18 Jahren auf einen Zug gestiegen waren, wie die Aargauer Kantonspolizei mitteilte. Dabei erlitt der 18-Jährige einen Stromschlag, der ihn tödlich verletzte; sein 17-jähriger Begleiter wurde nicht verletzt. Die beiden Train-Surfer waren um 19 Uhr in Lenzburg auf das Zugdach geklettert; zum Stromschlag kam es dann zwischen Beinwil am See und Mosen um 19.30 Uhr.

Der 17-Jährige war schon beim ersten Unfall dabei
Die beiden Unfallstellen zwischen Beinwil AG und Mosen LU liegen nur wenige Kilometer auseinander. Gemäss einem Bericht von «Tele M1» handelt es sich beim Unfall am 11. Februar in Mosen um den gleichen 17-Jährigen, der schon beim Train-Surf-Unfall am 5. Februar in Beinwil dabei war. Dort habe er miterlebt, wie sein Kollege ums Leben kam.
Ein Anwohner in Mosen habe den 17-Jährigen laut dem Bericht schreien gehört, dass sein Bein brenne. Und ein Ersthelfer berichtete gegenüber dem Sender, dass der verunfallte 17-Jährige nach dem Unfall in Mosen gesagt habe, dass er nicht sterben wolle wie sein Kollege letzte Woche und dass es ihm leidtue, was er getan habe. Auf den Zug ist der Jugendliche gemäss Recherchen des Senders in Boniswil gestiegen.
Der Luzerner Polizeisprecher Yanik Probst macht auf Anfrage der Luzerner Zeitung «aus Persönlichkeitsrechts- und Datenschutzgründen» keine Angaben zum Verletzten. Die Luzerner Polizei führt nun weitere Ermittlungen durch. Dazu gehört auch, dass mögliche Datenträger ausgewertet werden, sagte Probst auf Anfrage weiter.
Videos auf Social Media heizen lebensgefährlichen Trend an
Bereits am 24. Januar 2026 kam es im Bahnhof Zofingen zu einem Fall, wobei ein 17-Jähriger auf einen Güterwagen kletterte und von einem Stromschlag erfasst und tödlich verletzt wurde. Und schon am 12. Januar kletterte ein 14-Jähriger auf einen Güterzug und wurde getötet, als auch er von einem Stromschlag erfasst wurde.
Unfälle beim Train-Surfen nehmen laut einer aktuellen Studie des Universitätsspitals Zürich auf «Science Direct» zu. Die Studie hat auch untersucht, welche Rolle dabei Soziale Medien wie TikTok und Instagram spielen, auf denen Videos von solchem lebensgefährlichen Verhalten geteilt werden. Jugendliche fühlten sich von gefährlichen «Challenges» in sozialen Medien besonders angezogen. Likes und Shares förderten die Nachahmung.
«Tod oder schwerste Verletzungen» – Polizei warnt auf Tiktok vor Train-Surfing
In der Schweiz verunfallen pro Jahr etwa vier Menschen beim Train-Surfen mit dramatischen Folgen. Die Kantonspolizei Aargau hat am Donnerstag ein Video auf Tiktok veröffentlicht, auf dem Mediensprecher Bernhard Graser mit eindringlichen Worten vor Train-Surfing warnt: Die elektrische Energie könne sich auch aus einiger Entfernung von der Fahrleitung mit einem Lichtbogen entladen. «Die Folgen sind praktisch immer der Tod – oder schwerste Verletzungen.» Sein dringender Appell: «Steigt NIEMALS, ich sage NIEMALS, auf Bahnwagen und beteiligt euch nicht an irgendwelchen fragwürdigen und lebensgefährlichen Trends.»
Bei den SBB herrscht grosse Betroffenheit
Bei den SBB heisst es auf Anfrage, der erneute Unfall in Mosen mache sehr betroffen. «Ebenso wie die drei weiteren Starkstromunfälle in diesem Jahr, die tödlich ausgegangen sind. Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen.» Diese tragischen Beispiele würden zeigen, «wie gefährlich es ist, auf einen Zug zu steigen». Wie die Polizei warnen auch die SBB: «Eine Fahrleitung steht unter 15 000 Volt Spannung. Diese Spannung ist rund 65-mal höher als jene der Haushaltssteckdose. Wichtig: Bahnstrom kann bereits ab einem Abstand von weniger als zwei Metern zur Fahrleitung auf den Menschen überspringen.» Dies könne zu Stromschlägen, inneren und äusseren Verletzungen und zum Tod führen.
Prävention und bauliche Massnahmen
Die SBB würden die Thematik sehr ernst nehmen und sich seit Jahren in der Prävention engagieren, zum Beispiel mit einem Schulzug, wo Kinder und Jugendliche explizit vor den Gefahren von Starkstrom gewarnt werden. Die SBB setzten auch auf bauliche Massnahmen, mit Warnschildern und Absperrungen, um das Annähern an Gefahrenorte zu signalisieren und zu erschweren. Aber: «Bauliche Massnahmen allein können jedoch bei über 3000 Schienenkilometern nicht alle Risiken verhindern.»
Es werde zudem laufend geprüft, wo zusätzliche Sicherheits- und Präventionsmassnahmen sinnvoll und wirksam sein könnten. «Unter anderem auf Social Media, um insbesondere Jugendliche gezielt anzusprechen.» Sicherheit in der Nähe von Bahnanlagen sei eine Gemeinschaftsaufgabe, bei der neben den SBB auch Gemeinden, Städte, Schulen, Erziehungsberechtigte, Behörden und weitere Partner eine wichtige Rolle spielten.
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