Sandra Monika Ziegler
Keine rüüdigen Tage, keine Guuggenmusigen, die bunten Stoff für ihre Kostüme brauchen. Für Vater Chris Meyer ist das Fasnachtsgeschäft eingebrochen. Sein Laden für Fasnachtsstoffe und Zubehör «Fadegrad» in Kriens bleibt coronabedingt geschlossen. Seine Lebenspartnerin Edith Meyer Arnet erzählt:
«Bis im September wurden noch Stoffe bestellt, doch seit November brach das Geschäft ein.»
Der Laden in Kriens ist seit drei Jahren an diesem Standort. Vorher waren sie zwölf Jahre in Luzern im Weinbergli in der alten Post. Dort mussten sie wegen der geplanten Einfahrt zu einer Tiefgarage ausziehen. Dank staatlicher Unterstützung und der gebildeten Reserven könnten sie den Laden halten, sagt Meyer, fügt aber an: «Probleme würden wir bekommen, wenn es im 2022 auch keine Fasnacht gibt. Doch wir sind optimistisch.»
Pendeln zwischen den Kontinenten
Vor sechs Jahren sind Edith und Chris Meyer wieder nach Australien zurück. Dort lebten sie bereits in den 80er-Jahren. «Unsere Söhne sind dort geboren. Als sie im Alter von acht und zehn Jahren waren, kehrten wir in die Schweiz zurück.» Seither pendeln Chris und Edith Meyer zwischen den Kontinenten. Die Söhne Dominic und Philip sind in Luzern sesshaft.
Vier bis fünf Monate weilen die Eltern in Australien, den Rest verbringen sie in der Schweiz. Edith Meyer-Arnet startete in Australien mit ihrem Modelabel Yoko Fashion und produzierte Schals. Das Label konnte sie damals von einer Holländerin übernehmen.
Da weder Modeschauen noch Designermessen stattfinden, fehlt auch ihr die Kundschaft. «Dreissig Prozent der Einkäufer haben sich bereits abgemeldet und machen nicht mehr weiter», schildert sie die aktuelle Situation. So musste sie sich in der Schweiz neu orientieren und neue Kanäle öffnen.
Kreative Familie mit neuen Ideen
Alle vier Meyers sind kreativ unterwegs. Sohn Philip (31) ist Regisseur für Werbefilme und Sohn Dominic (32) Jungunternehmer; er vermietet möblierte Wohnungen auf Zeit. Bei einem Familienapéro letzten Herbst sei die Idee der Halswärmer mit integrierter Maske entstanden. «Das hat mich von Beginn an überzeugt und gepackt», sagt Edith Meyer-Arnet.
Die Aufgabenverteilung für das Familienprojekt Halswärmer lag auf der Hand: Das Design liegt bei der Mutter, die Logistik übernimmt der Vater und für das Marketing sind die beiden Söhne zuständig. Vater Chris Meyer ist stolz:
«Es ist das erste Mal, dass wir als Familie ein solches Projekt zusammen umsetzen. Wir alle vier konnten unsere Fähigkeiten wunderbar ausüben und uns so gegenseitig unterstützen.»
Vorgesehen ist eine Produktion von 2000 Schals. Die Halswärmer seien ein Tröpflischutz und kein medizinisches Produkt. Die eingenähten Masken sind aus dreilagigem Filterstoff und haben eine hohe Filtereffizienz. «Sie sind durch das Büro Veritas getestet und erfüllen die Vorgaben der Empfehlungen für Community-Masken der Swiss National Covid-19 Science Task Force», so Edith Meyer. «Sie haben einen 95-Prozent-Filterschutz, vorgeschrieben sind 70 Prozent.»
Auch die Hälse von Vierbeinern sollen gewärmt werden
Hergestellt werden sie in Indien. Denn dort lässt Edith Meyer bereits ihre Schal-Kollektion produzieren. Ein Vorteil, denn so konnte sie auf ihr Netzwerk zurückgreifen:
«Die Schwierigkeit war nicht wo, sondern wer kann so schnell produzieren. Wir waren ja im Oktober bereits spät dran mit unserer Idee.»
Die Familie, die jetzt produziere, kennen sie gut. Vor Ort seien sie normalerweise zweimal jährlich und könnten alles kontrollieren. Das habe zu einem starken gegenseitigen Vertrauen geführt und deshalb klappe auch diese Produktion gut.
Gewärmt werden sollen nicht nur Menschenhälse, sondern auch die der Vierbeiner. «Letztere ohne integrierte Schutzmaske», betont Edith Meyer scherzhaft. Der Familienhund trägt einen Prototyp, in Produktion gehen die jedoch noch nicht. «Das Geschäft ist gut angelaufen», berichtet Meyer. Schön sei, dass die Menschen, die solch einen Halswärmer tragen, aktiv Mund-zu-Mund-Propaganda machen. So konnten bisher bereits 500 Halswärmer verkauft worden.
Hinweis: Die Halswärmer gibt es in den Farben Grau, Schwarz und Pink. Sie kosten knapp 40 Franken inklusive Versand. Sie können auch in Kriens im «Fadegrad» an der Luzernerstrasse 7a bei vorheriger Bestellung abgeholt werden.

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