Cornelia Bisch
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Im Hinterwidenwald in Unterägeri wird während der nächsten Jahrzehnte im Rahmen eines nationalen Projekts geforscht. «Wir werden hier im kommenden Herbst oder Frühling 2022 acht Baumarten pflanzen und pflegen», kündigt Sabrina Maurer vom Zuger Amt für Wald und Wild an. Dabei handelt es sich um einen der Standorte einer langfristig angelegten nationalen Testpflanzungsreihe der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL), des Bundesamts für Umwelt (Bafu) sowie 20 kantonaler Waldämter und vieler Forstbetriebe zur Erforschung der Klimatoleranz von gesamthaft 18 Baumarten.
Bedingt durch den Klimawandel geraten viele regionale Baumarten zunehmend unter Trockenstress. «Hierbei geht es um einen Beitrag zur Sicherung der zukünftigen Leistungen der Wälder», erklärt Peter Brang von der WSL.
«An vielen Waldstandorten werden unter den klimatischen Bedingungen, welche gegen Ende des 21. Jahrhunderts erwartet werden, andere Baumarten besser wachsen als diejenigen, welche heute dort gedeihen.»
Den nötigen Wandel wolle man beschleunigen. «Dazu müssen wir noch besser verstehen, welche Bedingungen den Baumarten zusagen und welche nicht.» Mit diesem Ziel wird man nun schweizweit 18 Baumarten auf 57 Versuchsflächen mit ganz unterschiedlichen klimatischen Bedingungen pflanzen und ihre Entwicklung über 30 bis 50 Jahre hinweg beobachten.
«Baumarten, die klimatisch nicht passen, können auch keinen gesunden Wald bilden», betont Brang. «Unternimmt man nichts, wird künftig weniger Holz produziert und weniger Kohlendioxid gebunden. Ausserdem entstehen Lücken im Wald, in denen der Schutz vor Lawinen und Steinschlag nicht mehr gewährleistet ist.» Dies könne mit der Wahl gut passender Baumarten vermindert werden.
Samen mit angepasstem Erbgut
«Klima, Bodenaufbau und Wasserhaushalt begünstigen das Aufkommen bestimmter Pflanzenarten. Unter ähnlichen Bedingungen entwickeln sich somit ähnliche Artenzusammensetzungen, die in Waldgesellschaften eingeteilt werden», präzisiert Sabrina Maurer vom Zuger Amt für Wald und Wild. Da das Klima ein entscheidender Standortfaktor sei, führe dessen Veränderung unweigerlich zu anderen Artenzusammensetzungen. Dieser an sich natürliche Prozess werde durch den Klimawandel beschleunigt.
Bäume und Pflanzen seien anpassungsfähig. «Es gibt Individuen und Populationen, die bereits heute an Standorten leben, an denen jene Bedingungen herrschen, wie wir sie in unserer Region in einigen Jahrzehnten erwarten.» Beispielsweise sei eine Buche im Jura an geringe Niederschläge und starke Hitze gewöhnt.
«Man nimmt also Samen von diesen Bäumen, die bereits an das härtere Klima angepasste genetische Informationen enthalten, pflanzt sie auf Versuchsflächen an, auf denen heute schon Buchen heimisch sind, und beobachtet, ob und wie sie gedeihen.»
Auf diese Weise werde die bestehende Waldgesellschaft quasi zukunftsfit gemacht. Es werden also schweizweit nicht nur 18 Baumarten, sondern von jeder Art auch Samen von sieben verschiedenen Herkunftsorten getestet.
Verschiedenste Standorte wurden ausgewählt
«Wir wollten die Bäumchen möglichst unterschiedlichen klimatischen Bedingungen aussetzen», führt Brang weiter aus. «Man spricht von einem grossen Klimagradienten. Daher wurden Versuchsflächen von den wärmsten bis in kalte Lagen ausgewählt.» Das heisst konkret von tiefen Lagen im Tessin bis nahe an die obere Waldgrenze in den Alpen. «Auch beim Boden wollten wir unterschiedliche Bedingungen, zum Beispiel flachgründige Böden, die nur wenig Wasser speichern, und tiefgründige. Ausserdem mussten innerhalb jeder Versuchsfläche die Bedingungen möglichst einheitlich sein.»
Die insgesamt etwa 55'000 Bäumchen werden in Baumschulen angezogen. Von dort werden sie an die WSL geliefert, wo ihre Höhe und Stammdicke gemessen wird und sie für jede zu pflanzende Fläche bereitgestellt werden. Mitarbeiter der Forstbetriebe pflanzen dann die Bäumchen unter Anleitung der Fachleute der WSL ein. «Im Herbst 2020 pflanzten wir auf zehn Flächen, im nächsten Frühjahr sind noch einmal zehn dran und so geht es weiter, bis im Frühjahr 2023 die letzte Fläche bepflanzt sein wird», legt Brang dar.
Den Boden mittels Kalkung entsäuern
In einem zweiten, jedoch deutlich kleineren nationalen Forschungsprojekt wird aufgrund eines politischen Vorstosses untersucht, ob mittels Kalkausbringung versauerte Waldböden saniert werden können.
«Viele Waldstandorte in der Schweiz sind von Versauerung durch übermässige Stickstoffeinträge betroffen, die Auswirkungen auf die Stabilität der Wälder haben», heisst es im offiziellen Projektbeschrieb. Diese Stickstoffeinträge seien durch menschliche Aktivitäten verursacht worden. Der Bundesrat benennt als Hauptziel des experimentellen Forschungsprojekts die Verbesserung des Nährstoffstatus der Wälder.
«Es wurden drei Forschungsflächen in der ganzen Schweiz dafür ausgesucht», erzählt Sabrina Maurer. Eine davon befinde sich in Menzingen. «Dort wurde nun Kalk auf dem Waldboden verteilt.» Dabei handelt es sich um Dolomit, ein natürliches Kalkgestein. Es wird aus kalkhaltigen Gesteinsformationen abgebaut und zerkleinert, damit es gleichmässig verteilt werden kann. Durch den Kalk nimmt der Vorrat an Kalzium und Magnesium im Boden zu und der pH-Wert steigt. Damit wird das chemische Milieu für Pflanzen und Bodenlebewesen wieder günstiger.
«Gemäss der Schweizer Düngerbuch-Verordnung sind Kalke jedoch Bodenverbesserungsmittel», informiert Maurer. Da es grundsätzlich verboten sei, den Waldboden zu düngen, sei dieses Pilotprojekt des Bundes bewilligungspflichtig.




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