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Nidwalden

Mit der Jugend in die Zukunft: Nidwaldner Betrieb hat treue Arbeitskräfte

Ruedi Risi begann vor 48 Jahren als erster Lehrling bei der Leo Schallberger AG, damals am Wilrank. In diesen Tagen erhält der 100. Lehrling sein Diplom.
Von links: Firmenchef Leo Schallberger, Andreas Gisler, Daniel Arnold, der erste Lehrling Ruedi Risi, Matteo Garovi, Sven Barmettler und Ambros Odermatt.  (Bild: Ruedi Wechsler (Oberdorf, 5. Juli 2022))
Ruedi Risi (rechts) arbeitet seit 48 Jahren ohne Unterbruch im Betrieb von Leo Schallberger (links).  (Bild: Ruedi Wechsler (Oberdorf, 5. Juli 2022))

Ruedi Wechsler

Ruedi Wechsler

Wer ist es nun? Gemäss der voreilig veröffentlichten Pressemitteilung von letzter Woche ist es Sven Barmettler. Er zeigte sich erstaunt, will aber von dieser Auszeichnung nichts wissen und outet sich gleichzeitig als absoluter Teamplayer: «Wir haben soeben zu fünft die Lehrabschlussprüfung bestanden und es kommt nicht drauf an, wer es schlussendlich ist. Wir sind gemeinsam das 100. Package», hält er fest. Auch Firmenchef Leo Schallberger kann es nicht genau eruieren, welcher des Quintetts den Lehrvertrag vor vier Jahren als Erster unterzeichnet hat.

Dieses Jahr darf die Leo Schallberger AG gleich fünf jungen Männern zum bestandenen Lehrabschluss gratulieren. Herausragend sind die beiden Urner Andreas Gisler mit der Note 5,4 und Daniel Arnold mit 5,3. Matteo Garovi, Sven Barmettler und Ambros Odermatt zählen ebenso zum «Dream-Team». Man spürt es förmlich, das Quintett ist ein verschworenes Team und sie schwärmen vom Lehrbetrieb. Dazu sagt Sven Barmettler: «Mir hat die Abwechslung im Betrieb sehr gut gefallen und ich durfte Motoren, Hydraulikanlagen und Getriebe reparieren, den Service machen oder Änderungen an Maschinen vornehmen.» Am meisten hätten ihn Pikettdienste gefordert und da musste er ganz allein nach Lösungen suchen. «Die Wertschätzung gegenüber uns war bemerkenswert und die Verantwortlichen wie Beat Niederberger, Ruedi Durrer, Wendelin Gisler, Franz Bircher und Simon Gisler unterstützten uns auch nach Feierabend mit guten Ratschlägen», so der 19-Jährige.

Auch nach Betriebsschluss sitzt man zusammen am Tisch

Ambros Odermatt blickt zurück und sagt mit einem breiten Lachen: «Anfangs musste ich mein gutes Mundwerk etwas zügeln und ich konnte mich menschlich weiterentwickeln. Der Kundenkontakt war für mich bereichernd und ich habe dabei sehr viel gelernt.» Daniel Arnold schätzte den Austausch mit der Filiale in Sarnen und nach Betriebsschluss sass man auch mal gemeinsam am Tisch. Andreas Gisler erinnert sich an die ersten Monate und erwähnt: «Das selbstständige Arbeiten zu Beginn war mir manchmal etwas zu viel, aber ich durfte immer nachfragen.»

Firmenpatron Schallberger will auch künftig mit jungen Fachleuten die Firma weiterentwickeln und ergänzt mit sichtlichem Stolz:

«Dreiviertel der Belegschaft hat die Ausbildung hier absolviert und einige schafften die Meisterprüfung oder sind als Fachlehrer unterwegs. Auch die fünf Lernenden werden weiterbeschäftigt.»

Begonnen hat alles vor 48 Jahren mit der Lehrlingsstory. Der Buochser Ruedi Risi begann als scheuer und smarter Junge am 1. Oktober 1974 am Wilrank in Oberdorf in der engen und viel zu kleinen Werkstatt. Zum Teil wurde unter freiem Himmel gearbeitet. «Ich bin im Bächli in Buochs aufgewachsen und wusste kaum, wo Stans liegt. Daheim standen einige Landmaschinen und es war immer mein Traum, dieses Handwerk zu erlernen», erinnert sich der 63-Jährige.

Von Hahn angegriffen und in Bahn steckengeblieben

Auch heute verrichtet Risi noch Reparaturen bei vielen Kunden und hat dabei einiges erlebt: «In Beckenried kam mal ein Hahn angeflogen und er hat mich frontal angegriffen. In einem ‹Wasserbähnli› Richtung Surenen bin ich mal steckengeblieben, weil der Wassertank als Gegengewicht nicht ganz gefüllt war oder ich zu viel Material mitschleppte.» Mit der Traggabel und schwer beladen kraxelte er einmal zu Fuss den Hang hinauf und da ist die Säure der Batterie ausgetreten. Das Hemd war «futsch» und seine Haut verätzt.

Leo Schallberger erinnert sich an ein Erlebnis mit dem VW-Käfer von Ruedi Risi:

«Es passierte einmal, dass Benzin ausgelaufen ist und ein Junge aus der Nachbarschaft zeuselte. Der Wagen ging in Flammen auf, aber das Auto hat nicht mal grossen Schaden davongetragen.»

Schallberger lobt den Lehrling der ersten Stunde und erwähnt: «Als Mensch, Mechaniker und Sportler hat sich Ruedi Risi stetig weiterentwickelt und ist bei der Kundschaft eine anerkannte Persönlichkeit.» Zudem schätzt er seine Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Korrektheit. Ruedi Risi gibt die Blumen gleich weiter und schwärmt mit leicht wässrigen Augen: «Schon Leo Schallberger Senior glänzte mit straffer Struktur, war sehr kollegial und immer fair. Es herrschte immer ein gutes Einvernehmen und für mich stand ein Stellenwechsel nie zur Diskussion.» Ruedi Risi ist begeisterter Langläufer und er hat soeben die Kategorie Walking beim Stanserhornlauf gewonnen.

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