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«Wir haben uns nie angeschnaubt»: Mit der Luga 2026 geht bei der Messe Luzern eine Ära zu Ende

Urs Hunkeler und Markus Lauber prägten die Messe Luzern während Jahrzehnten. Als Führungsduo harmonierten sie perfekt – jetzt treten sie gemeinsam kürzer.
Auf dem Luga-Riesenrad: Urs Hunkeler (links) und Markus Lauber wollten hoch hinaus mit dem Messeplatz Luzern.
Bild: Andréas Härry (Luzern, 27. 4. 2026)

Wer sich in Luzern gesellschaftlich oder politisch engagiert, sagt «Hunkeler und Lauber» in einem Zug. Über 30 Jahre waren Urs Hunkeler und Markus Lauber das prägende Duo an der Spitze der Messe Luzern und somit der Luga. Hunkeler als Verwaltungsratspräsident, Lauber als Vorsitzender der Geschäftsleitung.

Zwei Betriebswirte, zwei Charaktere, zwei Temperamente. Und offenbar eine jener seltenen beruflichen Verbindungen, die nicht an Eitelkeit scheitern. Lauber sagt mit Staunen und Stolz: In all den Jahren hätten sie sich «nie angeschnaubt, never».

Der Analytiker und der Kreative

Das klingt verklärt. Aber je länger die beiden erzählen, desto logischer wird es. Von aussen ist das Rollenbild rasch gemacht: hier der Analytiker, dort der Ideengenerator, der «Spinner». So einfach wollen sie es nicht stehen lassen. Hunkeler gehe «zuerst analytisch dahinter», Lauber stelle eher einmal eine Idee in die Welt. Aber, sagt Lauber: «Ich glaube, dass ich auch rechnen kann. Und du hast auch eine kreative Seite.» Entscheidend sei gewesen: «Wir hatten das Glück, dass sich unsere Fähigkeiten sehr gut ergänzt haben.» So wurde aus Arbeitsteilung kein Kleinkrieg, sondern ein belastbares Doppel.

Es überrascht daher nicht, dass sie jetzt auch gemeinsam kürzer treten und die operative Leitung in neue Hände geben: Fabienne Meyerhans wird ab Juli als neuer CEO die Geschicke der Messe leiten. Lauber und Hunkeler kehren der Firma  aber nicht den Rücken. Sie bleiben beide im Verwaltungsrat, wobei Markus Lauber im Herbst das Präsidium übernehmen könnte.

Am meisten geprägt wurden Lauber und Hunkeler vom 2023 verstorbenen Alfred N. Becker, dem Erfinder des Messeplatzes Luzern. Für Lauber ist er «unser Pionier. Er hatte die Idee, er entwickelte die Luga 1980.» Hunkeler beschreibt ihn als einen, der Menschen nicht mit Organigrammen gewann, sondern mit Sätzen wie: «Komm, mach doch, zeig doch, tu doch.» Hunkeler fasst das Verhältnis berührend zusammen: Becker sei nicht ihr Ersatzvater gewesen, «aber wir waren seine Ersatzsöhne». Becker gab Freiheit. «Er hat nur das Ziel angesagt». Lauber mochte diesen Führungsstil: «Du musst mir nicht sagen, was ich zu tun habe, sondern was ich erreichen muss.»

Markus Lauber (links) und Urs Hunkeler mittendrin. Der direkte Kontakt zu den Luga-Ausstellenden zum Einholen von Feedbacks ist ihnen sehr wichtig.
Bild: Andréas Härry (Luzern, 27. 4. 2026)

Messehalle mit FCL-Stadion obendrauf?

Aus diesem Vertrauen wuchs mehr als der Betrieb einer Frühlingsmesse. Hunkeler und Lauber hielten die Luga nicht einfach am Laufen. Sie bauten Luzern zum Messeplatz aus, wie man ihn heute kennt. Lauber spricht vom alten Gelände als Ort «mit Hinterhofcharakter». Die neue Infrastruktur war Überlebensfrage. Früh beschäftigte man sich mit der Zukunft des Areals, spielte Varianten durch, sogar mit Messehalle unten und FCL-Stadion obendrauf.

Der entscheidende Moment für den Start der «neuen Messe Luzern» kam über die Tieflegung der Gleise der Zentralbahn. Eigentlich ging es bloss um Perrons. Lauber sah eine Möglichkeit. Statt unter der Kegelsporthalle durchzugehen, könne man direkt unter der Festhalle durch. Damit spare man Tunnelmeter. Und pro gespartem Meter könne man «gerne noch etwas an eine neue Festhalle anzahlen».

Einfach war das nicht. Politisch war nicht alles gesichert, finanziell schon gar nicht. Hunkeler erzählt von einem Moment, in dem man vor der Alternative stand: weiterplanen und Konkurs riskieren, falls das Volk Nein sagt, oder zaudern und die Chance verlieren. Also verlangte man eine Garantie. Sie kam quasi «per Handschlag». Man schaut sich in die Augen und weiss: Die Abmachung gilt. «Heute undenkbar», sagt Lauber fast bedauernd.

Man kennt Standbetreiber über Jahrzehnte: Markus Lauber (links) und Urs Hunkeler (rechts) am Stand der Firma von Moos, Luzern, mit Sebastian Blättler.
Bild: Andréas Härry (Luzern, 27. 4. 2026)

Die Schweiz war damals wilder – die Luga auch

Die frühen Jahre klingen nach einer wilderen Schweiz. Das Luga-Office lag in einem Privathaus am Dattenberg, während der Messe zog man in die Festhalle. Dort grillierte der Metzgermeisterverband, «und nach zehn Tagen Rauch hattest du keinen Geschmackssinn mehr», sagt Lauber. Es gab Live-Studios vom Radio, Improvisation, weniger Geländer. Lauber erzählt von einem pyrotechnischen Zwischenfall, «ich habe ein Megaschwein gehabt», dass nichts Schlimmeres passiert sei. Die Luga mit 450 Ausstellenden funktionierte damals rauer und direkter.

Nostalgiker sind beide nicht. Die Messewelt habe sich verändert. Das Publikum erwarte heute mehr Komfort, Qualität, Sicherheit, Erlebnis. Beide glauben an die Zukunft von Publikumsmessen. Corona habe gezeigt, dass digitale Ersatzwelten das Bedürfnis nach Begegnung nicht befriedigen. Hunkeler sagt trocken, man habe gemerkt, «dass es nur digital nicht so lustig ist». Lauber ergänzt, man müsse «immer willig sein, das Ding anzupassen». Der Kern bleibe: Menschen wollen zusammenkommen.

Nun ziehen sie sich operativ zurück. Hunkeler, 69-jährig, klingt gelassen. Loslassen sei ihm im Leben «bis jetzt immer gut gelungen». Der 62-jährige Lauber spricht offener über die Spuren der vielen Jahre. Corona, das Ringen ums Überleben, das Entlassen von Leuten, «das hat geschlissen».

Dennoch: Das Duo «Hunkeler und Lauber» darf für sich in Anspruch nehmen, einen Messeplatz zu hinterlassen, der ohne sie anders aussähe.

«Wir haben uns nie angeschnaubt.» Urs Hunkeler (links) und Markus Lauber.
Bild: Andréas Härry (Luzern, 27. 4. 2026)

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