Leserbriefe

Meinungen unserer Leserinnen und Leser zu aktuellen Themen

Artikel «Für Städter wurden Zufluchtsorte bei Hitze geschaffen», Ausgabe vom 16. August

Da war ich doch mehr als erstaunt, in der Ausgabe vom 18. August zu lesen, dass in Zug lediglich zwei kühle Rückzugsorte für die unter der herrschenden Hitze Leidenden, die zu Hause wohnen, angeboten werden, und Hitzetelefone und/oder Kontrollanrufe oder Ähnliches von den Behörden als nicht nötig erachtet werden. Eigenverantwortung gut und recht, aber hat jeder Betroffene Angehörige oder Nachbarn, die Unterstützung bieten können? Ich denke nicht. Können gefährdete Menschen, vor allem ältere oder hilfsbedürftige, wirklich abschätzen und sind sie in der Lage, ja getrauen sie sich, von sich aus rechtzeitig um Hilfe zu bitten? Dass Zug so unsozial denkt, beschämt mich sehr, zumal es ja an den finanziellen Mitteln nicht fehlen wird und Zug sonst ja nicht so «kleinlich» handelt. Vielleicht wäre ja an zuständiger Stelle mal zu überlegen, ob Vorbeugen nicht doch der menschlichere Weg wäre, als dann einen Beitrag an die allenfalls entstehenden Spitalkosten wegen gesundheitlichen Problemen aufgrund der Hitze zu leisten. Wäre wohl vor allem für Gefährdete beruhigend, wenn sie sich umsorgt fühlten. Und ich spreche hier ja vor allem von älteren Menschen, die zum Wohlstand beigetragen haben.

Cécile Fischer, Hünenberg

Zur hohen Gymnasialquote im Kanton Zug

Das neue Schuljahr hat begonnen. Viele Kinder dürfen stolz darauf sein, dass sie den Übertritt an die Kantonsschule geschafft haben. Gleichzeitig werden wieder Stimmen laut, die hohe Zuger Gymnasialquote müsse gesenkt werden, auch mit dem Ziel, das Handwerk und die Berufsbildung stärker in den Fokus zu rücken. Dass wir das Handwerk stärken müssen, steht für mich ausser Frage. Es ist ein Fundament unserer Wirtschaft. Gerade im Zeitalter der künstlichen Intelligenz dürften praktische Berufe wieder an Bedeutung gewinnen. Doch weshalb müssen wir dafür weniger Kinder ans Gymnasium schicken? Vielleicht denken wir zu stark in alten Bildungswegen. Kanti bedeutet Universität, Berufslehre bedeutet Handwerk. Aber weshalb eigentlich? Ein Schreiner mit gymnasialem Hintergrund kann später genauso Möbel bauen, vielleicht aber zusätzlich einen Betrieb führen oder sein Unternehmen weiterentwickeln. Eine gute Allgemeinbildung ist auch im Handwerk kein Nachteil. Mein Sohn ist dieses Jahr an die Kanti gekommen. In den Ferien sass er aus Spass auf einem Spielplatz auf einem kleinen Bagger und verschob begeistert Sand. Irgendwann fragte er mich: «Wenn ich später Baggerfahrer werden möchte, macht es dann überhaupt Sinn, dass ich an die Kanti gehe?» Meine Antwort war einfach: «Mach, was dich glücklich macht. Ohne Kanti kannst du Baggerfahrer werden. Mit Kanti kannst du genauso Baggerfahrer werden. Aber dann gehört dir der Bagger.» Das war mit einem Augenzwinkern gemeint. Doch der Gedanke dahinter ist ernst. Vielleicht müsste sich deshalb auch die Kantonsschule stärker dem Zeitgeist öffnen. Unternehmertum, wirtschaftliches Verständnis, Technik, praktische Projektarbeit und der Kontakt zur Berufswelt könnten einen höheren Stellenwert erhalten. Nicht jeder Gymnasiast muss später Akademiker werden. Von einer zusätzlichen Übertrittsprüfung halte ich wenig. Sie ist eine Momentaufnahme und schafft einen Markt für private Vorbereitungskurse. Wer sich diese leisten kann, verschafft seinem Kind einen Vorteil. Wir sollten Kinder nicht von der Kanti fernhalten, um das Handwerk zu retten. Wir sollten dafür sorgen, dass auch Kanti-Absolventinnen und -Absolventen das Handwerk als attraktive Zukunft sehen. Vielleicht entstehen daraus einige der besten Handwerker und Unternehmer von morgen.

Tao Gutekunst, Präsident FDP Cham und Kantonsratskandidat

Die aktuellen Zahlen aus dem Kanton Zug sind alarmierend: Weniger als die Hälfte der Schulabgängerinnen und Schulabgänger entscheidet sich für eine Berufslehre. Der Anteil ist von 51 auf 47,2 Prozent gesunken. Diese Entwicklung muss uns zu denken geben. Eine Berufslehre ist keineswegs eine Ausbildung zweiter Klasse. Im Gegenteil: Unsere Gewerbebetriebe, das Handwerk und viele Unternehmen sind dringend auf qualifizierte Nachwuchskräfte angewiesen. Ohne Lernende von heute fehlen morgen die Fachkräfte, die unsere Wirtschaft tragen. Es braucht ein Umdenken bei Eltern, Schulen und in der Gesellschaft: Nicht jeder Jugendliche muss zwingend das Gymnasium besuchen. Eine Berufslehre bietet hervorragende Zukunftsperspektiven, exzellente Weiterbildungsmöglichkeiten und über die Berufsmaturität den direkten Weg an die Fachhochschule. Gerade im wirtschaftsstarken Kanton Zug müssen wir dafür sorgen, dass die duale Berufsbildung wieder den Stellenwert erhält, den sie verdient. Das Gewerbe braucht motivierte Jugendliche – und die Jugend braucht die Chance, ihre Talente auch auf dem praktischen Weg voll zu entfalten.

Kari Nussbaumer, Präsident Gewerbeverein Neuheim-Menzingen und Kantonsrat SVP

Zur Analyse «Folgen der deutschen Aufrüstung für die Schweiz», Ausgabe vom 11. August

Einmal mehr wird das deutsche Gelaber von einer «Zeitenwende» bemüht. Wollen wir tatsächlich unter den Schutzschirm Europas unter deutscher Führung kriechen? Mit unserer Aufrüstungsbereitschaft als Eintrittsbillett? Die USA haben ihre Schuldigkeit mit der Beseitigung des Nazi-Imperiums getan und seither die halbe Welt mit sinn- und erfolglosen Kriegen überzogen. Sie sorgen sich heute allerdings mehr um ihre Stellung im globalen Wettbewerb, der seither ein wirtschaftlicher ist und bei dem es, allerdings als Nebenschauplatz, auch um die Rüstungsindustrie geht. Diese «Zeitenwende» begann bereits im letzten Weltkrieg, als die Schweiz als «Hitlers Bank» fungierte und mit Waffenexporten zugleich beide Kriegsparteien belieferte. Wie der deutsche Feind die Lieferkette vor den Alliierten schützte und das bewaffnete Laientheater Helvetiens amüsiert auf Trab hielt und duldete, so bewirtschaften wir heute mit den ebenso geduldeten und steuermässig geschätzten Rohstofffirmen Putins Kriege. Wird dieser den sicheren, weil für uns lukrativen Hort seiner einträglichen Flüssiggasexporte, den Sitz von Novatek, Gazprom und Nord Stream 2, all diese halbherzig sanktionierten Handelsmotoren in Zug und Genf, in Schutt und Asche legen wollen? Nein, denn seine perverse Menschenopfer-Strategie ist nur darauf aus, die Machtfantasien um eine untergegangene Sowjetherrschaft am Leben zu erhalten, wie unlängst die Kriegslokomotive des 1000-jährigen Reiches völkermordend von der deutschen Weltherrschaft träumte und sein «Volk» dem Bombardement durch eine im Prinzip friedliche, also wettbewerbsorientierte Wirtschaftsmitwelt aussetzte. Das wird ihm kaum gelingen, er wird wie der GröFaz im Bunker oder am Fleischerhaken wie Mussolini enden. Wollen wir steinzeitmässig und waffenstarrend auf die physische Vernichtung von diktatorisch irregeführten, also «fremdgenössigen» Zeitgenoss:innen hinfiebern? Wollen wir unsere Forschung und Produktionskraft einer sinnlosen Humanvernichtung opfern? Wäre es nicht an der Zeit, friedenspolitische Kreativität ernsthaft zu favorisieren? Ginge es nicht um eine andere Sicherheit als die mit Knarre, Drohne und Hellebarde? Nicht nur die ukrainische Jugend hat langsam genug vom (männlichen) Heldentum. Dies schreibt ein überzeugter Pazifist und Konzern- verantwortungs-Mitstreiter.

Adrian Hürlimann, Zug

Zur Neutralitätsinitiative

Krieg ist grauenhaft und die grösste menschliche Tragödie mit furchtbaren Schicksalen. Die Schweiz wurde im ersten und zweiten Weltkrieg verschont, weil sie glaubwürdig neutral war. Alle NATO-Mitglieder sind heute bereits im Krieg – auch die Schweiz ist Kriegspartei. Bevölkerung/Politik versteht es noch nicht, weil der Krieg noch nicht zu ihnen gekommen ist und Ukrainer für sie sterben. Jede Kriegspartei wird eines Tages von der Realität eingeholt. Wer es noch immer nicht begriffen hat: Die Nato ist im Krieg mit Russland, einer Nuklearmacht mit einer der stärksten Armeen der Welt, die kriegserprobt und in der Raketentechnologie führend ist. Es ist kein Geheimnis, dass die Offiziere der Schweizer Armee in die Nato wollen, und Bundesrat Pfister zieht es auch dorthin. Sie wissen, dass unsere Armee als Folge eines entgleisten Zeitgeistes der Politik/Bevölkerung zu einer «Schoggi-Armee» abgehalftert wurde. Gemäss dem früheren Armeechef kann sie einem Angriff maximal eine Woche widerstehen. Unter Führung unseres völlig überforderten Aussenministers hat die Schweiz ohne Not die Neutralität aufgegeben. Der Bundesrat behauptet zwar das Gegenteil, aber die Grossmächte USA und Russland haben das Ende der Neutralität der Schweiz öffentlich ausgerufen. Was die Schweiz denkt, ist irrelevant, ihr Handeln zählt und wie die Grossmächte darüber denken. Mitte/Links hat den Begriff der «flexiblen» Neutralität erfunden. Man kann nicht flexibel neutral, flexibel treu oder flexibel schwanger sein. Entweder man ist es oder eben nicht. Die Spitzfindigkeiten mögen im Bundeshaus eifrig debattiert werden, aber darüber lachen die Grossmächte. Neutralität ist für einen Kleinstaat wie die Schweiz das wichtigste Sicherheitsinstrument, neben einem hohen Eintrittspreis durch eine glaubwürdige militärische Abschreckung. Wenn wir einen Bundesrat haben, der die Zeichen der Zeit nicht mehr erkennen kann und fahrlässig die Neutralität über Bord wirft, dann müssen wir das im Gesetz eindeutig festschreiben. Falls wir das nicht tun, riskieren wir eines Tages eine Tragödie für unser Land und unsere Bewohner. Deshalb ist ein Ja zur Neutralitätsinitiative entscheidend für unsere Sicherheit.

Felix Zulauf, Zug

Kommentare (0)