An freien Tagen bin ich oft gestresst darüber, dass ich zu wenig relaxen kann. Sogenanntes Stresslaxing. Im Hamsterrad der Arbeitswelt sind wir Menschen weit von der Natur entrückt. Die begibt sich im Herbst in den Ruhezustand. Zum Zyklischen haben Menstruierende oft einen näheren Zugang, erleben sie doch monatlich teilweise drastische Hormon- und Energieschwankungen. Aber das passt nicht in unsere lineare, postmoderne Gesellschaft, die von Kapital getrieben ist.
Selbst Jesus braucht mal Ferien (Mt 15,21-28). Am Mittelmeerstrand drängt ihn eine namenlose Frau, ihre Tochter zu heilen. Ich stelle mir vor, wie er, ein kühles Getränk schlürfend, unter einer Dattelpalme auf der faulen Haut liegt. Zum Glück kann Jesus auch von ferne heilen, so ist die unfreundliche Unterbrechung von kurzer Dauer. Ganz nebenbei bewirkt die Begegnung mit der trotzigen Frau einen Wandel bei Jesus: Betont er zuvor, dass er nur für jüdische Menschen zuständig sei, wird das Heil nun inklusiv.
Vielleicht hat Jesus genau diese Pause gebraucht, um einen Perpektivenwechsel vornehmen zu können. Runterfahren, dem Nervensystem frei geben und einfach mal brach liegen. Das gibt Raum für Veränderung.
Katrin Frey,
Pfarrerin ref. Kirche Zug, Bezirk Ägeri
Katrin.Frey@ref-zug.ch
Kommentare
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien, die Kommentare werden von uns moderiert.
Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare geschrieben.