Ruedi Wechsler
Rektor Matthias Nüssli begrüsste am Freitagabend im neu renovierten Barocksaal des Klosters Engelberg die Maturi und Maturae zusammen mit ihren Eltern, Freunden und Gästen. «Nun heisst es zurücklehnen und zurückblicken. Viele Einschränkungen, die lästig geworden sind, fallen nun weg», meinte der Rektor. Wo Menschen aufeinandertreffen, entstünden Spannungen, und solche würden auch im folgenden Rückblick von Klassenlehrerin Maja Lenz thematisiert, fuhr er fort.
Als Maja Lenz vor vier Jahren vor der damaligen 1. OG-Klasse stand, hätten sie 21 junge Menschen erwartungsvoll angeblickt. Sympathische, offene Gesichter. «Dass ihr eine nette und völlig problemlose Klasse seid, hatte man mir gesagt. Gleich zu Beginn habt ihr mir erklärt, dass es keiner meiner beiden Vorgänger länger als ein Jahr mit euch ausgehalten habe – was natürlich nicht an euch lag», erzählte Maja Lenz. «Dass euch die Frage des Klassenlehrers nicht ganz unwichtig war, habt ihr mir am letzten Schultag bewiesen, in einer Situation, mit der ich nun wirklich nicht gerechnet hatte. Ihr habt ins Blaue hinein applaudiert. Als ich nach dem Grund des Applauses fragte, kam die Antwort: ‹Sie sind die erste, die in die zweite Runde mit uns geht›. Das hat mich dann dazu bewogen, euch bis zum Schluss zu behalten und nicht turnusmässig nach zwei Jahren abzugeben», ergänzte die Klassenlehrerin.
Trotzanfällen widerstanden und Tränen getrocknet
«Dann folgte aber die 3. OG. Eine gereizte Stimmung, bleiche Gesichter und nicht nur konstruktive Kommunikation schlichen sich in den Unterrichtsalltag ein. Der Notenspiegel fiel teilweise ins Dunkelrote, Trotzanfällen musste widerstanden und Tränen getrocknet werden», erzählte Maja Lenz. Highlights im letzten Schuljahr seien die Studienreisen in die Romandie und nach Paris gewesen.
Für Regierungsrat Christian Schäli ist die Maturafeier ein Freudentag. Er brachte eine Fichte mit nach Engelberg und verglich den Baum mit der Maturaklasse. Sie sei in den sechs Jahren nicht nur biologisch in die Höhe gewachsen, sondern auch bildungstechnisch. «Eine Pflanze wächst nicht nur in eine Richtung. Umso höher, desto tiefer wachsen die Wurzeln. Die Stiftsschule Engelberg bietet allerbeste Voraussetzungen für eine optimale Wurzelbildung. Die Eltern sind der Topf mit der Erde und ein solides Fundament für die Schüler», führte der Bildungsdirektor aus. Und dachte auch an den Dünger: Unsere Vorfahren seien mit ihren Pionierleistungen für den heutigen, guten Nährboden verantwortlich. Er dankte allen Lehrpersonen – sie seien das Licht, das jede Pflanze brauche – und den Eltern.
Sie haben das Ticket an eine Top-Hochschule in den Händen
70 Prozent der Schweizer Universitäten zählten zu den Top 200 der Welt, sagte der Bildungsdirektor. Die Maturi und Maturae hätten nun das Ticket für eine davon in den Händen. Zusammen mit Dr. Alois Amstutz, dem Präsidenten der Maturitätsprüfungskommission, überreichte er den 14 Absolventen unter grossem Applaus die Zeugnisse. Jahrgangsbester war Felix Lichtner mit der Note 5.64, dicht gefolgt von Luisa Waser (5.57) und Sophia Krethlow (5.54).
Sophia Krethlow aus Luzern und Magdalena Burri aus Engelberg blickten nochmals zurück auf die Zeit in der Stiftsschule. Pro Tag waren sechs bis acht Stunden lernen, denken und handeln angesagt. Kameradschaft, Freundschaft, Durchhaltewillen und Solidarität lernte man in dieser Zeit. Magdalena Burri sprach von physischem Schmerz auf der Pilgerreise (als die Füsse brannten) und vom psychischem Schmerz geprägt durch Prüfungsstress. Absolut rührend und emotional war die Übergabe des Präsents an ihre Klassenlehrerin Maja Lenz.

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