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Kollegium Stans

Von Mythen und Tod bis zu Transzendenz

Einmal mehr darf die Maturaklasse des Kollegiums Stans mit dem Schwerpunktfach Bildnerisches Gestalten im Winkelriedhaus Abschlussarbeiten zeigen. Dieses Jahr heisst das Thema «Reflexionen – Selbst und Welt».
Die Vernissage der Klasse Bildnerisches Gestalten des Kollegium Stans war wie gewohnt gut besucht.
Bild: Rafael Schneuwly (Stans, 2. 4. 2026)

2023 stellte Jana Bruggmann, die damalige Kuratorin für Kunst im Nidwaldner Museum, im Winkelriedhaus die Dauerausstellung «Selbst und Welt – Werke aus der Sammlung» vor. Nun werden am gleichen Ort während drei Wochen Werke von sechs Lernenden aus der Maturaklasse des Kollegiums Stans mit dem Schwerpunktfach Bildnerisches Gestalten gezeigt. Unter dem Titel «Reflexionen – Selbst und Welt» reagieren sie auf die Dauerausstellung. Der verantwortliche Lehrer Pascal Kappeler ordnet ein: «Ich hatte schon seit einigen Jahren die Idee der Intervention in die bestehende Sammlung durch Jugendliche. Da wir dieses Jahr eine kleine Gruppe sind, konnten wir die Idee umsetzen, da sie die Dauerausstellung nicht konkurrenziert, sondern punktuell ergänzt und reflektiert.»

Die Lernenden des Schwerpunktfachs Bildnerisches Gestalten des Kollegium Stans und ihre Lehrperson (von links): Sontje Stojan, Sheryl Christen, Sandra Gisler, Pascal Kappeler (hintere Reihe), Josephine Herdener, Lenn Tscholitsch, Marc Gathercole (vordere Reihe).
Bild: Rafael Schneuwly (Stans, 2. 4. 2026)

Drei Arbeiten zu «Mythen» und «Körper»

Oben im Museum hat Josephine Herdener die Fotografie «Defilée eines Regiments. Dorfplatz Stans» von Leonard von Matt (1944) ausgewählt und sich vom Bild zu einer Plastik mit dem Titel «Blumen der Neuen Welt» inspirieren lassen, die aus einem Militärhelm besteht, aus dem sieben gelbe Narzissen aus Draht herauswachsen. Sie symbolisieren die Hoffnung, dass nach Kriegen – nach Meinung der Maturandin gilt das auch für die aktuelle Lage – eine neue Weltordnung entstehen werde.

Josephine Herdener liess sich von der Fotografie «Defilée eines Regiments, Dorfplatz Stans» von Leonhard von Matt, 1941 (rechts an der Wand), zu ihrer Arbeit «Blumen der neuen Welt» inspirieren.
Bild: Rafael Schneuwly (Stans, 2. 4. 2026)

Im 2. Obergeschoss zeigt Lenn Tscholitsch den Film «In der Hand». Vor dem Bildschirm liegt eine Gipshand aus dem 19. Jahrhundert, die Melchior Paul von Deschwanden zugeschrieben wird und die einen Stock hält. Dieser ist das Symbol für Kapitalismus und Materialismus. Sobald die Hand die Wirkung des Geldes begreift, krallt sie sich – wenn nötig mit Gewalt – einen Luxusgegenstand nach dem anderen, wobei der Stock immer schwerer wird, bis er aus der Hand fällt. Nun ist diese frei für den freundschaftlichen Kontakt mit einer anderen Hand.

Umgeben von Körperteilen zeigt Lenn Tscholitsch einen Film mit dem Titel «In der Hand», der durch seine Thematik und seine professionelle Verarbeitung überzeugt. Links auf dem Podest befindet sich das Melchior Paul von Deschwanden zugeschriebene «Modell Hand mit Stock» (19. Jahrhundert).
Bild: Rafael Schneuwly (Stans, 2. 4. 2026)

Im Raum daneben hängt das Öl-Gemälde von Kurt Felix Appenzeller «Nu au miroir» von 1933. Sontje Stojan rahmt das Bild auf beiden Seiten mit je vier Fotografien ein, die – analog zum Gemälde – eine Frau darstellen, die sich im Spiegel anschaut. Sie nennt ihr Werk «Haut unter Regeln». Damit meint die Maturandin, dass jede Kultur und jede Epoche durch Regeln bestimme, wie viel weibliche Haut gezeigt werden dürfe. Auf der linken Seite findet in vier Schritten ein Verhüllungsprozess statt, der einen Bezug zum Kleiderzwang bei Musliminnen hat. Auf der rechten Seite zeigt der Körper mehr Haut, doch bleibt die Nacktheit stets diskret.

In der inspirierenden Umgebung des Raums «Körper» zeigt Sontje Stojan acht Fotografien, die unter dem Titel «Haut unter Regeln» die Aktmalerei «Nu au miroir» von Karl Felix Appenzeller (1933) einrahmen.
Bild: Rafael Schneuwly (Stans, 2. 4. 2026)

Arbeiten zu «Natur» und «Tod und Transzendenz»

Sheryl Christen benutzte das Aquarell «Landschaft mit Baukran» von Liselotte Moser aus dem Jahr 1967 im 1. Obergeschoss als Inspirationsquelle für ihre Installation «Was, wenn sie fällt?», die sowohl ein hölzerner Kran als auch eine Waage sein kann. Für die Waage spricht, dass an den Armen zwei von der Maturandin gemalte Bilder befestigt sind. Das linke zeigt eine idyllische Werbung für das winterliche Engelberg, das rechte, das tiefer hängt, präsentiert eine Berglandschaft, die durch eine unkontrollierte Bautätigkeit zerstört wird.

Sheryl Christen liess sich vom Aquarell auf Papier «Landschaft mit Baukran (1967)» von Liselotte Moser (linke Seite, oben rechts) zu einer Installation inspirieren, die unter dem Titel «Was, wenn sie fällt?» eine Waage mit zwei ganz unterschiedlichen Berglandschaften trägt.
Bild: Rafael Schneuwly (Stans, 2. 4. 2026)

Erst auf den zweiten Blick bringt man die Fotoanimation «Wer übernimmt die Verantwortung?» von Sandra Gisler mit dem daneben hängenden Gemälde «Trunkener Silen mit Faun und Bacchantin» von Anthonis van Dyck (um 1620) in Verbindung. Dabei passt das bewegte, futuristisch gestaltete Stillleben mit Flaschen, Gläsern und Trauben perfekt zum übermässigen Alkoholkonsum, den die Maturandin stellvertretend für unsere Ressourcenverschwendung anprangert

Sandra Gisler sitzt zwischen der von ihr geschaffenen Fotoanimation als Reaktion auf «Trunkener Silen mit Faun und Bacchantin» von Antonis van Dyck (Bild rechts an der Wand).
Bild: Rafael Schneuwly (Stans, 2. 4. 2026)

Im Raum «Tod und Transzendenz» befindet sich die Installation «Ewige Monotonie» von Marc Gathercole, der sich vom Video «Entweder bin ich abwesend» von Judith Albert (2022) und von der Totenmaske von Melchior Paul von Deschwanden (1881) leiten liess. Der Sechstklässler pendelt thematisch zwischen dem Tod – vertreten durch das von ihm nachgebaute, von einem Motor bewegte Zoetrop mit 18 Kohlezeichnungen und einer Totenmaske – und der Transzendenz, dem Zwischenraum zwischen Leben und Tod, zwischen Präsenz und Abwesenheit, zwischen Individualität und Monotonie.

Marc Gathercole steht neben dem von ihm hergestellten Zoetrop, dem Kernstück seiner Arbeit «Ewige Monotonie».
Bild: Rafael Schneuwly (Stans, 2. 4. 2026)

Gastausstellung Kollegium St. Fidelis: «Reflexionen - Selbst und Welt». Abschlussarbeiten des Schwerpunktfachs Bildnerisches Gestalten am Kollegi Stans. Bis zum 26.4.2026. Offen zu den üblichen Öffnungszeiten.

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