Am Abend nach ihrem ersten Kurstag setzte sich eine Teilnehmerin in Isiolo hin und gestaltete mit Künstlicher Intelligenz (KI) Werbeplakate für die Geschäfte ihrer Freundinnen. Noch am selben Abend bot sie diese über Whatsapp an. «Aus vier Stunden Workshop hat sie innert eines Tages eine Dienstleistung entwickelt, die sie verkaufen kann», sagt Marion Schleifer. Die in Stans aufgewachsene Mitgründerin des gemeinnützigen Vereins Code Blossom war im September in Kenia, um Frauen zu zeigen, wie sie mithilfe von IT-Kenntnissen und KI ihre Kleinbetriebe weiterentwickeln können.
Zusammen mit ihrem Team und dem kenianischen Partner Smart Regional Consultants (SRC) führte Marion Schleifer in den Regionen Isiolo und Marsabit je zwei vierstündige Workshops durch. Teilgenommen haben Frauen, die bereits ein kleines Geschäft führen: Geflügelzüchterinnen, Ziegenhalterinnen, Coiffeusen und Betreiberinnen von Lebensmittelständen. Sie arbeiteten von Anfang an selbst mit der KI: In Isiolo gestaltete jede ein Plakat für ihr eigenes Geschäft, in Marsabit traten die Frauen in einem Wettbewerb um die besten Anweisungen an die KI gegeneinander an.
Vom Workshop zum Programm
Insgesamt nahmen 176 Frauen teil. In Isiolo sprach sich der Kurs über Nacht herum: Am zweiten Tag erschienen 61 statt der angemeldeten 35 Teilnehmerinnen. In Marsabit musste die Zahl am zweiten Tag begrenzt werden, weil das Budget für die Verpflegung aufgebraucht war. «Die Grenze war unser Budget, nicht das Interesse der Frauen», sagt Marion Schleifer.
Die Workshops waren ein Testlauf für «Blossom in Business», das neue Programm von Code Blossom. Es dauert drei Monate, findet berufsbegleitend statt und richtet sich an je 32 Frauen pro Durchgang. Jede Teilnehmerin erhält eine etablierte kenianische Unternehmerin als Mentorin. In sechs Modulen lernen die Frauen, ihr Geschäft offiziell zu registrieren, Einnahmen und Ausgaben sauber zu erfassen, mit digitalen Werkzeugen und KI zu arbeiten, Kundinnen über soziale Medien zu erreichen und ein Finanzierungsgesuch zu stellen. «Am Ende soll nicht nur ein Zertifikat stehen, sondern ein Geschäft, das wachsen kann und für eine Bank kreditwürdig ist», sagt Marion Schleifer.
Umgesetzt wird das Programm mit Code Blossom Kenya, der lokalen Schwesterorganisation. Mit SRC laufen Gespräche über eine weiterführende Zusammenarbeit, denn Partner und Teilnehmerinnen wünschen sich eine Fortsetzung.
Für den Start des Programms sammelt der Verein 22'500 Franken, rund die Hälfte ist bereits beisammen (Plattform: GoFundMe, Link: www.gofund.me/58675b618). Die Gründerinnen arbeiten ehrenamtlich, bezahlt werden ausschliesslich Fachleute in Kenia. (zvg)


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