Das Konzept eines «Boulevards auf dem Gleis» hat schon etwas Staub angesetzt. Acht Jahre ist es her, seit ein Grünen-Vorstoss mit diesem Namen vom Stadtparlament überwiesen worden ist. Die Idee an sich ist noch viel älter und wurde bereits 2001 von der SP eingebracht. Einer der Postulanten war damals übrigens der heutige Stadtpräsident Beat Züsli. Nun, fast ein Vierteljahrhundert später, könnte es tatsächlich vorwärtsgehen. Der Stadtrat hat eine Machbarkeitsstudie für eine Überdeckung der Gleise zwischen der Neustadt- und der Taubenhausstrasse erstellen lassen, wie er am Freitag bekannt gab. Dies im Rahmen eines Controllingberichts zur Umsetzung der Stadtraumstrategie von 2019.
Die Machbarkeitsstudie kommt zum Schluss, dass eine Überdeckung «technisch grundsätzlich realisierbar ist», wie es darin heisst. Dies, «ohne den laufenden Bahnbetrieb wesentlich zu beeinträchtigen». Denkbar wäre etwa eine Abdeckung aus vorgefertigten Betonelementen, die auch nur für Teilbereiche oder in Etappen erstellt werden könnte. Gerechnet wird mit Kosten von grob geschätzt 30 Millionen Franken.
Umsetzung nicht vor 2030
Mit der Gleisabdeckung könnten neue Grünflächen entstehen. Das heute mit Freiflächen unterversorgte Neustadt-Gebiet würde deutlich aufgewertet und die Lärmbelastung gesenkt, wie der Stadtrat im Bericht schreibt. Als nächste Schritte sind nun Absprachen mit der Grundeigentümerin SBB und eine Studie geplant, welche die mögliche Gestaltung der Überdachung und denkmalpflegerische Fragen thematisiert. Danach folgt die Beurteilung des Kosten-Nutzen-Verhältnisses.
«Eine Überdachung bietet spannende Möglichkeiten, ist aber nicht ganz günstig», sagte Baudirektorin Korintha Bärtsch (Grüne) am Freitag vor den Medien. Die Stadt steht erst am Anfang der Planungen, eine allfällige Umsetzung sei nicht vor 2030 denkbar. Erste Erkenntnisse aus der Machbarkeitsstudie gibt es aber bereits. So wäre eine Kompletteinhausung massiv teurer und komplexer zur realisieren, etwa wegen Brandschutzvorgaben. Stattdessen soll es seitliche Flucht- beziehungsweise Zugangstreppen zu den Gleisen geben.
Private Grünflächen sollen öffentlich werden
Der Controllingbericht enthält weitere Aufwertungsprojekte, die der Stadtrat mittelfristig umsetzen will. Das Ziel ist, mehr Freiraum zu schaffen, denn besonders in der Innenstadt gebe es zu wenig davon. «Der öffentliche Raum ist das Herzstück einer Stadt», sagte Bärtsch. Dieser diene zur Erholung, dem sozialen Austausch und schaffe Lebensqualität. Ausserdem bleibt es auf Grünflächen bei Hitze viel kühler als in einer Asphalt-Beton-Umgebung. Im Bericht sind unter anderem folgende Massnahmen aufgeführt:
Öffnung der Grünflächen im Gebiet Pauluskirche-Rhynauerhof . Die Umsetzung beginnt voraussichtlich bereits in den nächsten Wochen, wie Projektleiter Lukas Arni ausführte. Es handelt sich dabei um ein Pilotprojekt in Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche und dem Verein Frauen im Zentrum.
Öffnung weiterer Privatareale von Firmen und Institutionen, die heute «unternutzt» sind, wie es im Bericht heisst. Im Gegenzug sei denkbar, dass die Stadt den Unterhalt und die Pflege dieser Areale übernimmt. Sie will nun nach geeigneten Flächen suchen und Kontakt mit der jeweiligen Grundeigentümerschaft aufnehmen. Ein interessanter Partner könnte erneut die katholische Kirchgemeinde sein, so Arni.
Unterstützung von Privaten bei der Begrünung von Innenhöfen (Umsetzung ab 2026). Dafür soll ein externes Begleitmandat eingesetzt werden.
Anschaffung mobiler Wasserelemente , die im Sommer auf verschiedenen Plätzen installiert werden können (Umsetzung ab 2027).
Aufwertung der Innenhöfe des Stadthauses durch Entsiegelung und Aufhebung von Parkplätzen (Umsetzung ab 2027).
Aufwertung des Pärklis an der Klosterstrasse im Bruchquartier (Umsetzung ab 2028).
Aufwertung des Uferbereichs bei der Lidowiese (Umsetzung ab 2029). Dadurch soll diese attraktiver und zugleich die angrenzende, ökologisch wertvolle Trottlibucht entlastet werden.
Aufwertung von Quartierplätzen im Wesemlin, beim Zentrum Fanghöfli und Hubelmatt-Coop (Umsetzung ab 2029).
Im Fokus stehen für den Stadtrat bei der Aufwertung angesichts der Klimaerwärmung unter anderem die Schaffung von «Wasserelementen», die Entsiegelung von Böden, die Förderung der Biodiversität oder die Pflanzung neuer Bäume. Im Bericht zeigt er auch auf, welche Projekte die Stadt seit 2019 bereits umgesetzt oder aufgegleist hat: unter anderem die Aufwertung des Geissmattparks und des Waldstättergärtlis oder die neuen Spielplätze Fluhmühlepark und Reusspark neben dem Dammgärtli. Rund 30 Projekte seien es insgesamt, sagte Bärtsch.
Zeitgleich wachse aber wegen der zunehmenden Verdichtung der Nutzungsdruck auf die Freiräume. Weil die öffentlichen Flächen begrenzt sind, ist die Stadt daher nun bestrebt, vermehrt mit Privaten zusammenzuarbeiten, damit diese mehr Räume der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen.

Kommentare
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien, die Kommentare werden von uns moderiert.
Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare geschrieben.