Tele 1 machts möglich

Fasnacht im Wohnzimmmer – doch wer bezahlt dafür?

Nicht alle können an der Luzerner Fasnacht mitfeiern. Tele 1 bringt sie in die Wohnzimmer. Doch die Übertragungen kosten mehr, als sie einbringen.

Wer nicht mehr mobil ist, bei schlechtem Wetter zu Hause bleibt oder am sechsten Fasnachtstag zu müde ist für den Monstercorso, kann dank Tele 1 trotzdem mitfeiern: 230'000 Menschen haben in diesem Jahr den Umzug am Bildschirm mitverfolgt. «Die Live-Übertragungen sind nicht mehr wegzudenken aus der Region», sagt Matthias Oetterli, Chefredaktor von Tele 1.

Doch via Fernseher Fasnachtsstimmung zu verbreiten, ist technisch aufwendig. Die Live-Übertragungen kosten den Regionalsender jährlich rund 100'000 Franken. Allein das «Monster» schlägt mit 45'000 Franken zu Buche. Für Übertragungswagen, Personal, Drohnen, Gerüste, Stromanschlüsse und Sicherheitsdienste. Tele 1 fragt deshalb aktuell Firmen und Privatpersonen um finanzielle Unterstützung für die Fasnachtssendungen. Das schreibt das schreibt Tele 1 – Partnersender des Medienunternehmens CH Media, zu dem auch die Luzerner Zeitung gehört – auf seiner Website. Wer mithilft, taucht im Abspann der Sendungen auf.

Stellt sich die Frage: Warum tut das ein Sender, der doch schon Konzessionsgelder erhält? «Tele 1 muss im Rahmen seines Leistungsauftrags wöchentlich 150 Minuten regional relevante Inhalte zwischen 18 und 23 Uhr produzieren», sagt Matthias Oetterli dazu. Die Konzessionsgelder dienen in erster Linie dazu, diesen journalistischen Service public mit täglichen Nachrichten und Hintergrundsendungen sicherzustellen. Aufwendige Live-Produktionen wie der Monstercorso gehören nicht zwingend dazu und sind ungleich teurer als das normale Programm. «Wirtschaftlich wäre es für Tele 1 günstiger, auf die Übertragungen zu verzichten und stattdessen das normale Programm zu produzieren», sagt er.

Dass der Fernsehsender die Umzüge trotzdem seit Jahren überträgt, begründet Oetterli mit der Rolle von Tele 1 in der Region. Gerade Menschen, die nicht mobil sind oder wegen einer Behinderung nicht im Gedränge stehen können, ermöglicht das Fernsehen, die Fasnacht trotzdem mitzuerleben. «Die Übertragung bringt die Fasnacht dorthin, wo sie sonst nicht hinkäme», sagt Oetterli. Für ihn ist deshalb klar: Die Fasnacht gehört zum Programm eines Regionalsenders.

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