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Sexismus und Queerfeindlichkeit

«Tolerieren keine Belästigungen oder Übergriffe»: Stadt lanciert Meldetool «Luzern schaut hin»

Mit dem neuen Meldetool der Stadt Luzern sollen sexistische und queerfeindliche Belästigungen und Übergriffe unkompliziert und anonym gemeldet werden können. Dabei wird mit einem Auge auch auf die Fasnacht geschaut.
Auf der Website können verschiedene Arten von Belästigung gemeldet werden.
Bild: Screenshot: www.luzernschauthin.ch

Wer in Luzern Belästigungen sexistischer oder queerfeindlicher Art erlebt oder beobachtet, kann diese ab Freitag mit dem Meldetool « Luzern schaut hin » festhalten – anonym und sicher, wie die Stadt Luzern verspricht. Sowohl Betroffene als auch Zeuginnen und Zeugen können Vorfälle melden. Dabei wird erhoben, was passiert ist, wer belästigt hat und wann und wo sich das Ereignis abgespielt hat. «Um die unterschiedlichen Betroffenheiten und Motive sichtbar zu machen, wird im Meldetool auch erfasst, worauf die Belästigung abzielte», teilt die Stadt Luzern mit.

Weiter kann der Ort des Vorfalls gemeldet werden, was insbesondere für die Arbeit der Polizei sowie der städtischen SIP (Sicherheit Intervention Prävention) wichtig sei. Das Tool informiert zudem über diverse Beratungsstellen. Die Stadt Luzern weist darauf hin, dass die Meldung eines Vorfalls nicht einer Anzeige bei der Polizei entspricht – das Tool liefert jedoch Informationen für Betroffene, wie bei einer möglichen strafbaren Handlung vorzugehen ist.

Mit der Botschaft «Luzern toleriert keine Belästigungen und Übergriffe» soll das Meldetool dazu beitragen, das Bewusstsein für diese Thematik nachhaltig zu stärken. Stadtpräsident Beat Züsli erläutert: «Mit dem Tool wollen wir Erlebtes sichtbar machen». Aktuell wisse man eigentlich relativ wenig über die Anzahl und Art der Übergriffe – vieles basiere auf Vermutungen und Annahmen. «Wir wollen diesen Graubereich beleuchten», ergänzt Christian Wandeler, Sicherheitsmanager der Stadt Luzern. Das Tool sei eine niederschwellige Meldemöglichkeit und trage so dazu bei, dass solche Anfeindungen sichtbarer werden und die Bevölkerung für das Thema sensibilisiert wird.

Nulltoleranz bei Belästigung

«Die Daten werden ausgewertet und alle drei Monate in einem Kurzbericht festgehalten», erklärt Anskar Roth, Co-Leiter der Fachstelle Gleichstellung der Stadt Luzern, das Vorgehen. Aus diesen Auswertungen sollen schliesslich Massnahmen in den Bereichen Prävention und Intervention abgeleitet werden. Es werde eine gesellschaftliche Veränderung angestrebt, damit sexistische, queerfeindliche und sexualisierte Gewalt sowie Grenzüberschreitungen im öffentlichen Raum erkannt und bekämpft würden. Auch wolle man mit dem Tool ein Statement setzen: «Wir wollen klar festhalten, dass jegliche Formen von sexistischen und queerfeindlichen Belästigungen nicht toleriert werden», stellt Beat Züsli klar.

Das Konzept basiert auf ähnlichen Meldetools von Zürich und Bern. Die Ergebnisse aus diesen Städten hätten gezeigt, dass sexistische und queerfeindliche Übergriffe häufig anzutreffen sind und dass bei Betroffenen sowie Zeuginnen und Zeugen ein offensichtliches Bedürfnis vorhanden sei, diese zu melden. «Am häufigsten wurden Belästigungen, die auf der Strasse oder im ÖV passieren, gemeldet», stellt Lena Greber, Co-Leiterin der Fachstelle Gleichstellung, fest. Die meisten Belästigungen zielten dabei auf das Geschlecht ab, gefolgt von der sexuellen Orientierung.

Zur breiten Abstützung und Verbreitung des Tools sowie der Botschaft von «Luzern schaut hin» soll nach dem Vorbild von Zürich und Bern eine «Allianz» aufgebaut werden. Diese soll aus Organisationen wie der Bar- und Clubkommission Luzern und weiteren Vereinen bestehen.

Pünktlich zur Fasnacht?

Schon letztes Jahr hatte die Juso in einem offenen Brief an den Stadtrat Massnahmen zum Schutz vor sexueller Belästigung an der Fasnacht gefordert – man habe mit dem Tool auch darauf reagiert, erklärt Christian Wandeler. Der Zeitpunkt der Lancierung kurz vor der Fasnacht ist also nicht rein zufällig, wie Beat Züsli bestätigt. «Wir betrachten es aber ganz klar nicht als ‹Fasnachtstool›», betont der Stadtpräsident. Es soll danach auch weiter eine Anlaufstelle bieten. Dennoch habe man immer wieder Hinweise erhalten, dass gerade die Fasnacht eine der Veranstaltungen sei, wo Übergriffe stattfinden können. «Von daher ist das Tool sicher auch gerade während dieser Zeit interessant.»

Wer in Luzern Belästigungen oder Übergriffe erfährt oder beobachtet, kann diese ab sofort hier melden: www.luzernschauthin.ch

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