Matthias Piazza
Matthias Piazza
Matthias Piazza
Gregor Schwander und Lukas Arnold treffen sich für das Gespräch mit unserer Zeitung Ende Juni im Sitzungszimmer des Stanser Gemeindehauses – wie schon so oft in den vergangenen sechs Jahren bei Gemeinderatssitzungen.
Damals, 2014, wurde Lukas Arnold (Grüne) in den Gemeinderat gewählt. Gregor Schwander (CVP) gehörte dem Gremium damals schon vier Jahre an. Es dürfte das letzte Mal gewesen sein, dass diese beiden zusammen am grossen Tisch im Dachgeschoss des Gemeinderates sassen. Denn für Gregor Schwander endete Ende Juni seine vierjährige Ära als Gemeindepräsident. Er übergibt das Amt am heutigen 1. Juli an Lukas Arnold, der damit auch eine Nidwaldner Premiere feiert: Mit ihm präsidiert zum ersten Mal ein Grüner eine Nidwaldner Gemeinde.
«Das Amt des Gemeindepräsidenten hat mich schon geprägt», sagt Gregor Schwander. «Auch im Berufsfeld nehme ich automatisch bei Gesprächsrunden die Vermittlerrolle ein, wenn es schwierig wird», sagt der 63-Jährige, der an der Universität Luzern als Dozent an der Theologischen Fakultät arbeitet. In seinen zwölf Jahren als Gemeinderat blieben ihm vor allem der Zusammenschluss der politischen mit der Schulgemeinde in Erinnerung. Stolz sei er auch, dass es dem Stanser Gemeinderat gelungen ist, den Kanton und die übrigen Nidwaldner Gemeinden für das zwei Millionen Franken teure Jugendkulturhaus Senkel im Eichli ins Boot zu holen, das weit über die Gemeindegrenzen hinaus ausstrahle. Als weiteres Highlight erwähnt er den kürzlich an der Urne bewilligten Neubau des Pflegewohnhauses Mettenweg.
Erfolgloser, aber mutiger Einbahnversuch
Ein eher schwierigeres Thema ist der Verkehr. Auch nach bald zwanzig Jahren Diskussionen ist die Robert-Durrer-Strasse nicht saniert. Lange Zeit wurden seine Gemeinderatskollegen und er auf den gescheiterten und nach einem Tag abgebrochenen Einbahnversuch im Dorfzentrum angesprochen. «Diesen mutigen Versuch beendeten wir so rasch, weil die Sicherheit nicht mehr gewährleistet werden konnte. Aber eine Tragödie war dies nicht, es kam ja niemand zu Schaden», blickt er zurück. Aus seiner Sicht hat sich Stans in eine gute Richtung entwickelt. Auch, dass die Bevölkerungszahl seit ein paar Jahren bei etwa 8200 Einwohnern stagniert, wertet er als nicht negativ. «Ein rapides Wachstum würde nur das Verkehrsproblem verschärfen», sagt Gregor Schwander.
Nun freue er sich, Verantwortung abgeben zu können und wieder mehr freie Abende zu geniessen. An der Uni wird er sein Pensum wieder etwas aufstocken.
Mit Lukas Arnold übernimmt ein Insider das Amt, ist er doch seit sechs Jahren im Gemeinderat und seit zwei Jahren Gemeindevizepräsident. Vom Gemeinderatsbetrieb hat der 55-jährige Detailhandel-Unternehmer einen positiven Eindruck:
«Ich übernehme einen Laden,
der rund läuft. Gregor Schwander
hat einen super Job gemacht.
Ich freue mich,
seine Arbeit weiterzuführen,
auch wenn ich Respekt davor habe,
trete ich doch in grosse Fussstapfen.»
«Im Gemeinderat sind wir farbenblind»
Dass Lukas Arnold, der in stiller Wahl zum Gemeindepräsidenten gewählt wurde, als erster Grüner eine Nidwaldner Gemeinde präsidiert, will er nicht hervorheben: «Im Gemeinderat sind wir farbenblind. Hier zählt nicht das Parteibüchlein.» Unabhängig von seiner Parteizugehörigkeit sei für ihn aber klar, dass Verkehr und Umwelt Themen seien, die den Stanser Gemeinderat auch in den kommenden Jahren stark beschäftigen werden. Haushälterisch mit Energie und Ressourcen umzugehen, sei ein Gebot der Stunde. So seien ein weiterer Heizverbund und der Bau von Fotovoltaikanlagen auf dem Schulhaus Turmatt und weiteren gemeindeeigenen Liegenschaften geplant. Gleichzeitig müsse man zu den zahlreichen und sehr gut funktionierenden Wirtschaftsbetrieben in Stans Sorge tragen.
Wie der Familienname vermuten lässt, ist Lukas Arnold ein Stanser mit Migrationshintergrund, wie er es schmunzelnd formuliert. Vor dreizehn Jahren zog es den gebürtigen Altdorfer und mittlerweile Vater von drei Kindern im Alter zwischen zwölf und siebzehn Jahren der Liebe wegen nach Stans. Einen Kulturschock habe er nicht erlebt. Die Urner und Nidwaldner Mentalitäten seien vergleichbar, und er hält fest: «Die Stanserinnen und Stanser sind herzliche, weltoffene, festfreudige und kulturaffine Geniesser, die auch ‹chrampfen› können.»



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