Leserbriefe

Leserinnen- und Lesermeinungen zum Strandbad Zug

Zur Diskussion über die neue Zuger Badi.

Das eine tun und das andere lassen – dies ist mein erster Eindruck zum Vorstoss von Alt-Stadtschreiber Martin Würmli. Der Besuch des Strandbades ist nicht so kompliziert, als dass es dazu gleich mehrere Hürden braucht. Die Parkgebühren sollten genügen, wobei man auch jene Leute zur Kasse bitten kann, die selbst als Einheimische «auf das Auto angewiesen sind». In einem stramm bürgerlichen Kanton wäre es ausserdem kein Problem, die Höhe der Gebühren je nach zu erwartendem Besucher-Ansturm «dynamisch» zu gestalten.

Einiges spricht gegen die Direkt-Eintrittsgebühr, nicht nur der administrative Leerlauf. Sie bestraft jene Besucher, die zwar von der Anreise mit Motorfahrzeug nicht lassen können, die aber immerhin zu viert oder zu fünft im gleichen Wagen sitzen. Er macht auch Kinder und Jugendliche in einem weiteren Punkt von der Elektronik abhängig. Es ist natürlich kein Problem, mit einer fremden – vielleicht sogar gestohlenen – Zug-App ins Bad zu gelangen. Will man dies verhindern, geht es nicht ohne personalisierte Eingangskontrollen, also mit jenem zusätzlichem Aufwand, den der Petionär in seinem Vorstoss ausdrücklich abstreitet. Darum ganz klar: Marktgerechte Parkgebühren: Ja! – Zusätzliche Eintrittshürden: Nein!

Jürg Röthlisberger, Cham

Die Stadt Zug ist und war noch nie ein Opfer. Sie profitiert vielmehr davon, dass aufgrund einer unsäglichen Steuerpolitik Reiche immer noch reicher werden. Und nun möchte alt Stadtschreiber Martin Würmli Auswärtige bestrafen und von ihnen Eintritt zum Strandbad verlangen. Es kann sein, dass nur Porschefahrer:innen aus den umliegenden Kantonen nach Zug fahren, die Parkplätze dort überstrapazieren und vom Gratiseintritt ins Strandbad profitieren. Das wäre verwerflich. Es kann aber auch sein, dass unter den auswärtigen Besucher:innnen Personen aus tristen Vorortsgemeinden sind, die nicht an einem schönen See wohnen und die sich nicht einmal den Eintritt in ein Freibad an ihrem Wohnort leisten können. Zug ändert sich nie. Wer hat, dem soll gegeben werden. Ums Verrecken will man seinen Reichtum mit niemandem teilen. Schade!

Karin Saturnino, Emmenbrücke

Die Stimmberechtigten haben die Erweiterung des Strandbads mit einem deutlichen Ja beschlossen. Entsprechend gross ist nun die Enttäuschung über gravierende Mängel wie die fehlende Barrierefreiheit, ungenügende Schattenplätze oder organisatorische Probleme im Gastrobetrieb. Diese Fehler hätten nicht passieren dürfen und müssen konsequent behoben werden. Die schweizweite Berichterstattung und die Hitzewelle haben das neue Strandbad innert kürzester Zeit zu einem Publikumsmagneten gemacht. Die Stadt hat reagiert – mit einem Sicherheitsdienst und zusätzlichen Parkplätzen auf dem Stierenmarktareal. Das ist richtig.

Ich unterstütze eine Überprüfung der Parkgebühren, denn damit lässt sich der Verkehr sinnvoll lenken. Eine Eintrittsgebühr für Auswärtige halte ich hingegen für den falschen Weg. Der freie Zugang zum See gehört zu Zug und soll auch künftig für alle gelten. Zudem wäre eine praktikable und faire Kontrolle kaum umsetzbar. Bevor weitere Zugangsbeschränkungen diskutiert werden, sollten zuerst die bestehenden Mängel behoben werden und die bereits eingeleiteten Massnahmen ihre Wirkung entfalten können. Erst dann lässt sich seriös beurteilen, ob weiterer Handlungsbedarf besteht. Ich bin überzeugt, dass sich die Situation nach der Behebung der Kinderkrankheiten und dem Abklingen des ersten Hypes wieder normalisieren wird.

Daniel Ritter, GLP-GGR-Kandidat Stadt Zug

Im Bericht «Strandbad ist Opfer des eigenen Erfolgs» wird die Petition der Mitte thematisiert, die Eintrittsgebühren für auswärtige Gäste im Strandbad Zug fordert, während sich Einheimische über die eZug-App kostenlos Zutritt verschaffen sollen. Das ist eine hervorragende Idee! Sie ist sogar so gut, dass ich sie im Namen der FDP-Fraktion bereits im Mai 2024 exakt so in einem Postulat gefordert hatte. Wie dem Artikel korrekt zu entnehmen ist, wurde unser Postulat in der GGR-Sitzung im Juni 2024 jedoch abgelehnt.

Was noch zu erwähnen ist: Der Nichtüberweisungsantrag kam damals nur deshalb so knapp (mit 19:17 Stimmen) durch, weil ausgerechnet die Mehrheit der Mitte-Fraktion gemeinsam mit der Ratslinken gegen unsere Idee stimmte. Der heutige Verfasser der Petition, Martin Würmli, sass bei besagter Sitzung als Stadtschreiber selbst im Saal. Dass die Mitte rund zwei Jahre später unseren Vorstoss fast 1:1 kopiert zeugt zwar von einem guten Gedächtnis, aber von wenig politischer Eigenleistung. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt und vermutet, dass sich die Mitte – jetzt, wo es geradewegs auf die Wahlen zugeht – plötzlich wieder auf bürgerliche Ideen besinnt, um beim Wähler noch schnell ein paar Punkte zu sammeln. Grundsätzlich freut es mich sehr, dass sich andere Parteien an den sehr guten FDP-Ideen orientiert. Für die Zukunft wäre es allerdings schön und effizienter, wenn die Mitte die Qualität unserer Vorstösse von Anfang an würdigen würde. Das erspart uns allen viel Zeit – und der Mitte die Peinlichkeit, sich zwei Jahre später mit fremden Federn schmücken zu müssen.

André Bliggenstorfer, Gemeinderat FDP

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