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Uri

Leiter des Urner Nationalstrassenamts: «Öffnung der Pässe ist immer intensiv»

Daniel Kümpel leitet seit eineinhalb Jahren das Amt für Betrieb Nationalstrassen. Auch Naturgefahren machen seinen Job spannend.
AfBN-Leiter Daniel Kümpel vor einem neuen Elektrofahrzeug im Werkhof Flüelen. (Bild: Urs Hanhart (31. Januar 2020))
Die Passöffnungen gehören zu den intensiven Arbeiten des Amts. (Bild: Urs Hanhart (Gotthard, 20.5.2020))
Der Ausbau eines Ventilator im Gotthard-Strassentunnel ist ein eindrückliches Erlebnis. (Bild: Urs Hanhart (2019))
Die Axensperrung hielt die Mitarbeiter auf Trab. (Bild: Christian Tschümperlin)
Für die Schneeräumung bereit: Ein Schneepflug des AfBN  im Werkhof in Flüelen. (Bild: Lucien Rahm / Urner Zeitung)

Lucien Rahm

Lucien Rahm

Lucien Rahm

Lucien Rahm

Lucien Rahm

Er stellt seit eineinhalb Jahren sicher, dass die Nationalstrassen im Kanton Uri stets befahrbar sind. Daniel Kümpel, Leiter des Amts für Betrieb Nationalstrassen (AfBN), spricht im Interview über seine bisherigen Erfahrungen mit den Urnern, den neuen Gotthardtunnel und die nicht immer leicht einzuhaltenden Coronamassnahmen.

Der Verkehr auf der Urner Autobahn hat zwar wegen der Coronakrise abgenommen, weniger zu tun haben dürften Sie deswegen wohl nicht. Wie erleben Sie im AfBN die momentane Situation?Daniel Kümpel: Seit Mitte März gelten auch bei uns besondere Weisungen. Für unsere Mitarbeiter stehen Desinfektionsmittelspender zur Verfügung, die Betriebsfahrzeuge werden regelmässig gereinigt und wir haben unsere vier Standorte in Flüelen, Göschenen, Ingenbohl und Airolo quasi isoliert. Das entsprechende Konzept haben wir bereits im Januar veranlasst, weil wir davon ausgingen, es könnte etwas auf uns zukommen. Zusammen mit dem Bundesamt für Strassen Astra haben wir dann sichergestellt, dass die Nationalstrassen auch unter den neuen Umständen rund um die Uhr in Betrieb sein können. Für die wirtschaftliche Landesversorgung sind diese schliesslich wichtig.Wie sieht diese Isolation der Standorte genau aus?Das heisst, dass die Mitarbeiter dieser Standorte sich bei der Ausführung von Arbeiten nicht mehr mit denen der anderen durchmischen. Falls die Belegschaft eines Werkhofs oder Stützpunktes ausfiele, weil eine Coronainfektion nachgewiesen wird, könnten so diejenigen eines anderen Standortes für diesen einspringen.Das ist aber bislang nicht geschehen?Nein. Lediglich drei Mitarbeiter mussten sich in die Quarantäne begeben, einer, nachdem seine Partnerin positiv auf das Virus getestet worden war.Andere Mitarbeiter waren davon aber nicht betroffen?Nein, zwischen den erwähnten Mitarbeitern und ihren Kollegen herrschte immer die notwendige Distanz. Wir schauen beispielsweise auch, dass die Leute, die mit Fahrzeugen unterwegs sind, nun nicht mehr zu viert darin sitzen, sondern nur noch maximal zu zweit.Zu zweit können sie zwei Meter Abstand zueinander halten?Das sind dann vielleicht nicht immer ganz zwei Meter Distanz, aber das Risiko lässt sich aufgrund der Fahrzeuglüftung bereits reduzieren. Manche ziehen auch ihr privates Fahrzeug bei.Sind Schutzmasken bei Ihnen auch ein Thema?Unser Reinigungspersonal arbeitet teilweise mit Masken, ansonsten wurden sie bislang nicht eingesetzt. Seit Montag, 11. Mai, wird die Isolation der Standorte gelockert, es gelten aber nach wie vor die Abstands- und Hygienemassnahmen. Wo die Distanz von zwei Metern unterschritten wird, werden neu Schutzmasken abgegeben.Gab es Arbeiten, die Sie aufgrund der Krise verschieben mussten?Grundsätzlich kann die ganze Arbeit aufrechterhalten werden. Was aber nicht ging: Im Gotthardstrassentunnel konnten wir einen der grossen Ventilatoren noch nicht demontieren, für den die Wartung fällig gewesen wäre. Dabei wären Mitarbeiter verschiedener Standorte durchmischt worden. Diese Arbeiten werden nun aber im Juni aufgrund der Lockerungsmassnahmen sowie des Einsatzes von Schutzmasken möglich sein.Sie leiten das AfBN nun seit rund anderthalb Jahren. Wie fällt Ihr bisheriges Fazit aus?Ich erlebe das AfBN als sehr interessante Organisation mit vielfältigem Aufgabengebiet. In Uri sind natürlich insbesondere die Naturgefahren sehr präsent. Bereits kurz nach meinem Amtsantritt im Dezember 2018 kam es zu einer Axensperrung, die Lawinensituation am Gotthard hält uns stets auf Trab und auch die Öffnung der Pässe ist immer eine intensive Arbeit. Das Amt gefällt mir wirklich gut, auch dank der topkompetenten Mitarbeiter. Unsere Leute identifizieren sich auch sehr stark mit dem Amt, wie ich merke.Was konnten Sie in ihrer bisherigen Amtszeit schon erreichen?Wir konnten mit der Geschäftsleitung schon einiges angehen, haben eine neue Strategie entwickelt und wichtige Investitionen getätigt. Im Zentrum stand auch der Abschluss der neuen Leistungsvereinbarung mit dem Astra sowie die Beschaffung der Energielieferungen ab 2021. Der Arbeitssicherheit messen wir grosses Gewicht bei. So haben wir beispielsweise drei Lastwagen mit Anpralldämpfer angeschafft, welche die Mitarbeiter auf den Tagesbaustellen besser schützen. Wir planen zudem, den Standort Ingenbohl noch weiter auszubauen. Die Baubewilligung haben wir bereits, die Projektierung ist abgeschlossen. Ziel ist, dass wir im Herbst das neue Gebäude beziehen können. Was beinhaltet der Neubau genau?Es entsteht ein neuer Anbau mit Büros, Aufenthaltsraum und Garderobe. Die Toranlagen an der bestehende Halle werden erneuert. Nebst der Arbeitssicherheit – in welchen anderen Bereichen planen Sie noch Verbesserungen?Die Arbeitssicherheit ist mir sehr wichtig. Da lassen wir unsere Prozesse nun auch noch von der Suva überprüfen, um zu sehen, wo es weiteres Verbesserungspotenzial gibt. Auch der Fuhrpark wird erweitert. Da wird es auch neue Fahrzeuge geben wie zum Beispiel einen Leitkegelsetzer, mit dem man die sogenannten «Gummihüte» maschinell versetzen kann. Das erhöht wiederum die Sicherheit der Mitarbeiter, die sich nicht mehr selber auf die Strasse begeben müssen. Grundsätzlich schauen wir uns alle unsere Prozesse genau an, nehmen sie systematisch auseinander und dokumentieren sie. Auf dieser Basis nehmen wir wo nötig noch Justierungen vor. Auch beschäftigen wir uns mit dem Betriebskonzept für den neuen Gotthardstrassentunnel. Wenn dieser einmal da ist, gibt es für uns mehr Leitungen und Ventilatoren zu warten. Auch beim Projekt «Neue Axenstrasse» sind wir am Schauen, wie wir uns da aufstellen müssen.Wo liegen die Schwierigkeiten Ihrer Arbeit?In Uri sind natürlich die Naturgefahren eine Herausforderung. Da erhalten wir aber von unserem Auftraggeber, dem Astra, die nötigen Mittel. Mit diesem Geld müssen wir optimal umgehen. Das heisst, wir müssen unsere Leistungen ständig hinsichtlich ihrer Kosteneffizienz prüfen.Wie verhält es sich mit dieser Kosteneffizienz beim AfBN?Wir sind gut unterwegs, sind aber permanent daran, die Kosten zu analysieren und, wo es möglich ist, sie noch weiter zu optimieren.Zeigt sich da bereits, wo es Ansatzpunkte gibt?Wir beobachten momentan noch, wo man ansetzen könnte.Verfügen Sie in allen Bereichen über die notwendigen Gelder?Ja, die sind ausreichend.Seit einiger Zeit müssen Sie ja auch dafür sorgen, dass die frühe Busverbindung nach Andermatt im Winter möglich ist. Im Oktober hiess es, die Ressourcen für die notwendige Schneeräumung seien knapp. Wie sieht hier der aktuelle Stand aus?Da konnten wir mittlerweile mit dem Astra eine Anpassung vornehmen, das hat sich somit gelöst.Wie sieht die Situation hinsichtlich Fachkräften aus? Wie bei vielen Betrieben sind diese ja auch bei Ihnen nicht ganz ausreichend vorhanden.Wir suchen derzeit einen Kandidaten für die Lehrstelle des Automechatronikers, einen neuen Elektroinstallateur konnten wir bereits anstellen. Wir sind aber immer froh um weitere Kandidaten wie Mechaniker, Elektroinstallateure und Projektleiter. Dies auch im Hinblick auf die neue Axenstrasse und den neuen Gotthardtunnel, die viele spannende Projekte mit sich bringen werden.Vor Ihrer Tätigkeit in Uri waren Sie bei Zentras als Bereichsleiter Infrastruktur für den Betrieb der Nationalstrassen in Luzern, Obwalden, Nidwalden und Zug verantwortlich. Wie unterscheidet sich ihr Amt in Uri davon?In Uri trage ich nun die ganze Verantwortung, nicht nur jene für einen Teilbereich. Die Themen sind hier anders. Naturgefahren spielen eine grössere Rolle und der Betrieb ist stärker abhängig von den Jahreszeiten, die Topologie ist eine andere, die Partnerorganisationen reichen bis ins Tessin. Alles in allem ist es eine sehr spannende Tätigkeit.Eine Tätigkeit, der Sie noch länger nachgehen möchten?Momentan gefällt es mir sehr gut und ich habe nicht vor, in den kommenden Jahren den Absprung zu machen.
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