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Vierwaldstättersee

Wer kann den entscheidenden Tipp geben? Nidwaldner «Cold Case» wird neu aufgerollt – 10'000 Franken Belohnung

Ein ungelöster Mordfall beschäftigt die Behörden noch heute: Seit über zehn Jahren ist nicht klar, warum eine Prostituierte bei Stansstad den Tod fand. Der Fall wird nun neu aufgerollt – eine Sonderkommission hofft dabei auf wichtige Hinweise aus der Bevölkerung. Im Mittelpunkt steht die Gerechtigkeit für das Opfer und seine Angehörigen.
Die Polizei suchte 2014 den Fundort der Leiche nach Gegenständen ab.
Bild: Archiv: LZ

Wer hat vor gut zehn Jahren die 36-jährige Emiliya Emilova getötet und ihren Leichnam im Vierwaldstättersee versenkt? Bis heute gibt es keine Antwort auf diese Frage. Die Kantonspolizei und die Staatsanwaltschaft Nidwalden rollen den Fall deshalb neu auf. Sie erhoffen sich insbesondere durch die öffentliche Mitwirkung entscheidende Hinweise, die zur Klärung des Mordfalls führen sollen.

Fiel einem Gewaltverbrechen zum Opfer: die 36-jährige Emiliya Emilova.
Bild: Kantonspolizei Nidwalden

«In der jüngeren Vergangenheit hat es in Nidwalden keinen vergleichbaren Fall gegeben. Wir wollen nichts unversucht lassen, die Täterschaft doch noch zu überführen und so den Angehörigen des Opfers Gerechtigkeit zu verschaffen», sagte Alexandre Vonwil, stellvertretender Oberstaatsanwalt des Kantons Nidwalden und verfahrensleitender Staatsanwalt, am Freitagmorgen an einer Medienorientierung.

Gut zwölf Stunden vor der Pressekonferenz strahlte SRF Dok eine Dokumentation zum Tötungsdelikt von 2014 aus, kommenden Mittwoch wird der Fall zudem in der TV-Sendung «Aktenzeichen XY … ungelöst» vorgestellt. «In vielen ungeklärten Fällen konnten durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit neue Hinweise gewonnen werden, die entscheidend zur Aufklärung beigetragen haben», sagt Senad Sakic, Chef der Kriminalpolizei Nidwalden. Er wird in der Livesendung am Mittwoch weitere Ausführungen zum Fall geben.

10'000 Franken Belohnung und neue Möglichkeiten in der Kriminaltechnik

Wie der Kripo-Chef auf Anfrage sagt, sind bereits in den vergangenen Tagen Hinweise über eine eigens dafür eingerichtete Hotline eingegangen, die von Personen der Kriminalpolizei Nidwalden betreut wird. «Jeder noch so kleine Hinweis kann von entscheidender Bedeutung sein, selbst dann, wenn eine Beobachtung auf den ersten Blick unbedeutend erscheinen mag», so Sakic weiter. Für entscheidende Hinweise, die zur Ermittlung des Täters führen, ist eine Belohnung von 10'000 Franken ausgesetzt.

Doch warum wird der Fall gerade zum jetzigen Zeitpunkt aufgerollt? Wie der verfahrensleitende Staatsanwalt Alexandre Vonwil ausführte, seien die Gründe vielfältig. Zum einen ermögliche moderne Kriminaltechnik, alte Spuren neu zu untersuchen. Die revidierte Strafprozessordnung schaffe zudem Möglichkeiten, die vor zehn Jahren noch nicht möglich gewesen seien. Hier ist unter anderem die sogenannte Phänotypisierung gemeint. Informationen aus DNA-Analysen, die Hinweise auf Augen- und Haarfarbe sowie das Alter geben können, dürfen nun auch für die Strafverfolgung benutzt werden. Unter anderem sei aber auch die soziale Dimension nicht zu unterschätzen, so Vonwil.

Das soziale Milieu von Zeugen und Auskunftspersonen könnte sich in den letzten zehn Jahren verändert haben. Abhängigkeiten, die sie damals daran hinderten, Aussagen zu machen, könnten heute weggefallen sein. «Es ist durchaus möglich, dass durch die Berichterstattung ein gewisser psychologischer Druck auf die Täterschaft ausgeübt wird und eine gewisse Nervosität hervorgerufen wird, sodass sich die Person ihrem näheren Umfeld anvertraut und so relevante Informationen ans Licht kommen», so Sakic.

Was damals geschah

Am Sonntag, 21. September 2014, entdeckte ein Fussgänger gegen 10 Uhr morgens im Bereich der Festung Fürigen in Stansstad einen leblosen Körper an der Wasseroberfläche. Die Leiche wurde damals als die 36-jährige Emiliya Emilova identifiziert. Die Bulgarin kam 2013 erstmals in die Schweiz und war als Prostituierte tätig. In der Nacht vom Samstag auf Sonntag war die zweifache Mutter auf dem Strassenstrich Ibach in Luzern gewesen und wurde dort, gemäss dem verfahrensleitenden Staatsanwalt, gegen Mitternacht zuletzt gesehen. Sie lief mutmasslich mit einem Freier in Richtung Kreisel am Ende des Strassenstrichs. Der Mann konnte nicht identifiziert werden. Über die letzten Stunden im Leben des Opfers ist nichts Näheres bekannt.

Die Umstände am Fundort deuteten jedoch gleich auf ein Gewaltverbrechen hin. Wie Vonwil an der Medienorientierung erläuterte, war der leblose Körper nur teilweise bekleidet, die Arme waren auf Brustkorbhöhe übereinandergelegt und im Bereich der Handgelenke mit Draht zusammengebunden. Auch um den Bauch sei Draht gewickelt gewesen. Als Todesursache gilt Ersticken infolge von Strangulation: Sie wurde also erwürgt. Die Frage, warum Emiliya Emilova getötet wurde, lässt sich bis anhin nicht beantworten. Es seien umfangreiche Ermittlungen in alle Richtungen getätigt worden, insbesondere im Milieu der Freier, Zuhälter und Prostituierten, und über 150 Personen befragt.

5000 Seiten Verfahrensakten ausgewertet

Nach wie vor ermittelt die Polizei in alle Richtungen, allerdings wird aufgrund von Erkenntnissen aus einer operativen Fallanalyse angenommen, dass es sich um einen männlichen Einzeltäter handelt, der über örtliche Kenntnisse des Ablageorts verfügte aufgrund der Verhältnisse des Fundortes. «Es ist davon auszugehen, dass es sich um eine spontane Tat gehandelt hat», so Vonwil.

An der rot markierten Stelle wurde die 36-jährige Bulgarin am 21. September 2014 tot aufgefunden.
Bild: Kantonspolizei Nidwalden

Ende 2024 wurde eine Sonderkommission gebildet, die rund 5000 Seiten Verfahrensakten durchgearbeitet hat. Rund zehn Personen der Kantonspolizei sind aktuell in der Kommission eingebunden, Forensik und Rechtsmedizin werden ebenfalls beigezogen. Die involvierten Personen kümmern sich auch weiterhin um anderweitige Fälle und nicht nur um diesen einen Fall, wie Sakic auf Anfrage sagt. Sämtliche Beteiligten, der Kommandant und die zuständige Regierungsrätin stünden hinter der Aufklärung dieses Falls. «Es ist allen ein Anliegen, diesen Fall aufzuklären, damit die Familie Gerechtigkeit erfährt und sie Antworten auf ihre Fragen erhält», so Sakic.

Die Kantonspolizei Nidwalden und die Staatsanwaltschaft informierten am Freitagmorgen um 9 Uhr an einer Medienkonferenz über das Aufrollen des ungelösten Mordfalles.
Bild: Screenshot: Keystone Livestream

Wer hatte vor dem oder am Tatabend Kontakt zur ermordeten Frau?

Wer kann Angaben zu Kunden oder Begleitpersonen der Frau in der Tatnacht machen?

Gibt es Personen, die sich nach der Tat auffällig oder nervös verhalten haben, den Wohnort wechselten oder über die Tat gesprochen haben?

Hat jemand in der Vergangenheit oder kürzlich Informationen zu dieser Tat erhalten, die für die Ermittlungen relevant sein könnten?

Die Kantonspolizei Nidwalden nimmt unter der Nummer +41 41 618 44 66 sachdienliche Hinweise entgegen.

Der Beitrag aus Nidwalden wird in der Sendung vom kommenden Mittwoch, 26. März, um 20.15 Uhr auf SRF 1 und ZDF ausgestrahlt.

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