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Kontroverse

Langlaufen liegt im Trend – aber macht es auch wirklich Spass?

Co-Chefredaktorin Rahel Hug und Redaktorin Vanessa Leutenegger in der Debatte, ob das Langlaufen ein Genuss oder doch eher eine Qual ist.
Vanessa Leutenegger.
Bild: Bild: Werner Schelbert

«Let’s fetz», heisst es in unserer Langlaufgruppe immer, sobald der erste Schnee fällt. Was so viel heisst, wie dass wir es auf der Loipe so richtig krachen lassen. Denn ja, wir laufen häufig und gerne in der Gruppe. Und begonnen hat alles schon weit, weit vor der Coronakrise und dem damit einhergehenden Boom.

Angefangen hat es mit Angelika «Angie» Lohm, einer Kantilehrerin, welche jährlich das legendäre Langlauflager in Sankt Moritz veranstaltete. Sie lebte uns alles vor, was zu dieser Sportart dazugehört: Geselligkeit, Kameradschaft und die Liebe zum Sport. Sie feuerte uns an mit «Heja, heja!»

Es war jedes Jahr eine unglaublich schöne Woche im Schnee. In kleinen Gruppen zogen wir auf den dünnen «Pommes frites»-Ski durch das verschneite Engadin. Krönender Abschluss einige Wochen nach dem Lager war stets der Engadiner Skimarathon. Mit Sack und Pack fuhr der harte Kern, angeführt und gut betreut durch Angie, im Kleinbus nach Graubünden. Wir schliefen in Turnhallen, brachen in aller Herrgottsfrühe zum Start auf und kehrten abends müde, aber glücklich zurück.

Klar, die Tour auf der Loipe kann auch mal anstrengend sein. Aber Langlaufen ist mehr als ein Trend. Es ist ein Sport, geprägt von Entschleunigung, Ausdauer und lebenslangen Freundschaften.

Rahel Hug.
Bild: Bild: Stefan Kaiser

In jüngeren Jahren fand ich Langlaufen irgendwie altmodisch. Dann löste Corona in der Schweiz einen regelrechten Boom aus. Und ich fand, es sei jetzt an der Zeit, dem Sport in der Loipe doch einmal eine Chance zu geben. Als Spätberufene quasi.

Zum ersten Mal schnalle ich mir die Langlaufski in flachem Gelände im Toggenburg an. Während ein Teil unserer Gruppe mit dem Snowboard das Bähnli besteigt, entscheiden einige Freundinnen und ich, es dieses Mal gemütlich anzugehen. Ein bisschen langläuflen, einfach so zum Plausch.

Gemütlich, das merke ich schnell, ist definitiv der falsche Ausdruck für diese Freizeitbeschäftigung. Bis man die richtige Technik auch nur ansatzweise draufhat, ist das Kraftkontingent des Tages aufgebraucht. Schon in den ersten zehn Minuten rutscht mir ein Bein davon, und ich fliege auf den Rücken. Autsch. Aufzustehen mit einem langen dünnen Brett am Fuss, ist zudem gar nicht so einfach.

Okay, wenn man dann mal etwas in Fahrt ist, macht es doch ein bisschen Spass. Allerdings nur, solange es geradeaus oder leicht abwärts geht. Das merke ich beim zweiten – und letzten – Mal, als ich dem Wintersport auf dem Glaubenberg noch einmal eine Chance gebe. Die anderen langlaufen mir davon, und ich beschliesse: Das ist nicht mein Sport.

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