Fehlt etwas in der Szene? Die Antwort von Martina Spichtig lässt nicht lange auf sich warten: «Ja man kann das so sagen», meint die Lehrerin an der Musikschule von Sachseln. Sie und ihre aus der Ostschweiz stammende Kollegin Marlene Roth haben das Projekt «Ländlerläbä» ins Leben gerufen. Im Landgasthof Schlüssel in Alpnach trafen sich rund 15 junge Instrumentalisten zur Hauptprobe für das Abschlusskonzert.

Worin besteht das erwähnte Manko? «Ich habe festgestellt, dass wir den Nachwuchs aus dem musikalischen Eigenleben befreien und in geeigneter Form zusammenbringen müssen», sagt die frühere Primarlehrerin und heutige Kauffrau Martina Spichtig. Die beiden Projektleiterinnen möchten verhindern, dass sich junge Menschen nach Jahren in der Musikschule für «Ja, das wars jetzt» entscheiden und ihr Instrument in die Ecke stellen. Offenheit und Ideenreichtum sind für das Projekt «Ländlerläbä» deshalb prägend. Dem Trend in der Volksmusik entsprechend konzentriert sich das Instrumentarium zum überwältigenden Teil auf das beliebte Schwyzerörgeli, gefolgt von Akkordeon, Klavier, Bassgeige und Harfe.
«Vo allem epis» an der Hauptprobe
Inzwischen nimmt die Hauptprobe Form an. An der Bühnenfront werden die zum Einsatz kommenden Instrumente aufgereiht und bilden so ein farbenfrohes Dekor. Bevor es ans Musizieren geht, informieren die beiden Leiterinnen über das Abschlusskonzert vom 27. März - ebenfalls im Landgasthof Schlüssel in Alpnach. Die rund 15 «Schützlinge» bringen sich und ihre Ideen ein und so entsteht die von den Initiantinnen erwünschte Vielfalt der Veranstaltung. In diesem Sinne ist die Hauptprobe mit «vo allem epis» betitelt.

Sie beginnt mit dem «Hidebrand-Schottisch. Die erste und alle nachfolgenden Formationen sind namenlos. Das deutet daraufhin, dass bisher an fünf Treffen Besetzungen quer durch das Teilnehmerfeld entstanden. Schon nach einigen Stücken traten Kolleginnen und Kollegen tanzend und sogar mit «bödelä» in Erscheinung. Auch am Abschlusskonzert soll diese Spontaneität das Geschehen über den Bühnenrand hinaus bereichern. Ausserdem gaben Martina Spichtig und Marlene Roth nach jedem Stück im Dialog mit den Musikantinnen und Musikanten hilfreiche Tipps für die verbleibende Probenzeit bis zum 27. März.
Chorgesang als Herausforderung
Wie erfrischend ein kommendes Ländlerkonzert auch ohne Publikum sein kann, ergibt sich an dieser Hauptprobe auch durch die personelle Durchmischung. Es entstehen echt folkloristische, aber äusserst farbenreiche Klangfarben. Der Abend beinhaltete aber auch eine Herausforderung der besonderen Art. Für einmal wird gesungen und gejodelt und nicht gespielt. Unter der Leitung von Marlene Roth wird das Lied «Älplerzyt» von Neldi Ming im Chor aller Teilnehmenden zum Besten gegeben.

Die Dirigentin gab sich bei der Probe nicht so schnell zufrieden und ging mit einiger Geduld ins Detail. Es war dabei kaum zu überhören, dass vor allem bei den Burschen das Singen nicht unbedingt zu ihren Kernkompetenzen zählt. Umso erstaunlicher war es, dass nach viel Fleiss und mit dem tollen Jodel von zwei weiblichen Stimmen ein Gesang von beachtlicher Qualität entstand. Und es bleibt ja auch da noch etwas Zeit zum individuellen Üben. «Ziel des Projektes Ländlerläbä war es, dass sich die Jugendlichen beim Musizieren vernetzen und sich im geschützten Rahmen auf gewisse Experimente wie Tanzen oder bödelen einlassen.
Abschlusskonzert «Ländlerläbä», Freitag, 27. März, 20 Uhr, im Landgasthof Schlüssel, Alpnach. Anschliessend Stubätä. Nachtessen am 17.45 Uhr. Reservationen: 041 670 17 57 oder info@schluessel-alpnach.ch.
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