Kolumne «Familiensache»

«Du, Du, Du!» – wenn der Sohn an der Kasse für Stirnrunzeln sorgt

Unser Autor über eine sprachliche Marotte seines Sohnes, die nicht nur bei den Grosseltern, sondern auch im Laden zu Missverständnissen führt.

Unser zweieinhalbjähriger Sohn hat eine seltsame sprachliche Angewohnheit, die mich immer wieder zum Schmunzeln bringt: Wenn er sich selber meint, sagt er konsequent «Du». Will er also unbedingt etwas auf eigene Faust tun – die Gabeln und Löffel aus der Geschirrspülmaschine ausräumen, sich die Zähne putzen oder den Rucksack anziehen –, stellt er sich mir in den Weg und ruft laut aus: «Du, Du, Du!»

Ich habe mich längst daran gewöhnt. Aber meine Eltern, die etwas weiter weg wohnen und ihren Enkel deshalb nicht ganz so häufig sehen, fühlen sich von seinem «Du» zuweilen direkt angesprochen. Auch sonst kommt es immer wieder zu Verwirrungen: Wenn unser Sohn den Einkauf selbst aufs Band legen will («Du, Du, Du!»), gerät die Verkäuferin oder der Verkäufer an der Kasse schon mal kurz ins Stutzen.

Der «Du-Ich-Komplex», wie ich die Angelegenheit für mich getauft habe, ist wirklich nicht einfach zu durchschauen. Spreche ich meinen Sohn an, sage ich natürlich: «Du musst noch deine Hände waschen.» Wenn ich hingegen mich selber meine, sage ich «Ich». Da ist es nur folgerichtig und logisch, dass er das «Du» mit sich selber verbindet.

Kinder lernen Sprache nicht aus Grammatikbüchern, sondern aus dem Alltag. Mein Sohn weiss zwar, dass ich der Papa bin und Mama eben die Mama. Aber dass das «Ich» je nach Sprecherin oder Sprecher immer wieder jemand anderes meint, während es unzählige «Dus» gibt, ist eine ziemlich abstrakte Idee. Je länger ich darüber nachdenke, desto erstaunlicher finde ich, dass Kinder dieses System irgendwann ganz selbstverständlich durchschauen. Ich bin gespannt, wann es bei meinem Sohn «Klick» macht.

Interessanterweise funktioniert die Logik in die andere Richtung überhaupt nicht. Man könnte ja erwarten, dass mein Sohn mich «Ich» nennt. Tut er aber nicht. Ich bin und bleibe «Papa». Zum Glück. Es wäre wohl der Gipfel der Verwirrung, wenn aus seinem Zimmer plötzlich der Ruf «Ii, chum!» ertönen würde – und damit ausgerechnet ich gemeint wäre.

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