
Am neu jährlich stattfindenden Kollegi-Träff am vergangenen Samstag in der Kollegikapelle haben vier ehemalige Absolventinnen und Absolventen der Urner Mittelschule über den Einfluss ihrer Schwerpunktfachwahl auf ihre berufliche Karriere und ihr Leben berichtet.
Franz-Xaver Stadler, der 1966 die Matura abschloss, wählte als «Typ», wie es damals noch hiess, Typ A, Altgriechisch. Typ B war Englisch, mehr gab es nicht. «Englisch kann ich immer mal lernen, Altgriechisch nicht», war sein Hauptentscheidungsargument. Damals wusste er noch nicht, dass er später Medizin studieren und als Internist und Rheumatologe arbeiten würde, wo das Kleine Latinum Voraussetzung war und viele anatomische Bezeichnungen auf Lateinisch, teils auch auf Griechisch waren und heute noch sind.

Bei Ruth Wipfli Steinegger, die 1977 die Matura machte, galt noch das Typen-System, allerdings gab es eine grössere Auswahl. Mathematik war nicht ihr Ding, sodass sie sich für Latein entschied: «Ich bin froh, dass ich so etwas scheinbar Unnützes gelernt habe, weil dadurch das analytische Denken geschult wird», sagt die Notarin und Anwältin mit eigener Kanzlei.
Sowohl in ihrer ersten Stunde im Studium über Römisches Recht als auch für die medizinischen Gutachten später im Beruf hat ihr Latein sehr geholfen. Sie attestiert der «toten Sprache» nachdrücklich einen Mehrwert.

Neue Schwerpunktfächer-Auswahl
Nach der Maturitätsreform werden ab dem Schuljahr 2028/29 am Kollegi die Schwerpunktfächer Biologie/Chemie, Physik und Anwendungen der Mathematik (PAM), Spanisch, Musik und aus dem geistes- und sozialwissenschaftlichen Themenbereich «Welt im Wandel» zur Auswahl stehen.

Ergänzend zitiert Schulleiter Marco Mattei sinngemäss aus dem Rahmenlehrplan, dass die Gymnasien sicherstellen müssen, dass die basalen Kompetenzen erworben werden können. Er sehe es zum Beispiel als Pflicht der Schule an, dass auch den jungen Menschen, die Deutsch nicht als Erstsprache haben, ermöglicht wird, sich diese Kompetenz im gymnasialen Rahmen anzueignen. Wie das konkret umgesetzt werde, sei noch offen.
Gesellschaftspolitische Themen erwünscht
Anna-Béatrice Schmaltz hat 2011 die Matura mit Latein als Schwerpunktfach abgeschlossen. Sie ist ausgebildete Sozialarbeiterin und seit dem Frühjahr 2026 Nationalrätin für den Kanton Zürich. Damals habe sie noch die Vorstellung gehabt, Geschichte zu studieren, sodass da schon eine strategische Überlegung vorhanden war.

Ihr kommen Skills, die sie im Gymnasium gelernt hat, in der Politik zugute. Zum Beispiel, dass man sich in Themen einlesen und eindenken kann, in Austausch geht mit verschiedenen Menschen, sich eine Haltung, eine Meinung bildet, dass man lernt, wie man lernt, und vieles mehr.
Vom Schwerpunktfach zum Hobby
Noel Kummer konnte im Frühsommer dieses Jahres sein Maturazeugnis entgegennehmen. Bei ihm gab es kein Latein mehr, sondern Spanisch, PAM, Wirtschaft und Recht, Bildnerisches Gestalten und Musik. «Ich wollte mit Bildnerischem Gestalten den üblichen Fächern etwas Kreatives entgegensetzen», sagt er. Beruflich möchte er in die Richtung Internationale Beziehungen, da wäre Spanisch hilfreicher gewesen, trotzdem möchte er seine entdeckte Faszination für Kunst nicht mehr missen. Er gehe gern in Museen und freue sich daran, die Bilder oder andere Kunstobjekte in den geschichtlichen oder kunsttheoretischen Kontext einordnen zu können.

Alle sind sich einig, dass die Wahl des Schwerpunktfachs nicht zielgerichtet sein muss, sondern eine Gelegenheit bietet, momentanen Interessen und Neigungen nachzugeben und sich auszuprobieren.
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