Luzern

Kinder an die Orgel – eine Luzerner Erfindung und die Kirchgemeinde Sursee machen es möglich

Kirchenmusiker plagen Nachwuchssorgen: Ein Projekt soll nun Kinder fürs Orgelspiel begeistern. Dank einer Luzerner Erfindung geht das nun auch mit kurzen Beinen.
So sehen die aufsteckbaren Holzteile des Kinderpedals aus. (Bild: PD)
Orgellehrerin Daniela Achermann mit Schülerin Lmar Gilo in der Kirche St. Georg in Sursee.
(Bild: Eveline Beerkircher (Sursee, 5. März 2020))

Evelyne Fischer

Evelyne Fischer

Dass Kirche keine verstaubte Angelegenheit sein muss, bewiesen die Pfarreien jüngst mit Online-Gottesdiensten augenscheinlich. Innovativ ist auch das neue Projekt der katholischen Kirchgemeinde Sursee: «Luzern an die Orgel» heisst das Unterfangen, das Kinder für das majestätische Instrument begeistern soll. Wer sich nun fragt, was daran besonders sein soll, dem sei gesagt: Lange war es Kindern rein technisch gar nicht möglich, sich als Organisten zu betätigen. Grund dafür: ihre für die Pedalen viel zu kurzen Beine. Erst eine Erfindung der Luzerner Orgelbaufirma Goll änderte dies.

Blieb noch ein weiteres Problem: Es mangelte an kindgerechter Literatur. Also schrieben der in Lenzburg ansässige Verein Kinder an die Orgel und die Musik-Akademie Basel/Hochschule für Musik letztes Jahr Werkaufträge aus. Und nun kommt’s: Der Hauptpreis für die beste Komposition ging nach Sursee – zu Daniela Achermann, seit 2016 Hauptorganistin in der Kirche St. Georg.

Wie das tönt? Organistin Daniela Achermann liefert im Video unten mit dem Stück «Vogel Glurs Zeit» eine Kostprobe. Inspiriert dazu hat sie ein Gedicht von Franz Hohler aus dem Band «Am liebsten ass der Hamster Hugo Spaghetti mit Tomatensugo – Tiergedichte».

«Daraus muss man etwas machen», fand Pfarreileiter Claudio Tomassini, und wurde mit einer – wie er sagt – «verrückten Idee» beim Kirchenrat vorstellig. Und obwohl es dieser nicht als seine Kernaufgabe betrachtet, eine Musikschule aufzubauen, entschied der Kirchenrat, 10'000 Franken zur Verfügung zu stellen. Alle interessierten Kinder und Jugendlichen aus dem Kanton Luzern sollen so von einem halben Jahr Gratis-Unterricht profitieren können. Danach gelten die Tarife der Musikschule Region Sursee. Ein Schuljahr lang 30 Minuten Unterricht beläuft sich auf 740 Franken.

«Orgelspiel ist wie ein Tanz»

Daniela Achermann sieht es als Chance, die Orgel von Klischees zu befreien. «Gerade Filme vermitteln ein sehr einseitiges Bild», sagt sie. «Kirchentüren öffnen sich, trötende Orgelklänge ertönen.» Wenn sie Beerdigungen begleite, höre sie oft den Wunsch, dass «nichts Schweres» gespielt werde. «Dabei bietet Orgelliteratur so viel mehr!» Achermann sagt, das Instrument sei anspruchsvoll, verlange eine gute Koordination. «Das Orgelspiel ist wie ein Tanz.» Dennoch sei sie überzeugt, dass sich das Instrument für Kinder eigne. «Ich sehe immer wieder, wie beeindruckt sie von den Registern sind. Dank Flöte, Trompete und Streicher hat man ein komplettes Orchester vor Ort.» Ein schöneres Übungslokal als eine Kirche könne man sich zudem kaum vorstellen.

Wie viele Kinder und Jugendliche sich nach den Schnuppertagen anmelden, sei schwierig vorhersehbar. Was, wenn sie überrannt werden? «Dann öffnen wir am Abend eine Flasche Wein», scherzt Tomassini. Aber Hand aufs Herz: Macht es denn überhaupt Sinn, angesichts des steten Mitgliederschwunds der Kirche in junge Organisten zu investieren? Für Tomassini ist das keine Frage. «Es soll eben gerade ein Signal dafür sein, dass sich die Kirche dem nicht einfach beugt.» Es gehe hier um Kulturförderung, «nicht um ein Missionsprojekt».

Kleine Pensen sind schwierig zu besetzen

Nebst Daniela Achermann werden Andreas Wüest, Daniela Maranta und Aurore Baal vom Surseer Orgelteam als Lehrpersonen im Einsatz stehen. Baal amtet als Kantonaldirektorin des Katholischen Kirchenmusikverbands und begrüsst die Surseer Offensive ausdrücklich: «Organisten haben ein Nachwuchsproblem. Gerade Pfarreien mit kleinen Organisten-Pensen bekunden Mühe, ihre Stellen zu besetzen.» Oft würden dann Laien, meist bereits pensioniert, in die Bresche springen.

Baal hofft, dass die Schnuppertage auf Anklang stossen. «Das Repertoire an möglichen Stücken beschränkt sich längst nicht nur auf Lieder aus dem Kirchengesangbuch. Gerade Filmmusik eignet sich sehr gut für die Orgel.»

Hinweis: Luzern an die Orgel – kostenlose Schnuppertage in der Pfarrkirche Sursee: Mittwoch, 24. Juni, um 14 Uhr für Kinder (6 bis 12 Jahre), um 14.30 Uhr für Jugendliche (13 bis 20 Jahre). Samstag, 27. Juni, um 11 Uhr für Kinder, um 11.30 Uhr für Jugendliche. Keine Anmeldung nötig.

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