Zug

Kiesabbau im Gebiet Betlehem soll verlängert werden – die wichtigsten Fragen und Antworten

Der Kiesabbau im Kanton Zug gibt zu reden – nicht erst seit dem Bundesgerichtsurteil, das die Aufnahme des Chamer Abbaugebiets Hatwil-Hubletzen in den Richtplan stoppte. Nun hat die Betreiberin des Kieswerks in Edlibach eine Verlängerung bis 2044 beantragt.
Blick auf das Kieswerk der Kibag im Gebiet Betlehem. (Bild: Matthias Jurt (Edlibach, 17. Februar 2022))
Das Kieswerk Betlehem in Edlibach in einer Luftaufnahme von 1965, im Hintergrund ist das Dorf Menzingen zu sehen. (Bild: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv)
Das Kieswerk Betlehem ist mehrmals vergrössert worden. (Archivbild: Stefan Kaiser (Edlibach, 27. September 2016))

Rahel Hug

Rahel Hug

Rahel Hug

Im Gebiet Betlehem in Edlibach wird seit Jahrzehnten Kies abgebaut. Damit soll noch lange nicht Schluss sein. Weil die aktuelle Bewilligung per Ende Jahr abläuft, hat die Betreiberin, die Kibag Kies Edlibach AG, ein Gesuch eingereicht für eine Verlängerung bis Ende 2044. Das Gesuch lag bis am 27. April in Menzingen und beim Kanton öffentlich auf. Hier sind die wichtigsten Fragen und Antworten.

Im Februar hat das Bundesgericht dem Kiesabbau im Gebiet Hatwil-Hubletzen in Cham einen Riegel vorgeschoben. Hängt die geplante Verlängerung in Menzingen damit zusammen?Nein, sagt der Zuger Baudirektor Florian Weber auf Anfrage. Die Kibag hat in Betlehem noch bewilligte Kiesreserven von rund 990'000 Kubikmeter. Für deren Abbau sind zusätzlich noch eigentliche Abbaubewilligungen erforderlich. Für rund 370'000 Kubikmeter liegt eine solche Bewilligung vor, sie läuft allerdings per 31. Dezember 2022 ab.Wie lange soll in Betlehem noch Kies abgebaut werden?Mit dem geplanten Abbauvolumen von rund 130'000 Kubikmeter pro Jahr reichen die Reserven gemäss Florian Weber noch für 3 respektive 7,5 Jahre, wenn man das für den Abbau noch nicht bewilligte Volumen dazurechnet. Anschliessend wird die Kiesgrube renaturiert. «Dieser Prozess, der ebenfalls in die Bewilligungsfrist fällt, dauert zwischen 15 bis 20 Jahren, je nach Anfall von sauberem Material», führt Weber aus. Damit ist Aushubmaterial gemeint, mit dem die Grube wieder aufgefüllt werden kann. Die Befristung und anschliessende Verlängerung der Abbaubewilligung gehöre zum Standardablauf bei Kiesgruben.Wie geht es weiter in Bezug auf eine mögliche Erweiterung in Betlehem?Für die restlichen rund 620'000 Kubikmeter läuft das Verfahren für die Abbaubewilligung. Es handelt sich um die so genannte Ausbauetappe 3, die vom Kantonsrat im Richtplan festgesetzt worden ist. Gegen diese Bewilligung sind Einsprachen hängig. Ob in Betlehem eine weitere Erweiterung diskutabel ist, wird das Kieskonzept 2025 zeigen. Aufgrund des Urteils des Bundesgerichts werde diese Option zu prüfen sein, sagt der Baudirektor. Den definitiven Entscheid wird der Kantonsrat im Rahmen einer Anpassung des Richtplans fällen. Das Kieskonzept 2025 startet, nachdem der Kantonsrat im Herbst/Winter 2022 diese Anpassung behandelt hat.Ab wann droht ein Engpass in Sachen Kies im Kanton Zug?«Wir gehen davon aus, dass ab zirka 2030/2031 ein veritabler Engpass mit einheimischem Kies entsteht», führt Florian Weber aus. Das Kieskonzept 2025 soll die zukünftigen Weichen für den Kiesabbau in Zug stellen: Dabei geht es um die Frage, ob weiterhin Kies im Kanton Zug abgebaut wird oder ein reiner Import aus anderen Kantonen oder dem nahen Ausland erfolgen soll. In den letzten drei Jahren importierte der Kanton Zug mehr Kies aus den Nachbarkantonen, als er dorthin exportierte. Alleine im Jahr 2021 ergibt sich ein Importüberschuss von rund 123'000 Kubikmeter.Sind gegen das Auflagegesuch der Kibag Einsprachen eingegangen?Ja. Gemäss Baudirektor Florian Weber sind Einsprachen eingegangen. Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, könne man keine weiteren Ausführungen machen.Was sagt die Politik?Nach dem Bundesgerichtsurteil im Februar haben die drei Menzinger Kantonsräte Monika Barmet (Mitte), Thomas Magnusson (FDP) und Karl Nussbaumer (SVP) eine Interpellation eingereicht. Sie wollen wissen, wie es in Sachen Kiesabbau und Deponien im Kanton weitergeht. Dabei stellen sie auch die Frage, ob der Regierungsrat weitere Standorte im Kanton Zug prüft. Die Interpellation ist noch nicht beantwortet. Monika Barmet sagt auf Anfrage: «Grundsätzlich verstehe ich das Anliegen der Kibag, denn die Bautätigkeit in unserer Region ist weiterhin hoch und wird auch hoch bleiben.» Es seien aber noch viele Fragen offen. «Um eine künftige Erweiterung in Betlehem zu beurteilen, brauchen wir Informationen und eine klare Stellungnahme des Regierungsrats, auch in Bezug auf den Landschaftsschutz.»
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