Rund 100 Gäste fanden sich am Donnerstag, 16. April, im Innovations-Biotop Uri (IBTU) im neuen Bahnhofgebäude in Altdorf ein. Der Jahresanlass stand unter dem Motto «Künstliche Intelligenz – vom Hype zur Anwendung» – und der Abend hielt, was der Titel versprach: Drei Referate, drei Perspektiven, ein klares Fazit: KI ist längst kein abstraktes Zukunftsthema mehr, sondern mitten in der Urner Wirtschaft angekommen.
Nach der Begrüssung durch IBTU-Verwaltungsratspräsident Dr. Ralf Hermann und einem Grusswort der Urner Regierung, überbracht von Regierungsrat Urban Camenzind, eröffnete Sieglinde Bürgi, Senior Fachspezialistin Business Engineering bei der Urner Kantonalbank, den Reigen der Referate. Sie zeigte auf, wie KI-gestützte Kundensegmentierung die Vertriebsstrategie einer Bank grundlegend verändern kann – weg von der Giesskanne, hin zu massgeschneiderten Angeboten für einzelne Kundengruppen. Wer seine Kundinnen und Kunden wirklich kennt, kann gezielter beraten, relevanter kommunizieren und letztlich besser verkaufen. Entscheidend sei dabei nicht allein die Technologie, sondern die Qualität und Konsistenz der zugrundeliegenden Daten.
Der Blick über den Atlantik
Regis Lehmann, CEO der UKB-Tochter Kamuno, ergänzte diese Perspektive aus dem Bereich Kreditvergabe. Das Unternehmen nutzt KI, um Bonitätsprüfungen präziser und effizienter zu gestalten. Lehmann, der zuvor eine Neo-Bank für KMU lanciert und einen Börsengang begleitet hat, machte deutlich, wie datengetriebene Entscheidungen das Risikomanagement im Finanzsektor neu definieren. Je strukturierter die Datenbasis, desto verlässlicher die Einschätzung – ein Prinzip, das weit über die Finanzbranche hinaus gilt.
Den Abschluss und zugleich sehr spannenden Höhepunkt des Abends bildete Patrik Birkle, ehemaliger Berater in BCGs Tech Practice in New York und Schwarzman Scholar mit Masterabschluss an der Tsinghua University in Peking. Er plädierte eindringlich dafür, beim Thema KI-Integration den Blick über den Atlantik hinaus zu richten. Wer heute verstehen wolle, wie KI morgen wirkt, solle genauer hinschauen, wie sie andernorts bereits funktioniert: still, effizient und tief in Prozesse eingebettet. Für Schweizer Unternehmen bedeute das einen Perspektivenwechsel: Nicht fragen, welche KI eingesetzt werden soll, sondern wie bestehende Produkte, Dienstleistungen und Abläufe mit KI gezielt verbessert werden können.
Beim anschliessenden Apéro wurde rege diskutiert unter Gründerinnen, Bankerinnen, Unternehmern und Verwaltungsvertretern. (zvg)

Kommentare
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien, die Kommentare werden von uns moderiert.
Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare geschrieben.