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Luzern

Kerzenziehen: Dieses Handwerk begeistert die Kleinen wie die Grossen

Mit etwas Geduld und Kreativität entstehen beim Kerzenziehen im St.Karl Luzern schöne Geschenke für die Familie – oder auch für sich selbst.
Kerzenziehen ist eine beliebte Tätigkeit von Kindern und Erwachsenen im Advent. (Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 17. Dezember 2021))
Sofie (links) und Svenja tauchen im Kerzenziehen der Pfarrei St. Karl ihre Rohlinge ins flüssige Wachs. (Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 17. Dezember 2021))
Wenn die Kerze noch warm ist, wird sie unten gerade geschnitten. Die Anschnitte können zum Verzieren der Kerzen gebraucht werden. (Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 17. Dezember 2021))
Farben abstufen, Kerzen aufschneiden, Anschnitte aufkleben: Mit viel Fantasie entstehen einzigartige Kreationen. (Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 17. Dezember 2021))

Susanne Balli

Susanne Balli

Susanne Balli

Susanne Balli

Susanne Balli

Es ist dieser Geruch von flüssigem Paraffin, der sofort intensive Erinnerung an die Adventszeit aus der Kindheit in mir weckt. Zirka 20 Jahre ist es her, seit ich das letzte Mal Kerzen gezogen habe. Wie es geht, habe ich trotzdem nicht vergessen, was sich beim Besuch des Kerzenziehens der katholischen Kirche St.Karl in Luzern zeigt.

Seit den 2000er-Jahren bietet die Pfarrei das Kerzenziehen an. «Wir kaufen jedes Jahr 75 Kilogramm Paraffin-Granulat mehrerer Farben in Säcken und stellen die Infrastruktur fürs Kerzenziehen zur Verfügung», sagt Pfarreileiter Armin Huber. Betreut wird das Kerzenziehen von freiwilligen Gruppen, zum Beispiel aus Pfadi und Jubla.

Beliebt bei Schulklassen und ideal als selbstgemachte Geschenke

An mehreren Nachmittagen im Advent kann das Kerzenziehen im Erdgeschoss der Kirche St.Karl spontan besucht werden. Auch Schulklassen können sich fürs Kerzenziehen anmelden. «Die Kinder sind begeistert und nehmen am Schluss stolz ihre Kerzen heim», so Huber. Selbstgezogene Kerzen sind denn auch ein beliebtes Geschenk für Grosi, Grossvater, Götti und Gotti. Die 10-jährige Yara will aber zuerst für sich selber eine Kerze herstellen. Sie war am Vortag mit ihrer Klasse beim Kerzenziehen. «Jetzt wollte ich nochmals hierherkommen mit ein paar Schulkolleginnen», sagt sie. Yara hat genaue Vorstellungen, wie ihre Kerze werden soll: hellblau, rot, pink und violett. Mitgekommen sind auch ihre Mutter und ihr Bruder Raul. Der 7-Jährige zieht das erste Mal Kerzen und hat es auf Anhieb im Griff. Die fertigen Exemplare werden gewogen, der Preis geht nach Gewicht – in der Pfarrei im St.Karl sind es 1.50 Franken pro 100 Gramm Kerze.

Die Technik des Kerzenziehens ist relativ simpel – Kinder ab dem Kindergartenalter können sie ausführen. Zuerst braucht es einen zirka 30 Zentimeter langen Docht – je nach gewünschter Kerzenlänge auch kürzer oder länger. Die Stärke des Dochts wählt man nach der gewünschten Dicke der Kerze.

Zum Schluss kommt die Überraschung

Der Docht wird beim ersten Mal rund zehn Sekunden in flüssiges Wachs, das in mehreren beheizten Kübeln bereitsteht, getaucht. Anschliessend wird er im Wasser gekühlt. Dann folgt ein wichtiger Schritt. Mit einem weichen, saugfähigen Tuch wird der eingewachste Docht von oben nach unten abgetrocknet. Dann wird er wieder kurz ins Wachs getaucht. Erneut muss der Rohling gekühlt und abgetrocknet werden. Zwischen den verschiedenen Farben kann abgewechselt werden. Mit der Zeit kommt man in seinen ganz eigenen Trott. Am Ende der Kerze bildet sich mit der Zeit eine Art Zapfen, der am Schluss abgeschnitten wird. Dies ist immer ein besonderer Moment, denn dabei kommen alle Farbschichten wie Jahrringe eines Baums zum Vorschein. Mit den Abschnitten können die Kerzen beliebig verziert werden. Die Kerze kann, wenn sie noch etwas weich ist, auch aufgeschnitten oder in farbigen Wachsstückchen «paniert» werden.

So einfach die Technik des Kerzenziehens ist, gibt es doch ein paar Dinge, die man beachten muss. Einer der häufigsten Fehler passiert aus Ungeduld: Die Kerze wird nach dem Wachsbad zu wenig lang im Wasser gekühlt. Mit der Zeit wird die Kerze immer weicher; im dümmsten Fall rutscht sie vom Docht und plumpst ins flüssige Wachs. Auch das Abtrocknen nach dem Kühlen will sorgfältig ausgeführt sein. Verbleibende Wassertropfen werden ansonsten bei den nächsten Wachs-Gängen eingeschlossen, und es entsteht eine picklige Kerze, die beim Abbrennen knistert oder gar auslöscht.

Hinweis: Farbige Paraffin-Kerzen selber ziehen: Im Untergeschoss der Kirche St.Karl, Luzern: 20. und 22. Dezember, 14 bis 18 Uhr. Luzerner Kerzenziehen aus Bienenwachs auf dem Sempacherplatz (Vögeligärtli), noch bis am 20. Dezember, 12 bis 18 Uhr. Es gilt für alle Teilnehmenden ab 16 Jahren Covid-Zertifikatspflicht und Maskenpflicht ab 12 Jahren.

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