Kristina Gysi
Die Pfützen auf dem Kiesplatz vor dem Hotel Kronen in Giswil zwingen Christoph Amstad, diesen in Schlangenlinien zu überqueren. Der Leiter des Sicherheits- und Justizdepartements Obwalden steuert auf das Haus Mondschein zu, das sich unmittelbar hinter dem Hotelgebäude befindet. Hier werden fortan Flüchtende aus der Ukraine eine neue Bleibe finden. Die Kollektivunterkunft bietet Platz für bis zu 80 Personen und wird im Moment von Valentina Rust, einer Mitarbeiterin des Sozialamts Obwalden, geleitet. Nach weiteren möglichen Unterkünften wird laut Amstad derzeit gesucht.
Über 500 Flüchtende erwartet der Kanton Obwalden bis im Spätsommer 2022. Diese sollen nicht in kahlen Zivilschutzanlagen untergebracht werden, sondern eine möglichst gemütliche Bleibe finden, so das Anliegen von Regierungsrat Amstad. Um das Haus Mondschein dementsprechend herzurichten, brauchte es etwas. Florian Ulrich, stellvertretender Sekretär des Sicherheits- und Justizdepartements, sagt: «Die Unterkunft und seine Umgebung musste aus einem Dornröschenschlaf geweckt werden. Der Zivilschutzdienst hat alles so weit vorbereitet, dass sich die Schutzsuchenden hier wohlfühlen können.»
Kinder sollen möglichst schnell Deutsch lernen
Schlafen werden die Ukrainerinnen und Ukrainer in Dreier- oder Viererschlägen. Dabei werde man mobilere Menschen in den oberen Etagen des Gebäudes einquartieren, so Unterkunftsleiterin Rust. «Natürlich schauen wir auch, dass Familien nach Möglichkeit im gleichen Zimmer oder nahe beieinander schlafen können.» Gross sind die Räume nicht. Deshalb können die Gäste in den Gemeinschaftsraum im Hotel Krone ausweichen. Zudem wurde in dessen Untergeschoss ein Spielzimmer für die Kinder eingerichtet. Um diese ging es in der vorangegangenen Medienkonferenz des Sonderstabs Ukraine denn auch vertieft.
«Gemäss unserer Bundesverfassung hat jeder Mensch einen Anspruch auf Grundschulunterricht», sagt Christian Schäli, Obwaldner Bildungs- und Kulturdirektor, zu Beginn seiner Rede. «Das gilt auch für die Kinder aus der Ukraine.» So werde eine Integrationsschule errichtet für jene Kinder, die künftig in der Kollektivunterkunft leben würden. Jene Kinder, die privat unterkommen, besuchen die Volksschule. «Ziel ist es aber, nach und nach alle Kinder in der Volksschule zu integrieren», so Schäli auf Anfrage.
Der Fokus werde zunächst auf das Erlernen der deutschen Sprache gelegt. Dies sei zwingend, damit sich die Kinder so schnell und gut wie möglich eingliedern können. «Schliesslich müssen wir davon ausgehen, dass diese Familien nicht so schnell in ihre Heimat zurückkehren können», sagt Schäli weiter. Eröffnet werden soll die Integrationsschule nach den Osterferien, geführt wird sie von der ehemaligen Leiterin der Schule Alpnach, Beatrice Hodel. Beim zusätzlichen Personal- und Organisationsaufwand wird die Gemeinde Giswil durch den Kanton unterstützt.
Vier offene Stellen sind zu besetzen
Weiter richteten Raphael Brüschweiler und Silvia Kiser das Wort an die anwesenden Medienvertretenden. Die Mitarbeitenden des Sozialdienstes Asyl Obwalden und Mitglieder des Sonderstabs stehen täglich mit Schutzsuchenden aus der Ukraine in Kontakt und erleben die Solidarität im Kanton hautnah mit.
Derzeit sei man noch auf der Suche nach zwei Zivildienstleistenden, die bei der Betreuung und Begleitung der ukrainischen Flüchtlinge mithelfen. Auch ein Sozialberater oder eine Sozialberaterin sowie ein ausgebildeter Koch oder eine Köchin seien gefragt.
Auch wurde die Frage der finanziellen Hilfe für Gastfamilien aufgegriffen. So werde das vom Bund zur Verfügung gestellte Geld zur Unterbringung von Schutzsuchenden an die helfenden Obwaldnerinnen und Obwaldner auf Antrag weitergegeben. Es sind dies 200 Franken im Monat für die Wohnpauschale und 150 Franken für die Verpflegung. Wer weitere Informationen zur finanziellen Unterstützung sucht, findet diese auf der Webseite des Kantons Obwalden.
Die ersten Schutzsuchenden werden heute Freitag auf dem Areal des Hotels Krone in Giswil erwartet. Bei Fragen zum Thema bittet der Kanton die Bevölkerung, nicht die Gemeinde Giswil, sondern den Sonderstab Ukraine des Kantons Obwalden zu kontaktieren.
Hinweis: Der Sonderstab Ukraine ist erreichbar via E-Mail an ukraine@ow.ch oder per Telefon 041 662 97 97.




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