Horw

Er fotografierte Katastrophen, Politiker und Volksfeste in Horw: Jetzt erhält Joseph Keller eine Ausstellung

Fotograf und Journalist Joseph Keller hat rund 5000 Negative hinterlassen. Nun zeigt das Gemeindearchiv Horw ausgewählte Bilder.

Der 1998 verstorbene Horwer Joseph Keller war ein in der Region bekannter Journalist und Fotograf. In seinem Nachlass befanden sich rund 5000 Negative. Das Gemeindearchiv Horw zeigt nun eine Auswahl seiner Bilder in einer Ausstellung. Fotografiert hat Keller aussergewöhnliche Ereignisse wie etwa den Besuch von Bundesrat Alphons Egli in Horw 1983, den Festumzug des Jodlerfestes 1966 oder Katastrophen wie den Brand der Zwischenbühne 1991, aber auch Alltägliches.

Keller wurde 1918 in Littau geboren und machte 1940 die Matura. Anschliessend studierte er Germanistik, Geschichte und Griechisch. Währenddessen leistete er auch 546 Tage Militärdienst, wie die Gemeindearchivare wissen. Nach mehreren Examen arbeitete er von 1949 bis 1952 als Assistent des deutschen Seminars an der Universität Zürich. Danach kehrt er nach Luzern zurück. Zunächst arbeitete er als freier Journalist, unter anderem für das «Vaterland», später hauptsächlich für den Horwer «Volksboten». Er berichtete aus Horw, Kriens, Malters, Littau und Schwarzenberg. Er arbeitete auch weiterhin für den «Volksboten» nachdem er die Zeitung 1989 seinem Nachfolger übergeben hatte. Er starb im Alter von 79 Jahren.

Die Rolliflex war sein Markenzeichen

Die Idee für die Ausstellung hatte Gemeindearchivmitarbeiter Peter Haas. Zu seiner Arbeit gehörte es, die Bilder zu sichten und jedes der 5000 Negative aus einem Pergaminmäppchen in Klarsichtarchivmappen umzulagern. «Dabei habe ich für einzelne Fotos Kontaktabzüge erstellt und mir war schnell klar, dass man einige davon zeigen muss», erzählt er. An der Auswahl war das gesamte Team von vier Personen beteiligt. Insgesamt werden rund 100 Bilder in der Ausstellung gezeigt, die zwischen 1955 und 1991 entstanden sind, 16 davon gibt es in Grossformat zu bestaunen. Die Auswahl erfolgte «intuitiv, wir haben uns davon leiten lassen, die Arbeit von Joseph Keller am ehesten abbildet», sagt Haas. Da Keller stets mit seiner Rolliflex mit Schachtsucher fotografiert habe, seien auch die Perspektiven im Vergleich zu heute eher ungewöhnlich. «Die Kamera trägt man zum Fotografiren vor dem Bauch, da man von oben hinab hineinblickt», erläutert Haas.

«Mir ist er auch wegen seiner besonderen Schreibweise und ungewöhnlichen Formulierungen in Erinnerung geblieben», erzählt Benno Zumoberhaus, Leiter des Gemeindearchivs Horw. «Deswegen zeigen wir in der Ausstellung auch ein paar Stilblüten.» So gibt es beispielsweise eine Meldung aus dem Volksboten mit dem Titel «Fritöös-Fäscht beim Beck Mathis». Vielen sei Keller zudem als Präsident des Heimatschutzes Horw bekannt gewesen. «Bei diesem Thema war er mit Leidenschaft dabei», sagt Zumoberhaus. 1967 kandidierte Keller für den Gemeinderat. «Horw lag ihm sehr am Herzen, das merkte man auch in seinen Texten. Sie waren allermeistens wohlwollend», pflichtet Haas bei.

Ziel des Gemeindearchivs sei es, durch Ausstellungen zugänglicher für die Bevölkerung zu werden, sagt Zumoberhaus. So habe es bereits drei Kunst-Ausstellungen im Archiv gegeben. Die Ausstellung zu Joseph Keller soll nun erneut Besuchende anlocken. «Ich denke, seine Bilder holen Erinnerungen hervor, welche sonst einfach verschüttet blieben.»

Ausstellung bis 22. Dezember im Gemeindearchiv Horw. Geöffnet FR/SA 9–11.30 Uhr.

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