Nachruf

Seppi Ritler war immer dabei

Vier Jahrzehnte prägte Josef Ritler die «Blick»-Berichterstattung in der Zentralschweiz. Nun ist der Reporter mit 87 Jahren gestorben.

Wenn irgendwo etwas passierte, war Seppi Ritler schon unterwegs. Manchmal holte ihn ein Helikopter in Ebikon ab. Kamera um den Hals, Krawatte am Kragen, angespannt, hungrig auf die gute Story. Josef «Seppi» Ritler, der «Blick»-Reporter, ist am 29. Oktober mit 87 Jahren gestorben.

Im Wallis besuchte er die Schulen in Naters und Brig. Eine Zementallergie beendete die Maurerlehre. 1959 begann er in Luzern eine Fotografenlehre. Heimliche Aufnahmen von Dreharbeiten für die Expo 64 brachten ihn zum «Blick». Fast alle rieten ab. Seine Frau Antonietta empfahl, es ein Jahr zu versuchen. Es wurden 40.

Er schoss das Pressebild des Jahres 1997

Vier Dekaden lang war «Blick-Seppi» Auge und Ohr des Boulevardblatts in der Zentralschweiz. Er berichtete vom Luzerner Bahnhofbrand und vom Feuer auf der Kapellbrücke. 1997 fotografierte er beim tödlichen Überfall auf die Luzerner Regiobank das Pressebild des Jahres: Der Bankräuber wurde in Unterhosen abgeführt. Er fotografierte Sean Connery am Furkapass, war Lady Diana und Prinz Charles auf der Skipiste auf den Fersen. «Nein! Aber ich wollte immer der Erste sein», antwortete er einmal auf die Frage, ob er sensationslüstern gewesen sei.

Sein Kapital war nicht nur der schnelle Auslöser. Es war sein Netzwerk. Ritler kannte «alle», Polizisten, Politikerinnen, Prominente. Er verteilte reihum Visitenkarten, konnte zuhören und präzise nachfragen. Mit Charme und Hartnäckigkeit öffnete er Türen. Und liess sich nach dem Foto von den Berühmtheiten gleich selbst mit ihnen ablichten. Seppi war eine Berühmtheit eigener Art, aus einer Zeit, als markante Journalisten noch selbst zu Prominenten wurden.

Das tägliche Morgenbild auf Social Media

Pensionierung? Nur auf dem Papier. Er arbeitete für Tele Tell und Seniorweb weiter, blieb hungrig nach allem Journalistischen. «Ich bin immer neugierig, auch heute noch», sagte er vor wenigen Monaten, als er angespannt darauf wartete, eine bekannte Persönlichkeit im richtigen Winkel vor die Linse zu bekommen. Auf Facebook veröffentlichte er täglich seine Morgenbilder vom See sowie Fotos aus seinem reichen Archiv, auf denen er sich an der Seite von Prominenten jeder Couleur zeigte.

Dort kündigte er auch eine bevorstehende Operation im Spital an. Wenig später kam die Todesnachricht. Es bleiben Tausende Bilder und Geschichten eines Mannes, der immer «g'wundrig» durchs Leben ging. Seppis Morgenbild wird fehlen.

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