Kanton Luzern

Informatik statt Latein: So will der Regierungsrat die gymnasiale Bildung reformieren

Der Regierungsrat hat Eckwerte für die Umsetzung der Gymnasialreform im Kanton Luzern erlassen. Diese soll einerseits den Vorgaben des Bundes entsprechen und andererseits die spezifischen Gegebenheiten des Kantons Luzern berücksichtigen.
Zukünftig kann Informatik an der Kanti als Schwerpunktfach gewählt werden.
Bild: Severin Bigler

In der Schweiz liegt die letzte grosse Reform der gymnasialen Maturität rund 30 Jahre zurück. Um den Entwicklungen seit dieser Zeit gerecht zu werden, hat der Bund im Jahr 2019 das Projekt «Weiterentwicklung der gymnasialen Maturität» angestossen. Dank dieses Projekts soll langfristig der prüfungsfreie Zugang zu den universitären Hochschulen mit gymnasialer Maturität sichergestellt werden. Auch soll die Reform zu einer Verbesserung der Vergleichbarkeit der Maturitätszeugnisse führen.

Seit Sommer 2024 sind die neuen nationalen Vorgaben in Kraft. Diese müssen in den Kantonen so umgesetzt werden, dass spätestens im Jahr 2033 die Maturitätszeugnisse gemäss dem neuen Reglement ausgestellt werden. Wie der Kanton Luzern nun mitteilt, hat ein Projektsteuerungsausschuss mit Vertretungen der Gymnasiallehrpersonen, der Rektorinnen- und Rektorenkonferenz und der Dienststelle Gymnasialbildung die Umsetzung für den Kanton Luzern vorbereitet.

Sieben Eckwerte definiert

Wie der Regierungsrat dabei festhält, plädiere man im Kanton Luzern für eine Evolution und nicht für eine Revolution des Gymnasiums. Der Regierungsrat will ausserdem einen gewissen Spielraum für die einzelnen Schulen im Kanton schaffen: «Das Luzerner Gymnasialwesen ist geprägt durch eine ausgeprägte Heterogenität der Gymnasien bezüglich ihrer Grösse. Zudem existieren an vielen Schulen pädagogisch-didaktische und organisatorische Eigenentwicklungen, die erhalten bleiben sollen.» Die vorgeschlagenen Massnahmen würden sich daher auf die zwingenden nationalen Vorgaben konzentrieren.

Der Regierungsrat hat zur Umsetzung sieben Eckwerte beschlossen, die einerseits den Vorgaben des Bundes entsprechen und andererseits die spezifischen Gegebenheiten des Kantons Luzern berücksichtigen sollen. Geplant ist, die erste Maturitätsprüfung mit dem neuen Format im Sommer 2032 durchzuführen.

Wochenstundentafel

Die Fächer «Informatik» sowie «Wirtschaft und Recht» werden neu zu Grundlagenfächern. Wie bisher wird kantonal eine Rahmen-Wochenstundentafel vorgegeben. Der Erlass von Rahmenvorgaben anstelle einer einheitlichen Lösung für alle Schulen hat bezüglich der Lehrpläne zur Folge, dass auf kantonaler Ebene ein Lehrplan erstellt wird, den die Schulen auf ihre Stundenpläne adaptieren.

Schwerpunktfächer

Das Angebot an Schwerpunktfächern soll erweitert werden. Die Fächer «Informatik» sowie «Geografie und Geschichte» sollen als Schwerpunkt gewählt werden können. Im Vergleich zum Status quo wird gemäss Plan Latein künftig nicht mehr als Schwerpunktfach geführt. «Die Nachfrage dafür ist in den letzten Jahren stetig zurückgegangen», so der Regierungsrat. Das bisherige Schwerpunktfach «Philosophie/Pädagogik/Psychologie» soll auf die Fächer «Pädagogik/Psychologie» reduziert werden.

Ergänzungsfächer

Die Ergänzungsfächer sollen interdisziplinär gestaltet werden, um die nationalen Vorgaben zu erfüllen. Soweit möglich, sollen die Ergänzungsfächer in einem Vier-Lektionen-Block im Maturajahr angeboten werden. «Dies erlaubt projektartiges Arbeiten und stärkt damit die überfachlichen Kompetenzen.»

Das neue Konzept sieht vor, Ergänzungsfächer nicht mehr als Maturitätsprüfungsfächer zu führen, da die Vielfalt der Themen standardisierte Prüfungen erschwert.

Maturitätsprüfungsfächer

Folgende fünf Fächer sollen als Maturitätsprüfungsfächer gelten: Deutsch, Französisch oder Italienisch, Mathematik und das gewählte Schwerpunktfach. Als fünftes Prüfungsfach sollen die Lernenden zwischen den Grundlagenfächern Geschichte, Philosophie, Biologie und Physik wählen können.

Nicht mehr gewählt werden kann laut Regierungsrat das Fach Englisch für die Maturitätsprüfung. «Damit wird die latente Sprachlastigkeit der Maturitätsprüfungen korrigiert», heisst es im Konzept. Denn bisher war es möglich, vier von insgesamt fünf Maturitätsprüfungen in Sprachfächern abzulegen.

Begleitete Selbstlernzeit

Mindestens drei Lektionen pro Klassenstufe sind als begleitete Selbstlernzeit vorgesehen. Dabei sollen Lernende, unterstützt durch Fachlehrpersonen, selbstständig verbindliche Fachaufträge bearbeiten. Ziel ist die Förderung selbstständigen Lernens und überfachlicher Kompetenzen. Die Selbstlernzeit kann in der Schule oder zu Hause stattfinden.

Transversale Unterrichtsbereiche

Mit «transversalen Unterrichtsbereichen» sind fächerübergreifende Inhalte oder Kompetenzen gemeint, die nicht nur in einem einzelnen Fach unterrichtet werden, sondern sich durch mehrere Fächer hindurchziehen. Für diesen Bereich sind laut Regierungsrat grundsätzlich die Schulen selbst verantwortlich.

Im Bereich «Bildung für nachhaltige Entwicklung» soll dabei vor allem das Fach Geografie die Grundlagen vermittelt, unterstützt von weiteren Fächern. Im Bereich «Politische Bildung» soll das Fach Geschichte diese zentrale Rolle übernehmen – ebenfalls unter Einbezug anderer Fächer.

Chancengerechtigkeit

Zur Förderung der Chancengerechtigkeit – insbesondere beim Übertritt von der Volksschule an die Maturitätsschulen und während des Maturitätslehrgangs – sollen auf der Basis der Erfahrungen mit den an den Luzerner Gymnasien bereits eingeführten Konzepten schulspezifische Lösungen umgesetzt werden. Dazu gehören betreutes Lernen, Förderkurse für Deutsch als Zweitsprache und individuelle Lernberatung.

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