Was passiert mit älteren Suchbetroffenen, wenn sie pflegebedürftig werden? Das ist im Kanton Luzern alles andere als klar. Aktuell gibt es hier keine Betreuungs- oder Pflegeplätze, die auf diese Thematik spezialisiert sind. Nun spricht sich der Luzerner Stadtrat für die Schaffung solcher Plätze aus, sieht sich allerdings nicht in der Hauptverantwortung.
In einer aktuellen Antwort auf eine SP-Interpellation spricht der Luzerner Stadtrat von einer «massiven Veränderung», was das Alter von Suchtkranken betrifft. Eine Erhebung der Anzahl älterer Personen mit illegalem Suchtmittelkonsum finde zwar nicht statt. Jedoch lasse sich feststellen, dass sich das Durchschnittsalter von Personen, die sich bei der Luzerner Psychiatrie einer Opioid-Agonisten-Therapie (OAT) unterziehen lassen, stark verändert habe. Zur Erklärung: Bei einer OAT erhalten Suchtkranke legale Substitutionsmedikamente, um Entzugssymptome zu lindern.
Mehr als 100 Drop-in-Patienten sind über 50
Die konkreten Zahlen besagen Folgendes: Ende 1998 gab es 132 substituierte Patientinnen und Patienten. Etwa zehn von ihnen waren zwischen 50 und 59 Jahre alt. Demgegenüber betreute das Drop-in der Luzerner Psychiatrie 2023 insgesamt 247 OAT-Patientinnen und -Patienten. Mittlerweile ist die Gruppe der 50- bis 59-Jährigen die grösste. 2023 umfasste sie 85 Personen. Hinzu kommen mehr als 20 Patientinnen und Patienten, die zwischen 60 und 69 Jahre alt sind.
Die veränderte Situation veranlasst den Luzerner Stadtrat zu einem Umdenken. «In der Stadt und im Kanton Luzern bestand bislang die Annahme, dass ältere suchtbetroffene Menschen die Regelstruktur nutzen sollen und in den bestehenden Angeboten auch im Alter einen Platz finden», hält die Exekutive in ihrer Antwort fest. Dies habe sich aber nicht bestätigt. Denn die Pflege und Betreuung von süchtigen Menschen stelle die Pflegezentren vor zahlreiche Herausforderungen. Die Beschaffung und der Konsum illegaler Suchtmittel sei in den Institutionen «verständlicherweise untersagt». Hinzu kämen Probleme wie ein verschobener Tag-Nacht-Rhythmus und der Suchtdruck.
Der Stadtrat kommt daher zum Schluss, dass ein «ausgewiesener Bedarf an einer spezialisierten Einrichtung für ältere Suchtkranke» bestehe. «Das würdevolle Altern und der Erhalt der Gesundheit von suchtbetroffenen Menschen soll aus Sicht des Stadtrates auch in Zukunft gewährleistet werden.» Dieses Anliegen bringe die Stadt wo immer möglich ein.
Erste Abklärungen laufen bereits
Laut Stadtrat gibt es seit 2025 Bestrebungen, «erste Lösungsansätze für den Aufbau eines Wohn- und Pflegeangebots für ältere Menschen mit Suchterkrankung zu entwickeln». Darin involviert seien die städtische Sozial- und Sicherheitsdirektion und der Kanton Luzern, aber auch diverse Trägerschaften aus der Kirche, dem Sozialbereich, der Suchthilfe sowie aus gemeinnützigen Stiftungen und Gesundheitsorganisationen.
Grundsätzlich hält der Stadtrat fest, dass er ein Angebot mit stationären Pflegebetten eher nicht bei der Stadtverwaltung angegliedert sehe, sondern bei einer privaten Institution. Gleichzeitig erklärt er sich bereit, diese Institutionen beim Aufbau solcher Pflegeplätze «im Rahmen seiner Möglichkeiten» zu unterstützen. Bislang hätten aber weder bestehende noch neue Organisationen ein entsprechendes Angebot lanciert.
Eine Projektarbeit, die zurzeit an der Hochschule Luzern läuft, soll in einem ersten Schritt Erkenntnisse zum konkreten Bedarf, aber auch zur Organisation und Finanzierung bringen. Dabei betont der Stadtrat, dass sich ein neues Angebot an ältere Menschen richten würde, die illegale Substanzen konsumieren. Denn Betagte, die von Alkohol, Nikotin oder Medikamenten abhängig sind, könnten meist auch in traditionellen Pflegeheimen adäquat gepflegt und betreut werden.


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