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Luzern

In Horw steht eine hohe Mauer für einen kleinen Bach

In Horw steht eines der beiden einzigen Rückhaltebecken aus Beton im Kanton Luzern. Auch wenn es angesichts der meist kleinen Wassermenge des Steinibachs unproportional gross scheint, musste es sein Potenzial bereits beweisen.
(Bild: Pius Amrein (Horw, 3. November 2020))
Die Holzstücke auf der Hochwasserentlastung zeugen davon, wie hoch das Wasser im Jahr 2005 anstieg. Einige Stunden vor dieser Aufnahme war das gesamte Steinibachbecken gefüllt, weiss Albert Dillier. (Bild: Albert Dillier (Horw, 22.08.2005))
(Bild: Pius Amrein (Horw, 3. November 2020))
Die Staumauer aus der Luft.  (Bild: Pius Amrein (Horw, 3. November 2020))

Salome Erni

Salome Erni

Salome Erni

Salome Erni

Salome Erni

Der Steinibach im Wald oberhalb der Horwer Autobahn hat zwar links und rechts steile Wände, doch das niedrige Wasser plätschert gemütlich vor sich hin. Angesichts dieses «Bächlis» erstaunt es, dass sich in der Nähe der Siedlung Grisigen eine 15 Meter hohe Wand im Bachbett auftürmt.

Die Mauer gehört zu einem Rückhaltebecken, das in seiner Grösse durchaus angemessen sei, erklärt Albert Dillier von der kantonalen Dienststelle für Verkehr und Infrastruktur. Er zeigt auf, dass das Volumen mit der Fläche des Einzugsgebiets und dem zu erwartenden Niederschlag errechnet wird. Dabei wird immer davon ausgegangen, dass das Bauwerk auch im Fall von Spitzenereignissen – sogenannten Jahrhundertniederschlägen – noch genügend Kapazität hat. Und ein solcher Fall trat bereits ein: Im Jahr 2005 hielt das gefüllte Becken 20'000 Kubikmeter Wasser davon ab, Horw unkontrolliert zu überschwemmen.

Rückhaltebecken wird ständig überwacht

Normalerweise fliesst der Steinibach durch ein Loch am Fuss der Mauer ab. Übersteigt aber die Wassermenge die Kapazität dieses Abflusslochs, beginnt sich das Wasser zu stauen. Auf unterschiedlichen Höhen sind elektrische Sensoren angebracht, die den steigenden Wasserstand aufzeichnen und automatisch Alarm beim Werkdienst der zuständigen Gemeinde und bei der Feuerwehr auslösen. Füllt sich das Becken ganz, läuft das überschüssige Wasser kontrolliert über eine Rampe, die sogenannte Hochwasserentlastung, ab.

Oberhalb der eigentlichen Mauer befindet sich der Geschieberückhalt, eine weitere kleinere Betonmauer. Die dort aufgehaltenen Steine müssen von Zeit zu Zeit weggebaggert werden. Zu einem ganz ähnlichen Zweck dient auch ein leiterartiges Metallgerüst oberhalb des Ausflusses, der sogenannte Holzfang. Er soll verhindern, dass das Loch verstopft. Was aber fehlt, ist eine Fischtreppe. Albert Dillier erklärt: «Grundsätzlich ist es zwingend, dass Fische stromauf und -abwärts schwimmen können. Das Gefälle des Steinibachs wurde jedoch durch den Bau des Tunnels so steil, dass eine Fischwanderung bachaufwärts sowieso nicht möglich ist. Deshalb konnte sie weggelassen werden.»

Erbaut wurde das Rückhaltebecken im Jahr 1998, als der Autobahntunnel Spier gebaut wurde. Zu diesem Zweck musste der Verlauf des Steinibachs verändert werden und seine Abflusskapazität verringerte sich. Dasselbe geschah auch beim gleichzeitig gebauten Tunnel Schlund in Kriens. Hier erhielt der Schlundbach ebenfalls ein Rückhaltebecken. Dieses ist jedoch mit einem Volumen von 10'000 Kubikmetern nur halb so gross wie dasjenige in Horw. Trotzdem gehören beide Becken zu den grössten im Kanton und haben als Einzige eine Betonmauer anstelle eines Erddammes. Was nicht zu sehen ist: So hoch wie die Mauern in die Höhe ragen, so tief sind sie auch im Erdreich und im Felsuntergrund verankert.

Info: Sämtliche aktuellen Aufzeichnungen und Daten zu den Luzerner Rückhaltebecken können auf dem Geoportal des Kantons Luzern angesehen werden.

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