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Luzern

In Hitzkirch läuft der Kampf um das heikle Bauressort – drei Männer in den Startlöchern

Bei den Gemeinderatswahlen der fusionierten Gemeinde Hitzkirch treten am 27. September sieben Kandidaten an. Ein Ressort steht besonders im Fokus.
Sieben Kandidaten für fünf Sitze (von oben links im Uhrzeigersinn): David Affentranger, Hugo Beck, Lukas Elmiger, Rebekka Renz, Josef Höltschi, Marcel Gavillet und Daniel Eugster.
Hitzkirch wählt am 27. September einen neuen Gemeinderat.
(Bild: Boris Bürgisser (10. September 2020))

Reto Bieri

Reto Bieri

Im März hat die Stimmbevölkerung der beiden Seetaler Gemeinden Altwis und Hitzkirch deutlich Ja gesagt zur Fusion, ab Anfang 2021 wird Altwis der achte Ortsteil von Hitzkirch. Der neue Gemeinderat wird am 27. September gewählt. Sieben Personen treten an, davon fünf Bisherige: die vier Hitzkircher Gemeinderäte David Affentranger, Rebekka Renz (beide CVP), Hugo Beck (FDP) und Daniel Eugster (SP) sowie der Altwiser Gemeindeammann Josef Höltschi-Christen (SVP). Hinzu kommen die zwei neuen Lukas Elmiger (CVP) und Marcel Gavillet (FDP). Nur der Gemeindepräsident wird direkt ins Ressort gewählt. Der 38-jährige Müswanger David Affentranger, der seit drei Jahren im Amt ist, dürfte die Wahl problemlos schaffen.

Besonders im Fokus steht das Ressort Bau, Wirtschaft und Umwelt. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die bisherige Amtsinhaberin Rebekka Renz das Ressort Bildung der zurücktretenden Gemeinderats- und Parteikollegin Luzia Ineichen übernehmen will. «Das hat sie bereits im Frühling kommuniziert», bestätigt Beat Weingartner, Co-Präsident der CVP-Ortspartei. Der Wechsel mache Sinn, da Rebekka Renz im Bildungsbereich tätig ist. Die 45-jährige Hitzkircherin unterrichtet als Dozentin an der Hochschule Luzern am Institut für Betriebs- und Regionalökonomie. Das Bauressort hat sie bei ihrer Wahl in den Gemeinderat vor vier Jahren auf Wunsch des Gemeinderates übernommen.

Neuer muss unpopuläre Rückzonungen anpacken

Für ihre Nachfolge im Ressort Bau stehen drei Männer in den Startlöchern. Lukas Elmiger, Marcel Gavillet und Josef Höltschi haben im Vorfeld ihren Anspruch angemeldet. Ein «harter Brocken» sei das Ressort, sagt CVP Co-Präsident Beat Weingartner. Der neue Amtsvorsteher müsse unter anderem die Rückzonungen der überdimensionierten Bauzonen anpacken und die Umnutzung des ehemaligen Granadorareals vorantreiben. «Wir haben mit Lukas Elmiger einen guten Kandidaten gefunden, der die Gemeinde kennt, vernetzt ist und aus dem neuen Ortsteil Altwis stammt.» Der 40-jährige Elmiger, mit welchem die CVP ihren dritten Sitz verteidigen will, ist gelernter Schreiner und arbeitet als Projektleiter bei einer Ladenbaufirma. «Bei einer Wahl würde er seine Stelle künden, um die nötigen Ressourcen für das Amt zu schaffen», so Weingartner. Es sei der CVP zudem ein Anliegen gewesen, eine Person zu finden, die in den Gemeinderat passt. «Dieser funktioniert momentan sehr gut.»

Einen «fähigen Kandidaten» reklamiert auch die FDP für sich. «Marcel Gavillet ist seit vier Jahren Mitglied der Controllingkommission. Er kennt dadurch die Problematiken im Bauressort sehr gut», sagt Ortsparteipräsident Thomas Keller. Der 58-jährige Gavillet wohnt in Retschwil und arbeitete bis Ende des vergangenen Jahres als Finanzchef der Hochdorf-Gruppe. Keller:

«Er wäre sich auch nicht zu schade, delikate oder unpopuläre Entscheide anzugehen.»

Zum Beispiel die geplanten Rückzonungen? «Das ist sicher ein Punkt, bei dem sich die Gemeinde mehr die für Bürgerinnen und Bürger einsetzen müsste», so Keller.

Bei einer Wahl Gavillets würden Elmiger und Höltschi wohl hintenanstehen – und der Ortsteil Altwis leer ausgehen. Ist dies der FDP egal? Keller kontert: «Retschwil war seit der Fusion im Jahr 2009 noch nie im Gemeinderat vertreten. So gesehen ist Retschwils Anspruch sogar grösser.»

Köpfe statt Parteizugehörigkeit?

Der FDP-Präsident geht von einem ausgeglichenen 1. Wahlgang aus und denkt, dass eine zweite Runde nötig werden könnte. Dieses Szenario ist auch für Daniel Thali, Ortsparteipräsident der SVP, vorstellbar. Der Hämiker hofft aber, dass der 62-jährige selbstständige Unternehmer Josef Höltschi den Einzug am 27. September schafft – und der SVP endlich den ersten Hitzkircher Gemeinderatssitz beschert. «Höltschi ist seit zweieinhalb Jahren Altwiser Gemeindeammann und hat Erfahrung. Zudem war er im Fusionsprozess involviert, befürwortete diesen und ist topmotiviert, den Zusammenschluss umzusetzen.» Als zweitstärkste Partei in Hitzkirch hat die SVP gemäss Thali Anspruch auf einen Sitz im Gemeinderat.

Keinen Anspruch auf einen zweiten Sitz hat, mit Blick auf die kantonalen Wahlen 2019, eigentlich die FDP. Deren Parteistärke betrug damals 19,5 Prozent. Thomas Keller sagt:

«Bei Gemeindewahlen spielt die Parteizugehörigkeit keine grosse Rolle, es geht um Köpfe»

Tatsächlich zeigte sich dieser Effekt übrigens bei den vorletzten Gemeinderatswahlen in Hitzkirch: Daniel Eugster von der SP erreichte 2016 das beste Resultat aller Kandidierenden, dabei beträgt die Parteistärke der Sozialdemokraten in Hitzkirch bloss 13 Prozent. Der 47-jährige Finanzfachmann aus Hämikon rückte 2015 in den Gemeinderat nach, er war damals der einzige Kandidat. Er kam bei der Bevölkerung offenbar gut an, wie das Glanzresultat knapp ein Jahr später zeigte.

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