Cornelia Bisch
Cornelia Bisch
Die noch nicht vollumfänglich ausgewertete, jedoch hochgerechnete Schulenderhebung des Kantons Zug ergibt Zahlen, die durchaus mit jenen der letzten Jahre vergleichbar sind. «Von den Abgängern der obligatorischen Schule und den Jugendlichen der Brückenangebote haben rund 76 Prozent eine definitive Lösung», fasst der Leiter des Berufsinformationszentrums Zug (BIZ) Urs Brütsch zusammen. Erleichterung schwingt in seiner Stimme mit:
«Die Situation ist weit weniger alarmierend, als wir sie im April eingeschätzt hatten.»
Für die verbliebenen 24 Prozent sei die Suche in den vergangenen Wochen des Lockdowns nicht leicht gewesen. Bewerbungen via Telefon, Post oder E-Mail hätten stattgefunden, jedoch seien die Verantwortlichen mancher Firmen schwerer erreichbar gewesen. «Schnupperlehren im Detailhandels- oder Gastrosektor waren natürlich nicht möglich.» Deshalb werde das Anmeldefenster für Lehrstellen vermutlich bis September verlängert. «Das wäre sehr gut. Dann hätten die Schulabgänger mehr Zeit für die Lehrstellensuche», so Brütsch. «Sie müssen sich nun aber unbedingt auf die Socken machen.»
Auch im Fachhandel sind noch Stellen offen
Dem BIZ seien Anfang Mai 230 freie Lehrstellen im Bereich Detailhandel sowie in verschiedenen anderen Branchen wie dem Gastro- oder Baugewerbe gemeldet worden. Das sei in etwa vergleichbar mit den Zahlen der Vorjahre. «Sogar in den Bereichen Sportartikel oder Zoofachhandel, die üblicherweise bei den Jugendlichen sehr beliebt sind, gibt es noch Stellen.»
Dem Vorurteil mancher Firmen, dass Schulabgänger, die bis jetzt noch keine Lehrstelle gefunden hätten, vom Wesen her zu langsam, nicht engagiert genug und deshalb ungeeignet seien, widerspricht Urs Brütsch vehement:
«Manche Jugendliche greifen erst jetzt auf Plan B zurück, nachdem sie lange einen etwas weniger aussichtsreichen Weg verfolgt haben.»
Das heisse aber keineswegs, dass diese Schüler weniger engagiert seien.
Dass aufgrund von Kurzarbeit oder allgemein wegen der Coronakrise weniger Lehrstellen angeboten oder sogar Lehrverträge zurückgezogen worden wären, sei ihm nicht bekannt, so Brütsch. Die Nachmeldungen von Lehrstellen im April/Mai seien hingegen etwas weniger zahlreich ausgefallen als früher.
«In den kommenden Jahren könnte das Lehrstellenangebot allerdings zurückgehen», befürchtet er. «Im August werden die neuen Lehrstellen mit Beginn 2021 aufgeschaltet. Dann zeigt sich, wie es in Zukunft aussehen wird.» Er habe die Hoffnung, dass die Situation ähnlich wie bei der Bankenkrise 2009 verlaufen werde, als sich das Lehrstellenangebot wider erwarten sogar leicht erhöht habe.
Zum Endspurt ansetzen
Im Fernunterricht während der Lockdown-Phase habe das Thema Berufswahl nicht wie üblich bearbeitet werden können, bedauert Peter Meier, Leiter der Rektorenkonferenz Zug. «Die Berufswahl fliesst normalerweise in den täglichen Unterricht ein.» Nun, da die Schüler wieder vor Ort seien, werde das Thema mit höchster Priorität angegangen. Auch die Programme «Rent a Boss» und «Rent a Stift», bei denen Arbeitgeber und Lehrlinge in die Klassen kommen und wichtige Tipps aus der Praxis vermitteln würden, hätten nur erschwert durchgeführt werden können, führt Meier aus.
Jene Jugendlichen im 9. Schuljahr, die noch keine Anschlusslösung gefunden hätten, müssten nun zum Endspurt ansetzen, da entscheidende acht Wochen fehlten. «Die Lehrpersonen sind sich der verschärften Situation bewusst. Sie unterstützen und stellen so weit möglich Kontakte her.»
Die vorgesehene Fristverlängerung für Lehrstellenvergaben bis zum Herbst könnte eine grosse Entlastung für Schulabgänger sein. «Das Problem dabei ist jedoch, dass die Schüler nicht mehr durch die Lehrpersonen betreut werden, sobald das Schuljahr zu Ende ist», gibt Meier zu bedenken. «Dann ist es besonders wichtig, dass gleich im Anschluss der Kontakt zum BIZ hergestellt wird.»
Am Dienstag, 23. Juni, ab 10 Uhr, findet die Veranstaltung «Kein Anschluss nach Schulschluss – was tun?» im Berufsinformationszentrum Zug (BIZ), Baarerstrasse 21, statt.


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